SPON-Umfrage Fußball der Frauen in Deutschland - wo sind die Fans?

Die WM 2019 in Frankreich startet - und wer guckt zu, wenn Frauen kicken? Die Antwort dürfte Sie überraschen.

Zuschauer beim EM-Spiel 2017 zwischen Deutschland und Russland
imago images/ Nordphoto

Zuschauer beim EM-Spiel 2017 zwischen Deutschland und Russland


Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Frankreich und die Chancen der DFB-Frauen auf einen Titelgewinn stehen nicht schlecht - zumindest gehören sie zum Favoritenkreis. In jedem Fall wird dem Team eine größere Aufmerksamkeit zuteil als im Alltag. ARD und ZDF übertragen alle Spiele des Teams live, auch SPIEGEL ONLINE wird ausgiebig berichten.

Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn gerade kein großes Turnier ansteht? Wer guckt den Frauen auch abseits der Endrunde beim Fußballspielen zu? Um das herauszufinden, hat SPIEGEL ONLINE beim Online-Meinungsforschungsinstitut Civey eine Umfrage und eine Zielgruppenanalyse in Auftrag gegeben.

Die Frage, wie oft sie eigentlich Fußballspiele der Frauen im Fernsehen oder im Stadion verfolgen, beantworteten elf Prozent der Bundesbürger mit "eher häufig" oder "sehr häufig". Fast jeder dritte Bundesbürger (etwa 32 Prozent) verfolgt sie selten. Und rund 56 Prozent der Befragten gucken sogar nie einem Fußballspiel mit Spielerinnen zu.

Religiös und familienorientiert

Diejenigen, die den Frauen häufiger beim Fußballspielen zuschauen, sind laut der Civey-Zielgruppenanalyse häufiger männlich als im Bundesdurchschnitt - Frauen sind hingegen im Hinblick auf die Verteilung in der Gesamtbevölkerung weniger interessiert. Fans sind eher in der Altersgruppe 65 und aufwärts zu finden, 30- bis 39-Jährige sind deutlich unterrepräsentiert.

Des Weiteren sind diejenigen, die Fußball der Frauen gucken, häufiger als im Bundesdurchschnitt Unions- oder SPD-Anhänger und beschreiben sich als konservativ, Grünen-Wähler sind hingegen unterrepräsentiert. Weitere Eigenschaften der Häufig-Gucker: Sie sind religiös (vor allem katholisch) und familienorientiert.

Wer Fußballspiele der Frauen häufig oder sehr häufig verfolgt, dessen beliebtestes TV-Format ist Sport - und in der Freizeit betreibt der- oder diejenige ebenfalls gerne Sport. Die Themen Sport, Autos und Wirtschaft sind dabei im Vergleich zur bundesdeutschen Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich häufig von Interesse.

Anmerkungen zur Methodik: Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 25.5.-3.6.2019 online erhoben. Die Stichprobe umfasst 1500 Personen, der statistische Fehler liegt bei 3,1 Prozentpunkten.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

bka



insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
blurps11 07.06.2019
1.
Interessanter als ein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung dürfte einer mit dem Publikum der Männer sein. Denn dass sich die Zuschauer nicht aus allen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen rekrutieren, ist ja doch eher banal.
derfriemel 07.06.2019
2. Meine Meinung
Ich sehe mir das nicht an. Das Schauspiel ist mit Männerfußball nicht vergleichbar.
BassErstaunt 07.06.2019
3. faszinierende Erkenntnis...
Was für eine Erkenntnis und Ironie: Frauenfußball, der Sport für alle, (weiße?) Männer... Naja, mein Schwiegervater ist auch Rentner und interessiert sich für Fußball. Der guckt das auch. Ich falle raus, ich gucke sowieso keinen Fußball.
aktiverbeobachter 07.06.2019
4. Kein Interesse
Diese Sportart der Damen findet nicht mein Interesse. Finde das langweilig, wenig kämpferisch, nicht spannend, technisch auf einem niedrigen Niveau und erinnert mich nur wenig an Fussball. Wers mag, gerne bitte. Ich finds stink langweilig.
matthip 07.06.2019
5. Bekenntnis
Ich schaue mir das nicht an, dazu liebe ich diese Sportart zu sehr.
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