Australien im Achtelfinale Leckie mio

Bei Hertha wurde er einst aussortiert – nun schießt Mathew Leckie die »Socceroos« überraschend in die K.-o.-Runde. Und die hoch gehandelten Dänen als Gruppenletzte aus dem Turnier.

Mathew Leckie brachte Australien mit seinem ersten WM-Tor ins Achtelfinale

Mathew Leckie brachte Australien mit seinem ersten WM-Tor ins Achtelfinale

Foto: Rolex dela Pena / EPA

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Kein Mehrwert? Jürgen Klinsmanns Zeit als Trainer bei Hertha BSC war ein einziges Missverständnis – mit einer furiosen Schlusspointe. Nachdem Klinsmann sein Amt im Winter 2020 niedergelegt hatte, veröffentlichte die »Bild« eine mittlerweile berühmte Liste. Der ehemalige Bundestrainer hatte darauf alle Hertha-Spieler notiert und bewertet, ob sie dem Verein einen »Mehrwert« generieren. Über Mathew Leckie schrieb Klinsmann knapp: »Stets verletzt und satt, kein Mehrwert.«

Eben jener Leckie bekam im Spiel gegen Dänemark einen Steilpass serviert, wackelte mit zwei Haken Joakim Maehle aus und schoss überlegt zum 1:0 ein. Es war eines der wertvollsten Tore der australischen Fußballgeschichte.

Das Ergebnis: Australien gewann 1:0 (0:0) gegen Dänemark und steht zum zweiten Mal nach 2006 in einem WM-Achtelfinale. Im Parallelspiel siegte Tunesien gegen eine französische B-Elf 1:0 (0:0), konnte Australien aber nicht von Platz zwei der Gruppe D verdrängen. Hier geht es zum Bericht der beiden Spiele.

Die erste Hälfte: Zu Beginn war das Spiel – wenn überhaupt – allenfalls für Taktiknerds interessant. Australien stand tief hinten drin, im Wissen, dass ein Unentschieden zum Weiterkommen reicht, falls Tunesien nicht gegen Frankreich gewinnt. Dänemark dagegen musste Australien schlagen, um noch ins Achtelfinale vorstoßen zu können. Dementsprechend taten die Dänen mehr, gefährlich wurde es selten.

Der geheimste Geheimfavorit: Argentinien, Brasilien, Spanien und natürlich Frankreich. Diese Teams galten vor der WM als Titelanwärter. Ein Regal darunter kategorisierten nicht wenige Experten Dänemark ein. Die Rede war vom Geheimfavoriten oder wahlweise »geheimen Geheimfavoriten«, der dann irgendwann gar nicht mehr so geheim war. Diesen Status sind die Dänen erst mal los.

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Die Achse bröckelt: Als Geheimnis für die vermeintliche Stärke von »Danish Dynamite« galt die zentrale Achse. Im Tor der ewige Kasper Schmeichel, davor Verteidiger Andreas Christensen, angestellt beim FC Barcelona. Im Zentrum Pierre-Emile Höjbjerg, einer der stabilsten Abräumer der englischen Premier League. Und als Spielmacher natürlich Christian Eriksen, eineinhalb Jahre nach seinem Herzstillstand beim EM-Spiel gegen Finnland. Recht viel besser geht es nicht. Doch die Schlüsselspieler fanden nichts ins Turnier. Und daneben fehlt die Qualität.

Christian Eriksen und seine Dänen sind raus

Christian Eriksen und seine Dänen sind raus

Foto: ALBERTO PIZZOLI / AFP

Nebensache: Im vergangenen Jahr spielten sich die Dänen in einen Flow, nachdem Eriksen nicht mehr dabei war. Sie kämpften für ihren besten Spieler, stießen bis ins Halbfinale vor. Gefühlt versuchten alle, das Fehlen von Eriksen zu kompensieren. Diese mannschaftliche Geschlossenheit fehlte bei der WM. Das Ausscheiden schmerzt. Die meisten Dänen dürften aber nach Eriksens Herzstillstand noch im Kopf haben, wie unwichtig der Fußball dann doch ist.

Die zweite Hälfte: Australien wurde ein wenig stärker, Chancen blieben Mangelware. Dann fiel ein Tor im Parallelspiel. Für Tunesien, das 1:0 gegen Frankreich führte. Somit wären Australien UND Dänemark ausgeschieden. Ein Szenario, das Leckie wohl im Hinterkopf hatte, als er sich in der 68. Spielminute auf die Reise zu seinem Tor machte. Danach wackelten die Australier, den Dänen gelang aber kein Treffer.

Smartphones weg: Australiens Trainer Graham Arnold machte seinen Spielern schon vor dem Spiel gegen Dänemark eine klare Ansage: Handy weg in der Nacht. Er wollte sie abschirmen vom Soocer-Hype, der in Australien ausgebrochen ist. »Die Spieler schauen sich die Kommentare bis vier oder fünf Uhr morgens an und genießen all den Scheiß. Und das beeinflusst das Schlafverhalten.«

Der 59-Jährige spricht aus Erfahrung. Als er 2021 Australiens Olympia-Mannschaft betreute, seien die Spieler nach dem Auftaktsieg gegen Argentinien bis Tief in die Nacht online gewesen. Dann folgte das Aus in der Gruppenphase. Dieses Mal waren die Australier ausgeschlafen. Und der Trainer nach dem Sieg euphorisiert: »Vielleicht sprechen wir über eine neue goldene Generation.«

Müde Aussies: So ausgeschlafen wie die Spieler sind viele der 25 Millionen Australier morgen eher nicht. Wer das Spiel beispielsweise in der Hauptstadt Canberra verfolgen wollte, musste um 2 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzen. Dennoch gab es im ganzen Land Public Viewings.

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Leckie gegen Messi? Im Achtelfinale könnte es ein Aufeinandertreffen mit Argentinien geben. Topstar Lionel Messi gegen Mathew Leckie, der trotz der Klinsmann-Schelte noch bei Hertha blieb, dessen Abgang 2021 aber für keine Tränen in Berlin gesorgt hatte. Aktuell spielt der 31-Jährige für Melbourne City. Den Job als Messi-Stopper bekäme aber eher Jackson Irvine. Der Mittelfeldabräumer ist immerhin Kapitän bei Zweitligist FC St. Pauli.

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