Portugal startet mit Sieg über Ghana in die WM Wo sie Ronaldo noch auf Händen tragen

Kapitän, Startelf, ein WM-Rekord per Elfmeter-Geschenk – und selbst der Gegner imitiert den eigenen Jubel: Cristiano Ronaldo wurde zu Portugals WM-Auftakt jede denkbare Ehre erwiesen. Die Tränen kamen ihm schon bei der Hymne.
Ruben Dias, Diogo Costa und ein sichtlich angefasster Cristiano Ronaldo während der portugiesischen Hymne

Ruben Dias, Diogo Costa und ein sichtlich angefasster Cristiano Ronaldo während der portugiesischen Hymne

Foto: Richard Heathcote / Getty Images

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Der Schiedsrichter nimmt, der Schiedsrichter gibt: Nach gut einer halben Stunde hatte Portugals Cristiano Ronaldo allen Grund, aus der Haut zu fahren. Gerade hatte der 37 Jahre alte Rekordtorjäger der Portugiesen eigentlich seine dritte Großchance des Spiels zum ersten Treffer genutzt. Doch das Tor konnte nicht zählen, Referee Ismail Elfath hatte ein strittiges Foul abgepfiffen. Und weil er das vor der Torerzielung getan hatte, durfte selbst der Video-Assistent nicht mehr korrigierend eingreifen. Wie um Ronaldos Zorn zu besänftigen, traf Elfath eine halbe Stunde später die nächste bemerkenswerte Entscheidung, diesmal auf der anderen Seite. Mohammed Salisu spitzelte Ronaldo den Ball sauber vom Fuß, der Superstar kam zu Fall – und bekam einen Elfmeter zugesprochen, den er in der ihm eigenen Manier verwandelte. Manche nennen derlei Schiedsrichterei »Linie«, andere bevorzugen das Wort »Konzessionsentscheidung«.

Das Ergebnis: Elfaths Fehlern folgte ein kleines Spektakel im Stadion 974 in Doha, das 3:2 (0:0) für Portugal war trotz des Elfmeterchens aber hochverdient. Hier geht es zur Spielmeldung.

22 Spieler auf dem Platz, aber nur ein Protagonist: Das Spiel Portugal gegen Ghana war die Bühne für einen, der zwei Jahrzehnte die Weltspitze des Sports mitbestimmte, um zuletzt abzustürzen. Für Cristiano Ronaldo ist seine fünfte WM wohl die letzte. Er bestreitet sie als Spieler ohne Klub, nachdem er sich bei Manchester United erst nicht mehr durchsetzen konnte, um sich dann mit Trainer und Klubführung bis zur Vertragsauflösung zu überwerfen. Ob Ronaldo noch einmal zu einem Weltklub zurückkehren kann, ob er seine Karriere womöglich gar mit dem WM-Titel krönen kann: Es wird sich in Katar entscheiden. Die Bedeutung des Turniers scheint dem Superstar bewusst, während der portugiesischen Hymne stiegen »CR7« Tränen in die Augen.

Unglückliche Berührungen: Auf dem Platz schnitten die Portugiesen ihr Spiel dann wie gewohnt auf ihren Torjäger zu. Das konnten sie sich leisten: Als Mitfavorit gegen den von Trainer Otto Addo erst kürzlich aus der Krise geführten 61. der Fifa-Weltrangliste war Portugal mehr als zwei Drittel der Zeit in Ballbesitz, die Passgenauigkeit bewegte sich durchweg auf Höhe der 90 Prozent. Die Dominanz war da, Ronaldo sollte sie veredeln. Ein schwacher erster Kontakt aber machte eine Großchance zunichte, Lawrence Ati-Zigi im Tor Ghanas blieb Sieger (10. Minute). Ein Kopfball aus der dritten Etage ging knapp daneben (13.). Dann folgte die Berührung mit Alexander Djiku, die als vermeintliches Foul verhinderte, dass Ronaldo sein Tor schon vor der Pause erzielen konnte (31.).

Portugals Cristiano Ronaldo liegt am Boden, Schiedsrichter Ismail Elfath aus den USA zeigt auf den Elfmeterpunk

Portugals Cristiano Ronaldo liegt am Boden, Schiedsrichter Ismail Elfath aus den USA zeigt auf den Elfmeterpunk

Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Tarantinis Erbe: Der verwandelte Elfmeter in Hälfte zwei dann machte Ronaldo einerseits zum ersten Spieler der Geschichte, der bei fünf Weltmeisterschaften mindestens ein Tor erzielen konnte. Eine beeindruckende Leistung, aber vielleicht nicht einmal die spannendste Statistik: Noch dazu ist »CR7« nämlich der erste Spieler seit Alberto Tarantini 1978, der als Vereinsloser bei einer WM-Endrunde traf. Gutes Omen für Portugal: Tarantini wurde damals mit Argentinien Weltmeister.

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Und Ghana? Der Außenseiter war erst wenige Minuten vor dem Rückstand zum ersten Abschluss des Spiels gekommen, Mohammed Kudus hatte es aus der Distanz versucht. Ohnehin: Kudus, 22 Jahre alt und in dieser Saison mit vier Champions-League-Toren für Ajax Amsterdam aufgefallen, nutzte die Bühne des Spiels noch am besten für sich. Der offensive Mittelfeldspieler war es auch, der für die »Black Stars« mit einem Flügellauf über links den zwischenzeitlichen Ausgleich durch André Ayew einleitete.

Schwer zu halten: Mohammed Kudus (l.) im Zweikampf mit Portugals Ruben Neves

Schwer zu halten: Mohammed Kudus (l.) im Zweikampf mit Portugals Ruben Neves

Foto: MANAN VATSYAYANA / AFP

Portugal, entfesselt: Mit der Einwechslung von Rafael Leão legte Portugal dann noch einmal ordentlich zu. Mit dem Flügelspieler der AC Mailand hatte man nun einen echten Tempomacher in vorderster Front, Spielmacher Bruno Fernandes bediente gegen die nun stark beschäftigte ghanaische Abwehr erst João Félix (78.), dann Leão selbst mit starken Pässen in die Tiefe. Trotz des Rekordtreffers wird die Diskussion, ob Portugals junge Spieler Ronaldo nicht allmählich sportlich den Rang ablaufen, bleiben.

Einmal Ronaldo sein: Als Ikone funktioniert der Superstar dafür natürlich noch immer so gut wie niemand sonst. Das zeigte ausgerechnet der Gegner: Osman Bukari traf zum Anschluss für Ghana und zelebrierte seinen Kopfball mit dem klassischen, eingesprungenen Ronaldo-Jubel (89.). Bei aller Freude über das 2:3: Es blieb bei der ghanaischen Niederlage.

Siuuu für Anfänger: Seinen Jubel hat Ghanas Osman Bukari sich beim Talisman des Gegners abgeschaut

Siuuu für Anfänger: Seinen Jubel hat Ghanas Osman Bukari sich beim Talisman des Gegners abgeschaut

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Ende mit Schrecken: Einen Schlussakkord aber hatte diese Partie, in Hälfte zwei von öde zu wild gekippt, noch im Angebot: In der letzten Minute der Nachspielzeit übersah Portugals Torwart Diogo Costa, dass Ghanas Stürmer Iñaki Williams in seinem Rücken lauerte. Während Costa sich gemütlich den Ball zum Davonschießen hinlegen wollte, ging Williams aufmerksam dazwischen – und Costa durfte sich bei seiner schnell zugreifenden Abwehr bedanken, dass er nach Abpfiff nicht als der Depp des Spiels dastand (90.+10).

So geht's weiter: Für Ghana ist in Gruppe H trotzdem noch alles drin, gegen Südkorea am Montag (14 Uhr) sollte allerdings ein Sieg her. Portugal bekommt es am selben Tag mit Uruguay zu tun (20 Uhr).

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