Dumfries überragt bei WM-Achtelfinalsieg der Niederlande Denzel zeigt es Washington

Zwei Assists, ein Treffer: Im ersten WM-Achtelfinale glänzt ein Niederländer mit amerikanischem Namen. Louis van Gaals Matchplan geht auf, den USA konnte auch Präsident Joe Biden nicht helfen.
Der Mann des Spiels: Denzel Dumfries legte zwei Tore auf und traf zum Endstand

Der Mann des Spiels: Denzel Dumfries legte zwei Tore auf und traf zum Endstand

Foto: JOHN SIBLEY / REUTERS

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Training Day: Na gut, ganz ein Trainingsspielchen war es vielleicht nicht für den Mann, der 1996 in Rotterdam geboren und in Anlehnung an einen berühmten US-Schauspieler Denzel getauft wurde. Doch wer als nomineller Defensivspieler nach 90 Minuten zwei Vorlagen und das Tor zum Endstand auf der Habenseite hat, darf sich gewiss für ein gelungenes WM-Achtelfinale auf die Schulter klopfen. Denzel Dumfries knockte die USA fast allein aus dem Turnier. Er beackerte seine rechte Seite vor der Dreierkette mit Wucht und Timing, platzierte blitzsaubere, flache Flanken und ließ Louis van Gaals Matchplan, bei Gegenstößen schnell von links nach rechts zu verlagern, Angriff um Angriff aufgehen.

Das Ergebnis: 3:1 (2:0) setzte sich die Elftal gegen das Team aus den USA durch, die Niederlande stehen als erster Viertelfinalist fest. Hier geht es zum Spielbericht.

Grüße aus Washington: Die USA stehen nicht im Verdacht, eine Fußballnation zu sein. Basketball, American Football, Baseball und Eishockey, das sind die großen Vier, Fußball schaut man nur, wenn das Frauen-Nationalteam mal um einen Titel spielt. So lautet das Klischee, und noch immer stimmt es meist. So wirkt es auch etwas abgelesen, wie US-Präsident Joe Biden in einem Clip zum Achtelfinale ein onkelhaftes »It's called soccer« zum Besten gibt. Aber immerhin: In der amerikanischen Heimat schaute man auf dieses Achtelfinale.

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Van Gaals Talisman ist zurück: Zu sehen bekam das internationale Publikum aktive Amerikaner, denen durch Christian Pulisic beinahe die frühe Führung gelungen wäre. Andries Noppert war auf dem Posten. Die Elftal wirkte abwartend – doch sie tat sich nicht schwer, sie lauerte. Darauf, schnell umzuschalten und auf dem rechten Flügel Dumfries in Szene zu setzen, der mit einem flachen Ball Stürmer Memphis fand. Der schloss mit Übersicht und feiner Technik ab, es war sein 15. Tor im 16. Einsatz unter Trainer Louis van Gaal. Zu Robin van Persies niederländischem Rekord von 50 Länderspieltoren fehlen Memphis, der angeschlagen ins Turnier gegangen und erst gegen Katar in die Startelf zurückgekehrt war, noch sieben Treffer.

Nur noch sieben Treffer von Oranje-Rekordtorjäger Robin van Persie entfernt: Stürmerstar Memphis

Nur noch sieben Treffer von Oranje-Rekordtorjäger Robin van Persie entfernt: Stürmerstar Memphis

Foto: Julian Finney / Getty Images

Klassentreffen mit dem Gegner: 60 Prozent Ballbesitz, ansprechender Offensivfußball, 4-3-3-Grundordnung: Die USA bestritten die erste Hälfte niederländischer als der Gegner. Auf der rechten Abwehrseite hatte die Mannschaft von Gregg Berhalter dafür sogar ein Talent aus der Ajax-Schmiede zur Verfügung: Sergiño Dest wurde im niederländischen Almere geboren, reifte acht Jahre in Amsterdam und spielte bis zum Sommer sogar mit den Oranje-Stars Frenkie de Jong und Memphis beim FC Barcelona. Im Blickpunkt stand Dest gegen sein Geburtsland aber nur einmal – als er bei Daley Blinds Tor zum 2:0 zu spät kam (45.+1).

Nummer Einsen aus dem Nichts: In der zweiten Hälfte agierten beide Teams mit etwas offenerem Visier als noch vor der Pause: Die USA wollten aufholen, die Niederlande durften kontern. So musste nicht nur 2,03-Meter-Mann Noppert, der es aus Heerenveen ohne Länderspiel zum WM-Stammtorhüter gebracht hatte, einige Male eingreifen. Vor allem schlug die Stunde von Matt Turner, US-Nummer eins und Spätstarter ohnegleichen: Erst mit 23 gab der Mann aus New Jersey sein Debüt in Major League Soccer, fünf Jahre später ist Turner Profi beim FC Arsenal und hielt für sein Land stark gegen Memphis (61., 71.) und Koopmeiners (71.).

Starke Reflexe: Matt Turner pariert Memphis' Flugkopfball

Starke Reflexe: Matt Turner pariert Memphis' Flugkopfball

Foto: Luca Bruno / AP

Ein fast deutsches Problem: Die USA hingegen schafften es nicht, die gute Spielanlage in Torgefahr umzumünzen. Mit Jesús Ferreira startete nach Haji Wright und Josh Sargent, der verletzt fehlte, schon der dritte Mittelstürmer im vierten WM-Spiel. Ähnlich der deutschen Nationalmannschaft fehlt eine Nummer Neun, die das Niveau des Teams hält oder gar anhebt. Dass Wrights Tor aus einer glücklichen Bogenlampe resultierte, war bezeichnend. Ähnlich wie dem DFB-Team 2024 steht den USA mit der WM 2026 bald ein Heim-Turnier ins Haus – bis dahin, so hofft man, sollen sich die jungen Angreifer zu Torjägern entwickelt haben.

Louis' Pfad ins Finale: Für die Niederlande geht es nun bei van Gaals letztem Turnier als Cheftrainer im Viertelfinale weiter. Um das Endspiel zu erreichen, warten statt nord- nun wohl südamerikanische Hürden: Als Nächstes geht es gegen den Sieger der Partie Argentinien gegen Australien, im Halbfinale könnte der Gegner (vorbehaltlich etwaiger Überraschungen) Brasilien heißen.

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