Pressestimmen zur WM-Eröffnung »Eine Enttäuschung mit zwölf Jahren Vorbereitung«

Die WM in Katar läuft und die internationale Presse sieht eine Menge Dinge kritisch: ein schwaches Team, flüchtende Fans – und eine Verhöhnung.
Katars Torhüter Saad Al Sheeb

Katars Torhüter Saad Al Sheeb

Foto: Hassan Ammar / AP

In Katar ist am Sonntag die Fußballweltmeisterschaft eröffnet worden. Das Turnier gilt als umstritten, vor allem Katars Umgang mit Gastarbeitern und Menschenrechten steht immer wieder in der Kritik. Zum Auftakt hielt Fifa-Chef Gianni Infantino eine bemerkenswerte Rede, die für Spott und Ärger sorgte. Zudem verlor die katarische Fußballnationalmannschaft als erstes Gastgeberteam der Historie das Eröffnungsspiel einer Weltmeisterschaft. Viele Fans waren bereits vor dem Ende der Partie aus dem Stadion geströmt.

Das sind die internationalen Pressestimmen zum Start der WM in Katar:

Spanien

»Marca«: »Mit Geld bekamen sie die Kühlung hin, aber nicht, wie man gut Fußball spielt. ... Beim Elitefußball ist es ohne Talent fast unmöglich. Und wenn darüber irgendein Zweifel bestand, dann brauchte die WM, der anspruchsvollste und spektakulärste Sportwettkampf der Welt, drei Minuten, um das ins Gedächtnis zu rufen.«

»El País«: »Der Emir von Katar eröffnet das Turnier und feiert die ›Diversität‹ in einer Loge mit kaum Frauen.«

Frankreich

»L'Équipe«: »Katar hat nicht wirklich das Niveau, um bei seiner Weltmeisterschaft eine Rolle zu spielen, und ein großer Teil seines Publikums kehrte in der zweiten Halbzeit nicht zurück. Eine irre Eröffnung.«

»Le Figaro«: »Eines ist sicher: Katar hat bei diesem Auftaktspiel nicht beeindruckt. ... Ein Eröffnungsspiel, das im Großen und Ganzen nicht in die Geschichte eingehen wird, bestritten im langsamen Tempo, mit wenigen Chancen und wenig Spektakel.«

Österreich

»Kronen-Zeitung« [zu Infantinos Aussage, er habe Diskriminierung wegen seiner roten Haare erlebt]: »Ein Satz, der für die verfolgten Minderheiten und unterdrückten Frauen eine Verhöhnung ist. Unpassend und selbstherrlich. ... Für etliche Katar-Kritiker steht allerdings fest: Der Tiefpunkt ist bereits vor dem Anpfiff des ersten Spiels erreicht.«

Großbritannien

»Daily Mirror«: »Enner Valencia strahlte sogar noch heller als die Lichtshow der Eröffnungsfeier, als Ecuador Gastgeber Katar im ersten Spiel besiegte. ... Katar muss in den nächsten beiden Spielen etwas ganz Besonderes zeigen, um bei ihrer Heim-WM überhaupt eine Chance auf das Weiterkommen zu haben.«

»Telegraph«: »Katar bietet in seiner Eröffnungszeremonie ein perfektes Beispiel für Sportswashing dar. ... Letztlich war diese Zeremonie ein Schaukasten eines einzigartigen Zusammentreffens einer korrupten, geldversessenen Organisation und einem Regime mit einem mittelalterlichen Ansatz für Bürgerrechte und Arbeitssicherheit.«

»Guardian«: »Für Katar war dies eine Enttäuschung mit zwölf Jahren Vorbereitung. Das Gastgeberland hat diese Zeit damit verbracht, die Infrastruktur für eine Weltmeisterschaft aufzubauen, die von Kontroversen umhüllt und mit einem bitteren Beigeschmack gefüllt ist, der, was auch immer die nächsten vier Wochen bringen werden, wahrscheinlich nie weggespült werden wird.«

Italien

»La Repubblica«: »Als der Sprecher stolz die 67.000 Zuschauer auf den Tribünen des Al-Bait Stadions verkündet, sind viele längst gegangen. Bereits zur Halbzeit. Katar startet als Gastgeber sehr schlecht in die Weltmeisterschaft, die erste seiner Geschichte: Ein Spiel, das nie stattgefunden hat, zusammengefasst im Gesicht des katarischen Trainers, des Spaniers Felix Sanchez Bas, das er nach dem zweiten Tor von Enner Valencia mit der Hand verdeckt.«

bka/dpa
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