Englands Viertelfinaleinzug gegen den Senegal Die Mannschaft, die Deutschland gern wäre

Effizient, souverän, mit bester Chemie zwischen Jung und Alt: Im Stile einer Spitzenmannschaft fertigte England den Senegal ab. Dem Afrikameister gehörten die Tribünen, auf England wartet nun Titelverteidiger Frankreich.
Danke, Kleiner: Routinier Jordan Henderson geht nach Jude Bellinghams Assist auf Tuchfühlung

Danke, Kleiner: Routinier Jordan Henderson geht nach Jude Bellinghams Assist auf Tuchfühlung

Foto: IMAGO/ULMER / IMAGO/Ulmer/Teamfoto

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Mehr Turniermannschaft geht nicht: Lange ist es noch nicht her, da trennten sich Deutschland und England in einem Test-, pardon: Nations-League-Spiel 3:3. Im September waren sich Beobachter einig, dass beide Fußballnationen weit davon entfernt seien, bei der WM in Katar zu bestehen. Zehn Wochen später ist die DFB-Elf ausgeschieden – und England ein echter Titelkandidat. Im Achtelfinale gegen den Senegal zeigte das Team von Gareth Southgate eine nahezu beängstigend reife Leistung: Geduldig im Ballbesitz, stabil in der Defensive, eiskalt vor dem Tor. Schwächelnde Leistungsträger sind zurück bei alter Stärke, Jung und Alt im Kader harmonieren so sehr, dass Jordan Henderson bei seinem Führungstor Vorlagengeber Jude Bellingham mehr feierte als sich selbst. Is it coming home? Nur die Ruhe. Möglich aber scheint es allemal.

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Das Ergebnis: 3:0 (2:0) setzt sich England gegen den Senegal durch, Sorgen um den Viertelfinaleinzug machen musste sich der Favorit zu keinem Zeitpunkt. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Ein Notfall: Ganz aus dem Vollen schöpfen konnte Senegals Trainer Aliou Cissé nicht, mit Cheikhou Kouyaté und Idrissa Gueye fehlten im zentralen Mittelfeld gleich zwei routinierte Abräumer. Aber auch Gareth Southgates Team vermisste einen prominenten Namen, einen, der seit seinem Debüt für England vor zehn Jahren stets zur Startelf gehörte, wenn es in der K.-o.-Phase ernst wurde: Raheem Sterling war gar nicht erst im Kader. Der Chelsea-Profi sei abkömmlich, weil er sich um »Familienangelegenheiten« kümmern müsse, hieß es seitens der Engländer. Später klärte sich auf: Bewaffnete Einbrecher waren in Sterlings Haus eingedrungen, während dieser in Katar weilte.

Wie die Löwen jagen: So begann das Duell der »Three Lions« gegen die »Löwen von Teranga« mit kleineren Handicaps auf beiden Seiten. Merkbar waren sie kaum. Beide Teams brachten das, was sie konnten, gut und geduldig auf den Platz: England versuchte sich mit tempo-, aber selten risikoreichem Passspiel in die Zwischenräume zu kombinieren, der Senegal lauerte auf Ballverluste und schaltete blitzschnell um. So hatte der Afrikameister durch Ismaïla Sarr (22.) und Boulaye Dia (32.), der Jordan Pickford zur Großtat zwang, gleich zwei gute Chancen. Dann schlug England zu – und nutzte die erste Gelegenheit zur Führung.

Treibjagd: Ismaïla Sarr setzt Kyle Walker unter Druck

Treibjagd: Ismaïla Sarr setzt Kyle Walker unter Druck

Foto: Catherine Ivill / Getty Images

Zweierlei Harry: Zwei Eckpfeiler des englischen Erfolgs scheinen rechtzeitig ins Turnier gefunden zu haben. Harry Maguire spielte schon eine starke Vorrunde, seine Rettungstat gegen Dia (5.) wog auch gegen den Senegal höher als ein gefährlicher Fehlpass vor Sarrs Chance. Vor allem aber zeigt Harry Kane seine Klasse: Englands Nummer neun ist ein stürmender Spielmacher, er leitete die Führung mit einem schönen Pass ein und besorgte das 2:0 nach schöner Vorarbeit von Bellingham und Phil Foden selbst (45.+2). Es war Kanes elfter Treffer für England bei Großturnieren, damit ist er nun vor Gary Lineker alleiniger englischer Rekordhalter.

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Für Afrika: Auf dem Platz mochte die englische Mannschaft dem Senegal voraus sein, auf den Tribünen sorgten Trommler und kostümierte Fans hingegen gerade vor der Pause für eine hörbare Pro-Senegal-Stimmung. Das afrikanische Fußballfest im Al-Bait-Stadion in Chaur, etwa 35 Kilometer nördlich von Doha, folgte einer herausragend erfolgreichen Gruppenphase für den Kontinent: Sieben Siege gelangen den Vertretern Afrikas, 2018 waren es nur zwei gewesen. »Wir haben die senegalesische und die afrikanische Flagge gehisst«, sagte Nationaltrainer Cissé vor dem Spiel. Senegals Banner hängt nun auf halbmast. Marokko, das letzte im Turnier verbliebene afrikanische Team, trifft am Dienstag (16 Uhr) auf Spanien.

Auf den Rängen sorgte so manche Großkatze für Stimmung

Auf den Rängen sorgte so manche Großkatze für Stimmung

Foto: JACK GUEZ / AFP

Beflügelt: In der zweiten Hälfte verwaltete England das Ergebnis im Stile einer Spitzenmannschaft. Einmal legten die Three Lions sogar noch nach, Bukayo Saka machte nach Zuspiel von Foden sein drittes Turniertor (57.). Southgate hat damit auf den Außenbahnen mehr denn je die Qual der Wahl: ein Tor von Saka, zwei Vorlagen von Foden, dazu der ebenfalls schon dreimal erfolgreiche Marcus Rashford auf der Bank – und wohl bald auch wieder Sterling als Option. Über mangelnde Tiefe im Kader kann sich in England niemand beklagen.

K.-o.-Spezialisten: All das schlägt sich übrigens seit Southgates Amtsantritt auch merklich im Erfolg nieder. In der Länderspielgeschichte Englands gab es erst 15 gewonnene K.-o.-Duelle bei großen Turnieren, sechs davon gelangen seit 2018 unter Southgates Ägide.

Rivale mit wenig Historie: Im Viertelfinale heißt der Gegner nun Frankreich, die starke englische Defensive (erst zwei Gegentore) trifft auf den überragenden Kylian Mbappé (schon fünf Tore). Das Duell hat eine überraschend kurze Vorgeschichte, ein K.-o.-Duell zwischen beiden Mannschaften gab es bei Welt- oder Europameisterschaften noch gar nicht. Am Samstag (20 Uhr) bietet sich also die Chance, Geschichte zu schreiben.

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