Merkwürdiger Monolog von Fifa-Chef Infantino »Heute fühle ich mich homosexuell, heute fühle ich mich behindert«

Am Sonntag startet die umstrittene Fußballweltmeisterschaft in Katar. Bei einem Auftritt in Doha hat Fifa-Chef Infantino jetzt eine Wutrede gegen seine Kritiker gehalten.
Gianni Infantino hat WM-Gastgeber Katar einmal mehr verteidigt

Gianni Infantino hat WM-Gastgeber Katar einmal mehr verteidigt

Foto: Jonas Ekströmer / TT / IMAGO

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat kurz vor der Eröffnung der Weltmeisterschaft eine denkwürdige Pressekonferenz abgehalten. »Heute fühle ich mich katarisch, heute fühle ich mich arabisch, heute fühle ich mich afrikanisch, heute fühle ich mich homosexuell, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Gastarbeiter«, sagte Infantino, der seinen Zweitwohnsitz in Doha hat. Jeder und jede seien bei der WM herzlich willkommen: »Wenn jemand was anderes sagt, ist das nicht die Haltung des Landes – und es ist nicht die Haltung der Fifa«, ergänzte er.

Kritik am Turnier hat er in einem einstündigen Monolog einmal mehr scharf zurückgewiesen und sowohl Medien als auch Kritikern der WM Scheinheiligkeit vorgeworfen. »Diese einseitige Moralpredigt ist reine Heuchelei«, sagte der 52-Jährige in Doha. So seien etwa Verurteilungen aus der westlichen Welt vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte unangebracht. »Für das, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren getan haben, sollten wir uns für die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, den Menschen moralische Lektionen zu erteilen«, sagte Infantino.

Im Vorfeld der WM im Wüstenstaat wurden unter anderem die Menschenrechtssituation, Bedingungen für Arbeitsmigranten sowie fehlende Rechte für Frauen und der LGBTQ-Gemeinschaft angeprangert. Premierminister Scheich Chalid bin Chalifa Al-Thani hatte gegenüber der deutschen Innenministerin Nancy Faeser zuletzt eine »Sicherheitsgarantie« für Personen der LGBTQ-Community ausgesprochen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt Homosexuelle dennoch vor einer Reise nach Katar. Einer der lokalen WM-Botschafter hatte zuletzt in einer ZDF-Dokumentation Schwulsein als »geistigen Schaden« bezeichnet. Das sei nicht »die Haltung des Landes«, sagte Infantino, ohne konkret auf die Äußerung einzugehen.

Berichte über »gekaufte« Fanparaden seien fremdenfeindlich

Medienberichte über angeblich »gekaufte« Fanparaden im Vorfeld der WM-Endrunde bezeichnete Infantino in seinen Ausführungen außerdem als fremdenfeindlich. »Das ist Rassismus, purer Rassismus – das muss aufhören. Jeder in der Welt hat das Recht, für wen auch immer zu sein«, sagte er und fragte: »Kann jemand, der wie ein Inder aussieht, nicht für Deutschland oder Spanien sein?«

Das kurzfristig verhängte Alkoholverbot in katarischen Stadien sieht Infantino nicht als Problem. »Ganz ehrlich: Wenn das unser größtes Thema bei der WM ist, dann werde ich das sofort unterschreiben, zum Strand gehen und bis zum 18. Dezember entspannen«, sagte der Schweizer. »Ich persönlich finde: Wenn Fans für drei Stunden am Tag kein Bier trinken können, werden sie das überleben. Es gibt die gleichen Regeln in Frankreich, Spanien oder Schottland, wo auch kein Bier in den Stadien erlaubt ist.«

Auf Druck des Gastgebers Katar war nur zwei Tage vor der WM die Entscheidung widerrufen worden, in den Stadien Alkohol zu verkaufen. Geplant war es, nach den Spielen in speziellen Verkaufszelten alkoholhaltiges Bier anzubieten. »Es wird weiterhin acht oder zehn Fanzonen geben, wo man Alkohol kaufen kann«, sagte Infantino. Dies gilt allerdings erst ab 18.30 Uhr Ortszeit.

kjo/dpa/sid
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