Fußball-WM 2022 Katar weist Korruptionsvorwurf zurück

Englands Verbandschef fordert die Neuvergabe der Fußball-WM 2022. Der Grund sind die neuen Korruptionsvorwürfe gegen Ausrichter Katar. Dort kündigt man an, die Bewerbung mit allen Mitteln zu verteidigen.
Ex-Funktionär Bin Hammam: Schwere Korruptionsvorwürfe

Ex-Funktionär Bin Hammam: Schwere Korruptionsvorwürfe

Foto: TARIQ ALALI/ REUTERS

Hamburg - Im Zuge der neuen Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 weist das Organisationskomitee in Katar jegliche Schuld von sich. Man sei überzeugt, "dass wir die Ausrichtung der WM 2022 fair gewonnen haben", teilte das OK mit und kündigte zugleich an, alles zu tun, "um die Integrität der Bewerbung Katars zu verteidigen".

Der Vorsitzende des englischen Fußball-Verbands, Greg Dyke, hatte als Reaktion auf die Enthüllungen über Korruptionsvorwürfe gegen Katar eine Neuvergabe der WM 2022 gefordert. "Einige der Beweise sind ziemlich überwältigend", sagte er bei "Channel 4 News". "Wenn es sich zeigt, dass es ein korrumpiertes System gab und dass die Leute, die gewonnen haben, Schmiergeld und andere Mittel genutzt haben, um Stimmen zu bekommen, dann muss die WM natürlich erneut vergeben werden."

Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte berichtet, dass der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohamed Bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle gezahlt haben soll, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern. Dem Blatt liegen eigenen Angaben zufolge geheime Dokumente vor. Diese sollen belegen, dass der Katarer bereits ein Jahr vor dem entscheidenden Votum der Fifa-Exekutive im Dezember 2010begonnen hatte, Einfluss auf die Vergabe der WM zu nehmen.

2011 wurde Bin Hammam auf Lebenszeit gesperrt

Bin Hammam soll Zahlungen von jeweils bis zu 140.000 Euro auf Konten angewiesen haben, die von den Präsidenten von 30 afrikanischen Fußballverbänden kontrolliert werden. Fifa-Vize Jim Boyce hatte daraufhin eine neue Abstimmung über die WM 2022 nicht ausgeschlossen.

Mit den Vorwürfen der "Sunday Times" befasst sich die Ethikkommission der Fifa um Chefermittler Michael Garcia, der derzeit die Mitglieder des katarischen WM-OK befragt. "Die entscheidende Frage ist, ob der Zeitungsbericht stimmt. Garcia ermittelt seit geraumer Zeit, aber bislang liegt nichts Offizielles vor", sagte Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutsches Fußball-Bundes (DFB). Das katarische OK erklärte, "in vollem Umfang" mit Garcia zu kooperieren.

Der Asiatische Fußball-Verband (AFC) zeigte sich besorgt über die neuen Entwicklungen. Der Zuschlag für Katar bedeute sehr viel für den Kontinent, sagte Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, der Präsident des AFC. Er sei aber überzeugt, dass die Organisatoren "alles tun werden, um die Zweifel zu beseitigen".

Die WM-Organisatoren in Katar erklärten, Bin Hammam habe beim Bewerbungsverfahren keine Rolle eingenommen, weder offiziell noch inoffiziell. Fifa-Exekutivmitglied und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte eine Neuvergabe der Titelkämpfe in acht Jahren nicht ausgeschlossen, sollte der Abschlussbericht Unregelmäßigkeiten aufzeigen.

2011 war Bin Hammam von der Fifa-Ethikkommission wegen Verstößen gegen den Ethikcode auf Lebenszeit gesperrt worden.

mrr/dpa
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