Fußball-WM in Katar Fifa bestätigt Tod eines Bauarbeiters während der WM

Seit der Vergabe der WM 2022 ist Katar für den Umgang mit seinen Gastarbeitern immer wieder kritisiert worden. Nun ist während der WM ein Arbeiter auf der Baustelle eines Teamhotels ums Leben gekommen.
Baustellenarbeiter stehen in Doha an Bussen Schlange (Symbolbild)

Baustellenarbeiter stehen in Doha an Bussen Schlange (Symbolbild)

Foto: Str/ dpa

Ein offenbar von den Philippinen stammender Arbeiter hat während der Fußballweltmeisterschaft in Katar sein Leben verloren. Der Mann sei infolge eines Unfalls bei Reparaturarbeiten im Teamhotel der saudi-arabischen Delegation gestorben, berichtete die US-Sportnachrichtenseite »The Athletic« . Der Fußball-Weltverband Fifa bestätigte den Bericht.

Der Weltverband sei »zutiefst betrübt über diese Tragödie«, die »Gedanken und unser Mitgefühl sind bei der Familie des Arbeiters«, teilte ein Sprecher mit. Weitere Aussagen über den Unfall könne man erst treffen, wenn mehr Informationen bekannt seien. Die katarische Regierung nahm in dem Fall Ermittlungen auf. »Sollte die Untersuchung zu dem Schluss kommen, dass die Sicherheitsprotokolle nicht eingehalten wurden, wird das Unternehmen gerichtlich belangt und mit empfindlichen Geldstrafen belegt werden«, sagte ein Regierungsbeamter.

Katar ist auf Gastarbeiter angewiesen

Die Sportnachrichtenseite hatte berichtet, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann namens Alex handele, der auf Anfang 40 geschätzt wird. Er soll demnach in einen Unfall mit einem Gabelstapler verwickelt gewesen sein. Beim Sturz von einer Rampe sei er mit dem Kopf auf Beton aufgeschlagen, heißt es weiter. Einen Sicherheitsgurt habe der Mann nicht getragen – warum, sei nicht bekannt.

Katar hat seit der Vergabe der WM 2022 ein beispielloses Bauprogramm verabschiedet. Neben sechs neuen Stadien wurden unter anderem ein U-Bahnnetz, zahlreiche Hotels und andere Infrastrukturprojekte aus dem Boden gestampft. Das Emirat setzt dabei wie auch andere Staaten in der Golfregion auf Gastarbeiter, um seinen Ambitionen überhaupt gerecht werden zu können. Ein Großteil kommt aus den ärmeren Ländern Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan, aber auch aus arabischen Nachbarstaaten.

Seit der Vergabe der Weltmeisterschaft ist Katar für den Umgang mit seinen Gastarbeitern immer wieder kritisiert worden. Von Ausbeutung, Zwangsarbeit, sogar einer modernen Form der Sklaverei war mitunter die Rede. Ergriffene Reformen gehen laut Menschenrechtsorganisationen bisher nicht weit genug.

Auch die Zahl der im Zusammenhang mit der WM gestorbenen Gastarbeiter sorgte immer wieder für Diskussionen. Offiziell sollen auf den WM-Baustellen vor der Weltmeisterschaft lediglich drei Bauarbeiter ums Leben gekommen sein. Der »Guardian« wiederum berichtete im vergangenen Jahr von über 6500 Gastarbeitern, die seit der WM-Vergabe nach Katar 2010 ums Leben gekommen sein sollen.

Welche Todesfälle als WM-bezogen gelten und welche als arbeitsbedingt, ist dabei umstritten, und die kursierenden Zahlen nur schwer einzuordnen. Eine einheitliche Erfassung der Todesfälle durch katarische Behörden, die etwa nach Todesursache, Alter, Nation und Berufsgruppe unterscheidet, gibt es nach Aussage der Internationalen Arbeits-Organisation ILO bislang nicht.

ara/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.