WM 2022 in Katar 48 Teams? Infantino will "Brücken bauen" und denkt an Saudi-Arabien

Die WM in Katar beginnt in vier Jahren. Geht es nach Fifa-Boss Gianni Infantino, sollen dann bereits 48 Teams teilnehmen. Profitieren könnte Saudi-Arabien, das auch hinter Infantinos 25-Milliarden-Angebot stehen soll.

Gianni Infantino
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Gianni Infantino


Fifa-Präsident Gianni Infantino arbeitet weiter an seinem Plan, bereits in vier Jahren eine Weltmeisterschaft mit 48 Teams zu veranstalten. Der durch Veröffentlichungen im Zuge der Football-Leaks-Berichterstattung des SPIEGEL und des Journalistennetzwerks EIC unter Druck geratene Schweizer hofft bei einer Aufstockung auf positive Effekte für die Region.

"Vielleicht ist der Fußball ein Weg, Brücken zu bauen", sagte Infantino dem britischen "Guardian". "Wir haben es auch bei der Bewerbung für 2026 gesehen: Das Recht, die Weltmeisterschaft zu organisieren, wurde drei Ländern zugesprochen (USA, Kanada und Mexiko), von denen ich denke, dass sie auch nicht die besten politischen und diplomatischen Beziehungen haben", sagte Infantino. "Aber Fußball bewirkt Wunder, wie wir wissen."

Eine WM mit 48 statt, wie bisher geplant, mit 32 Teams wäre für Katar mit den geplanten acht Stadien und im Zeitraum vom 21. November bis 18. Dezember 2022 allein nicht zu stemmen. Das Emirat müsste dann mit anderen Staaten zusammenarbeiten. Im Gespräch ist schon länger unter anderem Saudi-Arabien, das zu den Staaten gehört, von denen Katar derzeit politisch isoliert ist.

"Offenkundig ist die Beziehung mit den Nachbarstaaten ein Faktor, der die Situation verkompliziert", sagte Infantino. "Andererseits, selbst wenn die diplomatischen Beziehungen schwierig sind: Wenn es um Fußball geht, sprechen die Menschen miteinander."

Der 48 Jahre alte Infantino steht in der Kritik, weil er ohne konkrete Angaben eine angebliche 25-Milliarden-Dollar-Offerte für die Einführung einer Klub-WM und einer globalen Nations League durchsetzen wollte. Dabei sollen jedoch auch zahlreiche Fifa-Rechte veräußert werden, die den Weltverband aushöhlen würden. Infantino scheiterte bisher mit seinen Plänen im Fifa-Rat, weil er keine Angaben zum Ursprung des Geldes machen wollte. Es soll jedoch zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Saudi-Arabien stammen. Dem Land, das Infantino für die WM 2022 ins Spiel bringt.

krä/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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stroemfeld 22.11.2018
1. nicht die besten diplomatischen Beziehungen?
Wenn es mal eine gemeinsame Bewerbung von Saudi Arabien, Iran und Israel geben sollte dann kann infantino stolz sein, aber im Moment wünscht man sich eher Sepp blatter zurück und das ist traurig...
schwaebischehausfrau 22.11.2018
2. FIFA verklagen...
Unverständlich, wieso die bei der WM-Vergabe 2022 unterlegenen Bewerber die FIFA nicht schon längst verklagt haben. Ausgeschrieben war eine WM im Sommer, und spätestens bei der Verlegung auf den Winter (weil die FIFA ja anscheinend nicht wissen konnte, dass es im Juli ziemlich heiß in Katar wird) wurden die Ausschreibungskriterien massiv verletzt. Gleiches gilt für die Nummer, jetzt auf 48 Mannschaften aufzublähen und womöglich dann (wieder ohne Ausschreibung) einem weiteren Land einen Teil der WM zuschieben zu können. Und von wegen FIFA als Völkerverständiger: Saudi-Arabien braucht ganz dringend positive PR und dafür sind die Scheichs sicher bereit, auch viele Milliarden auf den Tisch zu legen. Und diese Milliarden will Infantino abgreifen, sonst gar nichts. Der würde die WM auch an den Leibhaftigen verschachern, wenn der genug zahlt.
josef2018 22.11.2018
3. Als
einzigen Vorteil bei einer Erhöhung auf 48 Mannschaften sehe ich dabei, dass dann Deutschland eine Chance hat, sich zu qualifizieren. Aber im Ernst, wieso sehen die Verantwortlichen in den Verbänden zu, dass Infantino die von Blattner schon installierten mafiösen Strukturen noch weiter ausbaut? Woher kommt diese Hilflosigkeit gegenüber dieser Person? Ich denke, das Zauberwort bei diesem Theater lautet schlicht und ergreifend "GELD"!
naeggha 22.11.2018
4. Fußball baut keine Brücken
es ist rein der finanzielle Aspekt, der hier zieht.
skeptikerjörg 22.11.2018
5. Schlimmer als Blatter
Schlimm, schlimmer, Infantino. Wahrscheinlich hat er es den Saudis schon versprochen und schon mal einen Vorschuss kassiert. Katar als Austragungsort ist schon schlimm, aber Saudi-Arabien? Wo Religionsterror Staatsraison ist? Wo der Kronprinz seine Killer losschickt, um jemanden mundtot machen zu lassen, der Kritik äußert. Wo jeden Freitag Menschen öffentlich gefoltert werden? Schlimm, schlimmer, Infantino.
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