Empörung über Äußerungen als TV-Experte Irans Coach fordert Klinsmanns Rücktritt aus Fifa-Gruppe

Äußerungen von Jürgen Klinsmann als TV-Experte in der BBC haben im iranischen Team für Empörung gesorgt. Der ehemalige Bundestrainer hatte die Spielweise Irans kritisiert und diese als »Teil ihrer Kultur« bezeichnet.
Jürgen Klinsmann in Katar

Jürgen Klinsmann in Katar

Foto: Nick Potts / PA Images / IMAGO

Irans Nationalcoach Carlos Queiroz hat Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf Twitter zum Rücktritt aus der Technischen Studiengruppe (TSG) des Weltverbandes Fifa aufgefordert.

Klinsmann hatte als TV-Experte bei der BBC das Spiel der iranischen Mannschaft gegen Wales kommentiert, unter anderem  unterstellte er ihr eine unsaubere Spielweise und sagte, dies sei »Teil ihrer Kultur«. Klinsmann stellte auch die Qualitäten von Trainer Queiroz infrage. Dafür war er in den sozialen Medien stark kritisiert worden. Auch im iranischen Team wurden die Aussagen mit Empörung aufgenommen.

Am Samstag reagierte der Portugiese Queiroz via Social Media und kritisierte Klinsmanns Wortwahl – und er stichelte dagegen, dass der ihn einfach »Carlos« genannt habe, er werde Klinsmann nun seinerseits mit »Jürgen« ansprechen: »Ganz egal, wie sehr ich respektieren kann, was du auf dem Feld getan hast, diese Äußerungen über die iranische Kultur, das iranische Nationalteam und meine Spieler sind eine Schande für den Fußball«, schrieb der portugiesische Coach. Er verfolge gespannt, welche Folgen das für Klinsmanns Arbeit für die Fifa habe, denn er erwarte Klinsmanns Rücktritt.

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Der einstige Weltklassestürmer Klinsmann, Weltmeister von 1990, sei jederzeit im Quartier des Iran willkommen – wenn er seinen Posten in der TSG aufgebe, schrieb Queiroz weiter. »Wir versprechen dir, dass wir keine Urteile über deine Kultur, Wurzeln und deinen Hintergrund abgeben werden. Wir versprechen dir, dass du jederzeit in unserer Familie willkommen bist«.

Klinsmann hatte auch die Leistung des Schiedsrichters, des Guatemalteken Mario Escobar, beim Match Iran gegen Wales kritisiert. Ein anderer Schiedsrichter hätte einen entscheidenden Unterschied gemacht, so Klinsmann. Zuvor hatte er behauptet, das Team von Queiroz habe auf den Referee eingewirkt, ebenso auf den Linienrichter und den vierten Offiziellen, »sie liegen ihnen konstant im Ohr«, sagte er. Klinsmann sprach auch von weiteren Vorfällen dieser Art, die »wir nicht gesehen haben«. Er selbst habe während seiner Zeit als Trainer in den USA Guatemala, Honduras und Costa Rica besucht, »und das hier entspricht im Grunde ihrer Kultur«.

Verband stichelt in Richtung Klinsmann

Der iranische Verband schloss sich am Sonntag Queiroz’ Forderung an. Er verlangte von Klinsmann eine Entschuldigung und bat die Fifa um Klärung. Das iranische Team lade ihn zu einem Vortrag »über die tausendjährige persische Kultur und die Werte von Fußball und Sport« in ihr Trainingslager ein, erklärte der Verband weiter. Als früherer Fußballer werde Klinsmann auch nicht nach seinen »berühmten dramatischen Diver« beurteilt.

Das iranische Team steht aufgrund der Proteste in der Heimat und einigen Aktionen, die als Unterstützung der Protestbewegung gedeutet werden, auch intern unter Druck. Im ersten Spiel gegen England (2:6) hatten die iranischen Akteure die Nationalhymne nicht mitgesungen, im zweiten Spiel gegen Wales (2:0) dann schon, einige Spieler bewegten aber nur minimal die Lippen.

Im letzten Gruppenspiel treffen die Iraner am Dienstag auf den Erzfeind USA, das Erreichen des Achtelfinals ist noch möglich.

ngo/dpa/sid
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