WM-Ausrichter Katar Lohnzahlung verbessert, echte Reform verschoben

Katar ist im Vorfeld der Fußball-WM 2022 wegen der Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter häufig kritisiert worden. Die Bezahlung der Migranten soll nun verbessert werden, das umstrittene Kafala-System bleibt jedoch bestehen.

Von der Einführung elektronisch gesteuerter Lohnzahlungen erhofft sich Katar sieben Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 einen ersten Schritt zur Imageverbesserung. Durch das neue Auszahlungssystem WPS sollen die bislang weitgehend entrechteten und oft auch unzureichend oder gar nicht entlohnten Gastarbeiter entweder 14-tägig oder monatlich verlässlich via Banküberweisung bezahlt werden.

Zuvor hatte es immer wieder Klagen darüber gegeben, dass die Arbeiter lange auf ihre Entlohnung warten mussten. Eine Studie aus dem Jahr 2013 kam zu dem Schluss, dass rund ein Fünftel der Migranten "manchmal, selten oder nie" pünktlich bezahlt wird.

Für Firmen, die sich nicht an die Bezahlungsvorschrift halten, werden nun Strafen bis zu 6000 Rial (knapp 1500 Euro) fällig. Zudem kann ihnen die Anstellung neuer Mitarbeiter verboten werden. Die Manager der Firmen müssen auch mit Gefängnis rechnen. Spezielle Kontrolleure sollen überprüfen, ob die Vorschriften eingehalten werden.

Von der WPS-Einführung zunächst unberührt bleibt Katars umstrittenes Kafala-System. Es sieht vor, dass ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen Bürgen haben müssen - in der Regel ist das ihr Arbeitgeber. Dieser kann den Angestellten unter anderem untersagen, den Arbeitgeber zu wechseln oder das Land zu verlassen.

Manche Kritiker sehen das Kafala-System als eine Form von moderner Sklaverei. Die katarische Führung hat schon mehrmals die Abschaffung versprochen. Ende Juni meldete sich die Regierung in einer seltenen Stellungnahme zu Wort und versicherte, das Kabinett arbeite an der finalen Fassung des nötigen Gesetzentwurfs. Die Reform werde bis Ende 2015 vollendet. Allerdings hatte Katar zuvor schon eine Abschaffung des Kafala-Systems bis Anfang 2015 und dann bis Mai dieses Jahres angekündigt.

krä/sid/afp