Mbappé überragt mit zwei Toren gegen Dänemark Wer soll ihn aufhalten?

Sie stoppten ihn mit Fouls – oder gar nicht: Kylian Mbappé war gegen die Dänen eine Naturgewalt. Schon jetzt ist der Superstar für Frankreich so erfolgreich wie Zinédine Zidane. Dänemark hat gegen Australien ein Endspiel.
Andreas Christensen möchte Kylian Mbappé stoppen – doch wie soll das fair funktionieren?

Andreas Christensen möchte Kylian Mbappé stoppen – doch wie soll das fair funktionieren?

Foto: PAUL ELLIS / AFP

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Auf Zidanes Spuren: Kylian Mbappé ist schnell. Verdammt schnell. Der Superstar der Franzosen gewinnt nicht nur jedes Laufduell. Er muss auch nie im Abseits stehen, weil er die Distanz bis zum Tor sowieso innerhalb der Sekunden überbrücken kann, in denen das Zuspiel in der Luft ist. So war es auch beim Siegtor gegen Dänemark: Ein Sprint in die Flanke Antoine Griezmanns hinein, den Ball fix per Oberschenkel ins Tor gewuchtet, wieder ein Spiel entschieden (86. Minute). Nicht nur steht Mbappé mit Frankreich als erster Mannschaft im Achtelfinale der WM, sein 31. Länderspieltor ließ ihn auch mit dem legendären Zinédine Zidane gleichziehen. Wer so schnell ist wie der Stürmer von Paris Saint-Germain, der schafft auch das schon mit 23 Jahren.

Das Ergebnis: 2:1 (0:0) setzt Frankreich sich gegen Dänemark durch, erstmals seit 2010 übersteht damit ein Titelverteidiger wieder die WM-Gruppenphase. Zum Spielbericht geht es hier.

Zwei Arten von Kadertiefe: Die Stimmungslage der zwei Favoriten in Gruppe D war nach dem Auftakt arg unterschiedlich. Für Frankreich bedeutete das 4:1 über Australien einen Einstand nach Maß, für Dänemark das 0:0 gegen Tunesien eine Enttäuschung. Die saß so tief, dass Kasper Hjulmand gleich drei neue Angreifer ins Team rotierte: Kreativmann Mikkel Damsgaard, Sturmtank Andreas Cornelius und Tempodribbler Jesper Lindström sollten für Gefahr sorgen. Talentierte Spieler, aber: Der dänische Komplettwechsel der Offensive kam erkennbar aus der Not heraus. Weltmeister Frankreich stellte den Dänen ein ebenfalls komplett neues Defensivtrio entgegen – Theo Hernández ersetzte seinen verletzten Bruder Lucas, die Hereinnahme von Jules Koundé und Raphaël Varane las sich eher danach, als wollte Didier Deschamps all seinen Weltklassespielern Wettkampfpraxis verschaffen.

Wen kümmert schon die Nations League? Die Favoritenrolle durfte vor Anpfiff tatsächlich diskutiert werden. Klar, Frankreich ist Titelverteidiger, hat die größeren Stars, die bessere Form. Im Juni wie im September aber trafen sich beide Mannschaften bereits in der Nations League zum Duell, zweimal hieß der Sieger Dänemark. Eine Wiederholung ließen die ersten 45 Minuten allerdings nicht vermuten: Ein Kopfball von Adrien Rabiot (21.), ein Schuss von Antoine Griezmann (33.), etliche kleinere Chancen für den Sturm um Mbappé – Frankreich bestimmte das Spiel im Stadion 974 in Doha, kam zur Pause auf 13 Schüsse. Dänemarks Offensive? So blass wie gegen Tunesien.

Die eigene Medizin: Im britischen Fußball existiert der schöne Begriff der »shithousery«. Der beschreibt ein Verhalten auf dem Platz, das sich frech im Grenzbereich des Erlaubten bewegt, um das Spiel zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Dänemarks Joachim Andersen ist Profi darin: Zu Saisonbeginn piesackte der für Crystal Palace spielende Verteidiger seinen Gegenspieler Darwin Núñez so lange, bis dieser sich zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ und vom Platz flog. Gegen Frankreichs Sturmveteran Olivier Giroud, selbst mit neun Jahren England-Erfahrung, klappte das weniger gut. Diesmal war es Andersen, der sich nach einem Gesichtswischer Girouds entnervt an Schiedsrichter Szymon Marciniak wandte – vergeblich.

Patsch: Olivier Giroud macht sich bei Joachim Andersen per Wischer bekannt

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Foto: IMAGO/Javier Garcia/Shutterstock / IMAGO/Shutterstock

Elf gegen Elf statt Zehn gegen Zehn: Mehr als Gelb hätte die Szene wohl auch nicht verdient gehabt. So wie auch zwei weitere Szenen, in denen die Furcht vor dem Platzverweis zumindest kurz durchs Stadion wogte: erst eine vermeintliche Notbremse von Andreas Christensen gegen Mbappé (20.), später ein Tritt von Jules Koundé auf den Knöchel von Victor Nelsson. Schön, dass dieses Spiel nicht zerpfiffen wurde.

Nur kurz gemenschelt: Nach der Pause fand dann erst Mbappé nach Doppelpass mit Hernández seinen Weg durch die dänische Abwehr (61.). Ein Torerfolg, der die beste dänische Phase einleiten sollte: Erst gelang Christensen nach einer Ecke von Christian Eriksen der Ausgleich, dann schoss Lindström Frankreich-Keeper Hugo Lloris an (73.), der zur Pause gekommene Martin Braithwaite traf den Außenpfosten (82.). Sollte Frankreich dieses so dominant geführte Spiel noch aus der Hand geben? Die Antwort gab Mbappé.

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So geht es weiter: Am Mittwoch um 16 Uhr steigt in Gruppe D der Showdown um den verbliebenen Achtelfinal-Platz hinter Frankreich. Dänemark muss dafür zwingend gegen Australien gewinnen – und hoffen, dass die Franzosen gegen das punktgleiche Tunesien nicht zu sehr im Schongang auftreten.

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