Wegen angedrohter Sanktionen DFB-Kapitän Manuel Neuer spielt ohne »One Love«-Binde

Die »One Love«-Aktion ist Geschichte: Manuel Neuer, Harry Kane und die anderen Kapitäne der beteiligten europäischen Verbände haben sich dem Druck der Fifa gebeugt. Hintergrund ist die Androhung einer Gelben Karte.
Manuel Neuer und die »One Love«-Armbinde: Angst vor einer Verwarnung

Manuel Neuer und die »One Love«-Armbinde: Angst vor einer Verwarnung

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Markus Ulmer / Teamfoto / IMAGO

Der Deutsche Fußball-Bund verzichtet nach der Androhung von Sanktionen durch die Fifa auf die »One Love«-Kapitänsbinde für Manuel Neuer. Nach Beratungen der Arbeitsgruppe der Europäischen Fußball-Union Uefa mit dem Fußball-Weltverband Fifa entschieden die beteiligten Uefa-Nationen, dass sie das Risiko einer möglichen Gelben Karte oder anderer sportlicher Sanktionen während der WM in Katar nicht eingehen wollen.

»Die Fifa hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, wenn unsere Kapitäne die Binden auf dem Spielfeld tragen«, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Deutschlands Kapitän ist Manuel Neuer, Englands Harry Kane, der Anführer der Niederlande ist Virgil van Dijk.

Die Fifa begründete das Verbot mit den WM-Regularien. Explizit hob der Verband in einer Mitteilung den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: »Für Fifa Final-Wettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der Fifa gestellte Armbinde tragen.« Die Fifa unterstütze Kampagnen wie «One Love», aber dies müsse im Rahmen der allen bekannten Regeln erfolgen.

»Gegen den Geist des Sports«

»Dass die Fifa uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet«, hieß es auf der Seite des niederländischen Verbands KNVB. »Wir stehen zur ›One Love‹-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt.«

Bereits am Sonntag hatte van Dijk angekündigt, das Risiko einer Gelben Karte für das Tragen der Binde möglicherweise nicht eingehen zu wollen. Die KNVB bedauerte, dass es zu keiner gemeinsamen Lösung gekommen sei. Man werde in den kommenden Monaten einen »kritischen Blick auf unsere Beziehung zur Fifa« werfen.

Die »One Love«-Kampagne war eine gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die beide nicht für die WM qualifiziert sind. Frankreichs Kapitän Hugo Lloris hatte zuletzt angekündigt, die Binde nicht zu tragen. Die Fifa hatte erst am Freitag eigene neue Kapitänsbinden vorgestellt – zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel.

Die Fan-Organisation »Football Supporters Europe« kritisierte den Vorgang scharf. »Heute empfinden wir Verachtung für eine Organisation, die ihre wahren Werte unter Beweis gestellt hat, indem sie den Spielern die Gelbe Karte und der Toleranz die Rote Karte gezeigt hat«, twitterte »FSE«.

bka/dpa
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