Argentiniens mühsamer Sieg gegen Mexiko Viel länger wird Messis Magie nicht reichen

Argentinien verhindert gegen Mexiko das Ausscheiden, wieder einmal glänzt Lionel Messi. Doch jenseits des Ausnahmespielers wirken die Südamerikaner erschreckend schwach. Titelfavorit sind sie in der Form nicht.
Lionel Messi nach seinem Tor im WM-Spiel gegen Mexiko: Ein Blick in Richtung Himmel, in Richtung Diego Maradona

Lionel Messi nach seinem Tor im WM-Spiel gegen Mexiko: Ein Blick in Richtung Himmel, in Richtung Diego Maradona

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IMAGO/Matthias Koch

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Messi bleibt Messi: Für Argentinien ging lange nichts. Gar nichts. Das WM-Aus am zweiten Spieltag der Gruppenphase, es lag im Bereich des Möglichen. Auch Superstar Lionel Messi schien mit unterzugehen. Er schlug Ecken zum Gegner und einen Freistoß weit übers Tor. Aber dann kam eben dieser eine Messi-Moment. Einer, wie er sie seit Jahren so zuverlässig einstreut, um Spiele zu entscheiden. Auch und besonders jene Spiele, die seine Teams ohne Messi nicht gewonnen hätten.

Am Samstagabend in der 64. Spielminute war es mal wieder so weit. Ángel Di María spielte Messi rund 20 Metern vor dem Tor frei. Dieser nahm den Ball in einer fließenden Bewegung an, schaut einmal kurz und schoss den Ball flach und präzise ins rechte Toreck. Danach lief er zu den argentinischen Fans hinterm Tor, feierte so ausgelassen, wie man es von ihm selten sieht. Es schien, als sei eine riesige Last von Messi abgefallen.

Ergebnis: Trotz einer schwachen Leistung siegte Argentinien 2:0 (0:0) gegen Mexiko und hat trotz der Auftaktpleite gegen Saudi-Arabien beste Chancen aufs Achtelfinale. Hier geht es zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Es war hart anzusehen, was die beiden Teams boten. Mexiko spielte betont rustikal, Argentinien vollkommen ohne Plan. Pässe landeten im Nirgendwo, die Angreifer standen sich gegenseitig auf den Füßen, kein Spieler schien den Ball haben zu wollen. Den Argentiniern steckte das Saudi-Arabien-Debakel sichtlich in den Köpfen.

Spektakel nur auf den Rängen: Viel wird über die Stimmung bei dieser komischen Herbst-WM geschimpft. Oft zu Recht, viele Stadien wirken enttäuschend leer und leise. Am Samstagabend war im Lusail-Stadion aber von WM-Verdruss nichts zu spüren. Die argentinischen und mexikanischen Fans lieferten ein Spektakel auf den Tribünen, jubelten über die wenigen gelungenen Aktionen und machten das lange, zähe Spiel ein wenig erträglicher.

Den WM-Pokal wird Mexiko eher nicht holen, die Stimmung schien trotzdem gut zu sein

Den WM-Pokal wird Mexiko eher nicht holen, die Stimmung schien trotzdem gut zu sein

Foto: DYLAN MARTINEZ / REUTERS

Der Marathonmann: Aufseiten der Mexikaner hatte zumindest einer Grund zur Freude, wenn auch nur kurz: Andrés Guardado. Der 36-jährige Routinier fehlte zum WM-Auftakt noch angeschlagen, gegen Argentinien kehrte er in die Startelf zurück und ist nun einer von sechs Spielern, die bei fünf WM-Endrunden zum Einsatz gekommen sind.

Sein erstes WM-Spiel bestritt Guardado am 24. Juni 2006 in Leipzig. Achtelfinale. Nach 66 Minuten wurde er ausgewechselt. In den Jahren danach wurde Guardado zur festen Stütze und zum Kapitän im mexikanischen Team, spielte auch die Weltmeisterschaften 2010, 2014, 2018 und nun eben 2022.

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Gegen Argentinien musste er aber bereits nach rund 40 Minuten angeschlagen runter. Vielleicht war der Auftritt gegen die Albiceleste sein letzter WM-Auftritt. Damit würde sich ein Kreis schließen: Auch 2006 ging es für ihn und Mexiko gegen Argentinien, damals schieden die Mexikaner in der Verlängerung aus. Aufseiten der Argentinier spielte damals übrigens einer, der ebenfalls auf fünf WM-Teilnahmen kommt: Leo Messi.

Spielten schon 2006 gegeneinander: Andrés Guardado (l.) und Lionel Messi

Spielten schon 2006 gegeneinander: Andrés Guardado (l.) und Lionel Messi

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Mohamed Messara / EPA

Apropos Messi: »La Pulga« wird Zeit seiner Karriere mit Diego Maradona verglichen. Am Samstag war Maradona wieder mal sehr präsent, am Freitag jährte sich sein Todestag zum zweiten Mal. Mit seinem Auftritt gegen Mexiko hat Messi nun ebenso viel WM-Spiele auf dem Konto wie Maradona, 21. Geteilter argentinischer Rekord. Und auch nach WM-Toren hat Messi mit seinem achten Treffer mit der Legende Maradona gleichgezogen. Nach seinem Treffer jubelte Messi gen Himmel, in Richtung Maradona.

Zweite Hälfte: Argentinien war nun etwas besser im Spiel. Di María dribbelte immer wieder an, Messi holte sich überall die Bälle. Jenseits des genialen Messi-Moments passierte aber in Argentiniens Offensive lange nicht viel. Erst kurz vor Schluss machte Enzo Fernández per feinem Schlenzer den Deckel darauf. Die Vorlage kam von Messi. Er ist nun der jüngste Spieler mit einem Tor und einer Vorlage in einem WM-Endrundenspiel und der älteste. Zum ersten Mal gelang ihm dieses Kunststück 2006 gegen Serbien, damals stand er kurz vor seinem 19. Geburtstag. Am Samstag war Messi genau 35 Jahre und 155 Tage alt.

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Und der Gegner? Enttäuschte auf ganzer Linie. Die so fußballverrückten Mexikaner spielten biederen, abwartenden Fußball. Ein paar Grätschen, ein paar weite Bälle ins Nichts. Wie sie zum Torerfolg kommen wollten, blieb an diesem Abend ihr exklusives Geheimnis.

So geht es weiter: Argentinien hat nun den Gruppensieg wieder in der eigenen Hand. Ein Sieg am Mittwoch (20 Uhr) gegen Tabellenführer Polen – und die argentinische Fußballwelt ist wieder in bester Ordnung. Aber auch das Ausscheiden ist weiterhin möglich. Argentinien hat nun drei Punkte auf dem Konto, ebenso viele wie Saudi-Arabien, das am dritten Spieltag auf Mexiko (ein Punkt) trifft.

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