Spaniens WM-Aus gegen Marokko 77 Prozent Ballbesitz – aber was hilft es, wenn sie drei Elfmeter vergeben?

Spanien war im WM-Achtelfinale die dominante Mannschaft, machte aber keine Tore. Im Elfmeterschießen versagten den Superstars die Nerven – Marokko hatte gleich zwei Matchwinner.
Enttäuschte Spanier: Viel Ballbesitz, aber kein Sieg

Enttäuschte Spanier: Viel Ballbesitz, aber kein Sieg

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BERNADETT SZABO / REUTERS

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Shodown in Al-Rayyan: Ein Blick, ein kurzer Anlauf, ein ganz lockerer Chip in die Mitte des Tores, dann war die Sensation perfekt. Achraf Hakimi entschied das Elfmeterschießen im Achtelfinale zwischen Marokko und Spanien zugunsten der Afrikaner. Zuvor hatte Spanien seine ersten drei Versuche vergeben, Pablo Sarabia traf den Pfosten, dann parierte Marokkos Keeper Bono gegen Carlos Soler und Sergio Busquets. Hakimi verwandelte den Matchball. Und sorgte für eine überragende Geräuschkulisse im Stadion, die marokkanischen Fans waren klar in der Überzahl.

Das Ergebnis: Im Elfmeterschießen siegte Marokko gegen Spanien, nachdem es in 120 Minuten keine Tore gegeben hatte. Spanien hatte 77 Prozent Ballbesitz , die Chancen waren aber gleichmäßig verteilt. Die Marokkaner stehen zum ersten Mal in ihrer Geschichte in einem WM-Viertelfinale. Dort geht es am Samstag (16 Uhr) gegen Portugal oder die Schweiz. Hier geht's zum Spielbericht.

Jünger war nur Pelé: 18 Jahre und 123 Tage alt – das ist das genaue Alter des spanischen Jungstars Pablo Martín Páez Gavira, genannt Gavi, der gegen Marokko in der Startelf stand und damit der jüngste Spieler in einem WM-K.-o.-Rundenspiel seit 64 Jahren wurde. 1958 kam der Brasilianer Pelé, der derzeit schwer erkrankt im Krankenhaus liegt, im Alter von 17 Jahren und 249 Tagen zum Einsatz – im WM-Finale. Pelé erzielte damals zwei Treffer beim 5:2-Sieg gegen Schweden . Gavi kam in 17 Nationalmannschaftsspielen bislang auf drei Tore , eins davon schoss er beim WM-Auftakt gegen Costa Rica.

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Politische Vorgeschichte: Spanien kontrollierte bis 1956 als Kolonialmacht weite Teile Marokkos und hat auch heute noch zwei Enklaven auf dem afrikanischen Kontinent: Ceuta und Melilla, beide Orte tauchen immer wieder in den Medien auf, da dort Migranten häufig versuchen, über die Grenzzäune auf EU-Gebiet zu gelangen. Es gab in der Vergangenheit diplomatische Spannungen, zuletzt besserten sich die Beziehungen. Das marokkanische Konsulat hatte die Fans aufgefordert, »unabhängig vom Ergebnis Sportsgeist zu zeigen« und alles zu vermeiden, was zu Zwischenfällen mit spanischen Fans führen könnte.

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Chaos vor dem Stadion: Die Freude über den Einzug der Marokkaner ins WM-Achtelfinale war in der Heimat riesig. Viele Fans reisten nach Katar, ohne sich vorher um Tickets gekümmert zu haben. Auch viele Marokkaner, die bereits im Land waren, hatten keine Karten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass beim offiziellen Ticketcenter mehr als tausend Fans versuchten, an Eintrittskarten zu kommen, es gab demnach Handgemenge und die Bereitschaftspolizei griff ein. Auch vor dem Stadion gab es offenbar wilde Szenen, wie eine Reporterin der englischen Zeitung »Daily Mail« berichtete.

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Erste Hälfte: Topfavorit gegen Außenseiter? Klar, Spanien kontrollierte das Spiel, aber Marokko verteidigte gut und kam immer wieder zu Chancen. Zwar musste Marokko-Keeper Bono zunächst einen Schuss von Gavi an die Latte lenken, der Treffer hätte aber wegen einer Abseitsstellung von Vorlagengeber Ferran Torres nicht gezählt (25.). Und Marco Asensio schoss kurz darauf ans Außennetz (27.). Danach waren aber die Afrikaner dran: Noussair Mazraoui prüfte zunächst Keeper Unai Simón aus 20 Metern Entfernung, Nayef Aguerd köpfte am Tor vorbei, und dann musste Aymeric Laporte vor Youssef En-Nesyri klären (beides in der 43.).

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Zweite Hälfte: Spanien stellte sich im Stile einer Handballmannschaft um den marokkanischen Strafraum auf, die Nordafrikaner verteidigten gekonnt – alles wie gehabt. Doch die Vorstöße der Marokkaner fehlten nun, erst in der 85. Minute gab es einen im Ansatz vielversprechenden Angriff, der aber verpuffte. Auf der anderen Seite ging Álvaro Moratas Kopfball in der Nachspielzeit weit, weit über das Tor und Bono parierte einen Schuss von Dani Olmo.

Spanien bekommt nicht genug: Wenn Spanien in der jüngeren Geschichte in einem K.-o.-Spiel der WM oder EM antrat, dann gab es in der regulären Spielzeit keine Entscheidung. Bei der WM 2018 verloren sie im Elfmeterschießen gegen Russland im Achtelfinale. Bei der EM 2020 setzte sich Spanien im Achtelfinale gegen Kroatien in der Verlängerung durch, siegte im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen die Schweiz und verlor dann das Halbfinale gegen Italien, erneut im Elfmeterschießen.

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Verlängerung: Auf einmal gab es sie dann doch noch, die Matchbälle für Marokko. Zunächst lief Abdelhamid Sabiri allein aufs Tor zu, wurde aber von Laporte im letzten Moment gestört. Ein Treffer wäre wegen einer Abseitsstellung jedoch nicht gegeben worden (95.). Dann tauchte Walid Cheddira frei vor Spaniens Keeper Simón auf, der den Schuss mit dem rechten Bein abwehrte (104.). Für Spanien traf Pablo Sarabia in der 120. Minute nur den Pfosten.

Kurzes Gastspiel: In der 75. Minute kam Nico Williams in die Partie und belebte das Angriffsspiel der Spanier. Er entwischte einige Male seinem Gegenspieler, schlug Flanken, lauerte – erfolglos – vor dem Tor. In der 119. Minute ging der Angreifer jedoch schon wieder aus der Partie, für ihn kam Sarabia – um den ersten Strafstoß für die Spanier zu schießen. Sein Versuch misslang – und leitete das Aus des Weltmeisters von 2010 ein.

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