Heikle WM-Konstellation Warum Deutschland keine »Schande von Doha« fürchten muss

Verliert Spanien am Abend gegen Japan, kann das zum Problem für die deutsche Nationalelf werden – und den Spaniern einen leichteren Turnierbaum bescheren. Doch die Sorge vor diesem Szenario ist (fast) unbegründet.
Spanische Rechenspiele: Trainer Luis Enrique will auf Sieg spielen lassen – entgegen erster Erwägungen

Spanische Rechenspiele: Trainer Luis Enrique will auf Sieg spielen lassen – entgegen erster Erwägungen

Foto: Juanjo Martin / Agencia EFE / IMAGO

Hansi Flick ließ zumindest ein bisschen Unbehagen durchblicken. »Wir haben das Weiterkommen nicht mehr ganz in unserer eigenen Hand«, sagte der Bundestrainer vor dem abschließenden Gruppenspiel. Ein Sieg gegen Costa Rica (20 Uhr, Liveticker: SPIEGEL.de, TV: ARD) würde das Achtelfinale zwar überaus wahrscheinlich machen, doch die Konstellation in Gruppe E hält selbst dann Risiken bereit, wenn die DFB-Elf ihre Hausaufgaben macht.

Die beste Ausgangslage hat Spanien: Nach zwei Spieltagen bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar führt »La Roja« die Gruppe mit vier Punkten an, vor dem abschließenden Duell mit Japan haben die Spanier den Gruppensieg in der eigenen Hand.

Allerdings könnte den Spaniern ein zweiter Platz eher dazu verhelfen, im Turnier weit zu kommen. Denn: Im Achtelfinale wartet in jedem Fall ein Team aus der nominell schwächer besetzten Gruppe F. Als Gruppensieger droht allerdings bereits im Viertelfinale ein Duell mit Topfavorit Brasilien, sollte die Seleção nach bislang zwei Siegen die Gruppe G ebenfalls gewinnen. Als Gruppenzweiter wartet im schlimmsten Fall ein Duell mit Portugal.

Verliert Spanien also absichtlich, um Japan vorbeizulassen und den leichteren Pfad einzuschlagen? Droht in Doha Ähnliches wie die »Schande von Gijón«, als Deutschland und Österreich sich bei der WM 1982 in Spanien auf ein 1:0 für die deutsche Mannschaft einigten, um das Weiterkommen für beide Teams abzusichern?

Enrique will »jeden schlagen«

Innerhalb der spanischen Mannschaft wurde das Thema diskutiert – aber schnell verworfen, wie Nationaltrainer Luis Enrique beteuerte. »Wir können keine Milchmädchenrechnungen anstellen«, sagte Enrique. »Um eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, muss man jeden schlagen, gegen den man antritt. Und genau das werden wir versuchen.«

Dass das Selbstverständnis des spanischen Mitfavoriten kein taktierender Ergebnisfußball ist, hat sich im Turnierverlauf schon gezeigt. Beim 7:0 gegen Costa Rica schossen die Spanier gnadenlos Tor um Tor heraus, anstatt Kräfte zu schonen.

Das könnte sich gegen Japan leicht anders darstellen: Die Stammspieler Gavi und Rodri sind angeschlagen, Kapitän Sergio Busquets könnte geschont werden, um eine Gelbsperre zu vermeiden.

Spaniens Sergio Busquets im Duell mit İlkay Gündoğan

Spaniens Sergio Busquets im Duell mit İlkay Gündoğan

Foto: Clive Brunskill / Getty Images

Die Japaner haben gegen die DFB-Elf, die Spanien in der Spielanlage ähnelt, unter Beweis gestellt, dass sie mit ihren schnellen Spielern einer Ballbesitzmannschaft wehtun können.

Ein bewusster Schongang der Spanier, wie ihn etwa die bereits qualifizierten Franzosen am Mittwoch mit einer nahezu komplett durchrotierten B-Elf gegen Tunesien einlegten, ist allerdings nicht zu erwarten. Denn: Auch Spanien kann noch in der Gruppenphase ausscheiden.

Damit die deutsche Mannschaft zum Spielverderber für die Spanier wird, müsste sie im Torverhältnis acht Tore auf »La Roja« aufholen. Das ist möglich, aber unwahrscheinlich. Sollte es allerdings dazu kommen, dass Costa Rica gegen die DFB-Elf den zweiten Sieg einfährt und auf sechs Punkte klettert, kann Spanien sich keine Niederlage gegen Japan erlauben – erst recht keine absichtliche.

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