Bei deutschem WM-Spiel Was steckt hinter den Özil-Bildern im Al-Bait-Stadion?

Während der deutschen Partie gegen Spanien hielten Zuschauer Fotos des früheren Nationalspielers Mesut Özil hoch und imitierten die Mund-zu-Geste der DFB-Auswahl. Unklar ist, wer die Protestierenden waren.
Das Konterfei von Mesut Özil war im WM-Spiel gegen Spanien auf der Tribüne zu sehen

Das Konterfei von Mesut Özil war im WM-Spiel gegen Spanien auf der Tribüne zu sehen

Foto:

Matthias Schrader / AP

Beim WM-Spiel Deutschland gegen Spanien haben Zuschauer Bilder des früheren Nationalspielers Mesut Özil in die Höhe gehalten. Manche Versionen der Plakate zeigen einen zwinkernden Özil, auf anderen ist er im DFB-Trikot zu sehen. Außerdem hielten sich einige Personen im katarischen Al-Bait-Stadion den Mund zu. Diese viel beachtete Geste hatten die Profis der DFB-Auswahl vor ihrem ersten Gruppenspiel gegen Japan  gezeigt. Die Nationalspieler hatten damit ihren Protest gegen das Verbot der »One Love«-Kapitänsbinde durch den Weltverband Fifa ausgedrückt. Die von den Zuschauern adaptierte Geste ist als Protest gegen den DFB klar erkennbar. Die weiteren Hintergründe sind nicht so eindeutig.

Die Bilder in verschiedenen Größen scheinen Teil einer konzertierten Aktion zu sein – das legen allein Anzahl und Qualität nahe.

Die »Bild« -Zeitung zitierte einen Stadionbesucher, der sagte, die Poster hätten bei seiner Ankunft bereits auf den Sitzen gelegen. Dann sei die Anweisung gekommen, was damit zu tun sei. Bei dem Mann soll es sich laut »Bild« um einen Arbeiter aus Bangladesch handeln, die Anweisungen seien von einem Katarer gekommen. Überprüfbar ist das derzeit nicht.

Zuschauer mit Özil-Bildern im Al-Bait-Stadion

Zuschauer mit Özil-Bildern im Al-Bait-Stadion

Foto:

Petr David Josek / AP

Den Fotoaufnahmen aus dem Stadion ist zu entnehmen, dass es Menschen in verschiedenen Outfits waren, die nicht zwingend zu einer geschlossenen Gruppe gehörten.

Der Fußball-Weltverband Fifa beschäftigte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa zunächst nicht mit den Bildern.

Was die Özil-Bilder bedeuten könnten

Die katarische Fußball-Sendergruppe Al-Kass hat die Aktion als Geste gegen »westliche Doppelmoral« gewertet. Al-Kass veröffentlichte die entsprechenden Bilder der Aktion auf Twitter.

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Eine Erklärung ist, dass die Zuschauer in Katar den DFB dafür kritisierten, damals beim Thema Meinungsfreiheit selbst Fehler gemacht zu haben. Özil war nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 geräuschvoll aus der Nationalmannschaft zurückgetreten und hatte dem DFB dabei unter anderem Rassismus vorgeworfen. Ausgangspunkt waren die Fotos von Özil und İlkay Gündoğan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Eine andere Einordnung beruht darauf, dass Özil Ende 2019 dafür kritisiert worden war, dass er sich kritisch zur Unterdrückung der Uiguren in China geäußert hatte. Verantwortlich war damals aber nicht der DFB, sondern Özils ehemaliger Verein, der FC Arsenal, der sich wohl auch aufgrund wirtschaftlicher Interessen in China umgehend von Özils Äußerungen distanziert hatte.

Der Vorwurf der Doppelmoral

Menschenrechtsaktivisten lobten Özil ausdrücklich für dessen Worte. In diesem Zusammenhang ist die Zuschauergeste in Katar so zu lesen, dass Özil zu dieser Zeit der Mund verboten worden sei.

Denkbar ist auch, dass die Özil-Bilder in Katar nur ein Symptom für ein im arabischen Raum vorherrschendes Gefühl sind: Dass Katar als Ausrichter auch deshalb so hart kritisiert wird, weil es ein muslimisches Land ist, und dass es eine ausgeprägte Doppelmoral im Umgang mit dem Emirat gibt. Diese These vertrat kurz vor WM-Beginn auch Katars Staatsoberhaupt, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, der von einer »beispiellosen Kampagne« sprach.

ngo/dpa
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