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Schiedsrichter Webb: Das WM-Finale kann kommen

Foto: JUAN MABROMATA/ AFP

Schiri-Debatte bei der WM Webbs Bewerbung fürs Finale

Howard Webb lag bei den strittigen Szenen immer richtig - und das bei diesem intensiven Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile. Vor vier Jahren hat er schon das WM-Finale in Südafrika gepfiffen. Und jetzt? Er hat immer einen Vorteil: Er ist Engländer.

Hamburg - Howard Webb hat als Schiedsrichter schon vieles durchgemacht. Nach einem Gruppenspiel der EM 2008 musste seine Familie geschützt werden, weil ihm polnische Fans einen späten Elfmeter für Österreich ankreideten. Zwei Jahre später leitete Webb das Finale der Weltmeisterschaft in Südafrika und erlangte wegen des nicht geahndeten Kung-Fu-Tritts von Nigel de Jong gegen Xabi Alonso Berühmtheit. Der Profi-Schiedsrichter pfeift ansonsten regelmäßig in der englischen Premier League und war auch bei der EM 2012 im Einsatz.

Nun steht der zweimalige Welt-Schiedsrichter erneut im Mittelpunkt. Webb wurde für das brisante Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile nominiert und zeigte eine starke Leistung. Das ist bei der Weltmeisterschaft in Brasilien keine Selbstverständlichkeit, die Unparteiischen stehen nach diversen Fehlentscheidungen in der Kritik.

Seit dem Eröffnungsspiel waren die Gegner der Seleção in Alarmbereitschaft. Schiedsrichter Yuichi Nishimura hatte den brasilianischen Stürmer Fred für eine Schwalbe mit einem Elfmeter belohnt. Deshalb hatten auch die Chilenen im Vorfeld einen "Schiedsrichter von Rang und Erfahrung aus einer der besten Ligen der Welt" gefordert.

Kein Elfmeter und kein Tor für Hulk

Sie bekamen Howard Webb und können sich nach der 2:3-Niederlage im Elfmeterschießen nicht beschweren. Der 42-Jährige machte sich nicht verdächtig, ein Heimschiedsrichter zu sein. In den beiden strittigsten Szenen des Spiels ließ er sich von den 57.714 meist brasilianischen Fans nicht beeindrucken und entschied zugunsten der Chilenen:

In der 13. Minute ging Hulk nach einem Doppelpass mit Neymar im Strafraum zu Boden, Webb lag richtig und gab keinen Elfmeter. Noch beeindruckender war die Entscheidung, Hulks vermeintlichen Treffer zum 2:1 in der zweiten Halbzeit nicht zu geben, weil der Offensivspieler den Ball zuvor mit der Hand berührt hatte. Die anschließende Gelbe Karte für Hulk war allerdings überzogen, Absicht hatte nicht vorgelegen.

Die Verteilung der Karten ist der einzige Kritikpunkt, dem sich Webb stellen muss. In der Anfangsphase hätte der Engländer Neymar besser schützen müssen, die Chilenen gingen den Superstar der Brasilianer anscheinend ganz bewusst an. Webb ist allerdings auch in der Premier League als Schiedsrichter bekannt, der spät Gelbe Karten zeigt. Und auch die Fifa hat die Unparteiischen angehalten, nicht zu früh zu verwarnen, um Sperren in der K.-o.-Runde zu vermeiden.

Auch im weiteren Spielverlauf hätte Webb die eine oder andere Karte mehr zeigen können. Insgesamt blieb er seiner konsequenten Linie aber treu, pfiff couragiert und besonnen. Da das englische Nationalteam bereits die Heimreise angetreten hat, war diese Leistung eine Bewerbung für einen zweiten Finaleinsatz bei einer Weltmeisterschaft. Das hat vor ihm noch kein Schiedsrichter geschafft.