WM-Affäre Zwanziger wirft Beckenbauer Fahrlässigkeit vor

"Er war verantwortlich für seine Unterschrift": Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger kritisiert Franz Beckenbauer nach dessen Interview. Matthias Sammer spielt die Bedeutung der WM-Affäre herunter und zieht einen fragwürdigen Vergleich.
Ex-DFB-Präsident Zwanziger: "Ich kenne ihn seit Jahren"

Ex-DFB-Präsident Zwanziger: "Ich kenne ihn seit Jahren"

Foto: Thomas Frey/ dpa

Theo Zwanziger kontert: Der frühere DFB-Präsident hat auf die Kritik von Franz Beckenbauer im Rahmen der Affäre um die WM-Vergabe 2006 reagiert und den früheren Organisationschef in die Verantwortung genommen. Er wirft ihm fahrlässiges Verhalten vor: "Er war keine Privatperson, sondern DFB-Repräsentant, der an Recht und Satzung gebunden war. Er war verantwortlich für seine Unterschrift", sagte Zwanziger der "Bild am Sonntag".

Beckenbauer hatte sich in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung"  zu den Vorgängen geäußert und weitgehend ahnungslos gezeigt. Er habe immer alles einfach unterschrieben, sogar blanko. Zwanziger betonte, das nehme er Beckenbauer auch ab, "schließlich kenne ich ihn seit Jahren". Allerdings habe er dann den falschen Berater gehabt.

Zwanziger geht auf Distanz zu Beckenbauer: "Wenn Freundschaft daraus besteht, Fehlverhalten zu decken und die Öffentlichkeit zu täuschen, dann ist sie nichts wert." Beckenbauer hatte zuvor Kritik an Zwanziger geübt: "Er hat sich verändert, ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist. Wir waren doch Freunde. Da kriegt er den Brief von uns, und der nächste Schritt ist: Er läuft zum SPIEGEL. Da war mir klar, da stimmt was nicht." Zwanziger betonte, er sei nicht die Quelle der ersten SPIEGEL-Enthüllung gewesen sei.

Zudem kritisierte Zwanziger, dass Beckenbauer im SZ-Interview den inzwischen verstorbenen Ex-DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder für die dubiose 6,7-Millionen-Zahlung mitverantwortlich machte. "Ich glaube nicht an diese Version", sagte Zwanziger: "Mayer-Vorfelder hat immer große Vorbehalte gegen Aktionen des Organisationskomitees gehabt." Und fügte an: "Aber Tote können sich ja nicht mehr wehren."

Sammer: Müssen ein paar Dinge aufklären

Rückendeckung bekommt Beckenbauer von Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer. Er rief mit Blick auf die Affäre um die WM 2006 in Deutschland zu mehr Besonnenheit auf. "Wir müssen ein paar Dinge aufklären, das ist richtig. Es ist aber nichts passiert, was im Ansatz damit vergleichbar ist, was in der letzten Woche geschehen ist." Damit meint er offenbar die Terroranschläge in Paris.

Dass Beckenbauer sich in der SZ nun öffentlich geäußert hat, sei "sehr, sehr richtig und gut". "Er hat vielleicht über die Normalität gesprochen, die vielleicht keiner hören will in Deutschland. Wir müssen bohren, wir müssen finden, wir müssen mit dem Finger auf andere zeigen. Das sind aber in der Regel die, die sich 2006 selbst am meisten gefeiert haben", sagte Sammer. Die WM sei ein Ereignis gewesen, das Deutschland verändert habe: "Leider redet darüber gar keiner mehr. Wir sollten aufpassen, dass wir nicht unser fantastisches Sommermärchen weiter in Grund und Boden reden."

mrr/dpa/sid
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