WM-Auftaktbilanz Mehr Drama, Baby!

Nie zuvor sind zu Beginn einer Fußball-Weltmeisterschaft so wenig Tore gefallen wie in Südafrika. Vor allem die Offensivstars wie Villa, Rooney und Ronaldo enttäuschten. Nur ein Favorit hat bisher wirklich überzeugt - die deutsche Mannschaft.

Portugals Ronaldo: Pech im ersten Spiel
dpa

Portugals Ronaldo: Pech im ersten Spiel

Von und


Alle 32 Mannschaften der WM haben ihr erstes Spiel absolviert. Was bleibt? Das 4:0 natürlich, Deutschlands Fußball-Rausch gegen Australien. Tolle Kombinationen, viele Chancen, es hätte 8:0 enden können. Und der sensationelle Sieg der Schweiz gegen Spanien, ein Triumph des Underdogs über den größten Titelfavoriten. Diese Spiele waren wirklich unterhaltsam - und damit bislang die Ausnahme bei der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Mit Spannung waren die ersten Auftritte der großen Mannschaften erwartet worden, doch kaum eine Partie hielt, was sie versprach. Frankreich gegen Uruguay? Traurig. Italien gegen Paraguay? Langweilig. Portugal gegen die Elfenbeinküste? Einfach enttäuschend.

Die erste Woche der WM ist vorbei und das Turnier noch weit vom erhofften Spektakel entfernt. Zugegeben, die Argentinier um Lionel Messi zauberten beim 1:0 gegen Nigeria schon recht ordentlich - doch mit dem Toreschießen nahmen sie es nicht so genau. Selbst die gefürchtete Offensive der Spanier rannte am Mittwoch vergeblich gegen das Schweizer Bollwerk an. Mit ihrem 0:1 endete der erste Spieltag standesgemäß: Tore waren Mangelware.

Nie zuvor in der Geschichte der WM fielen in den ersten Gruppenspielen so wenig Tore wie in Südafrika. Gerade einmal 25 waren es in 16 Spielen, das macht einen Schnitt von rund 1,6 pro Partie - deutlich weniger als bei allen Turnieren in den vergangenen Jahren (siehe Fotostrecke). Ohne das Schützenfest der DFB-Elf sähe es richtig düster aus. So waren die meisten Spiele zum Vergessen. Es hat noch nicht einmal eine Mannschaft geschafft, einen Rückstand in einen Sieg zu verwandeln.

Fotostrecke

8  Bilder
WM in Südafrika: Tore? Fehlanzeige!

Ein Feuerwerk ist die erste WM auf afrikanischem Boden bislang höchstens abseits des Platzes. Auf dem Spielfeld regiert Sicherheits- statt Angriffsfußball. Statt Zauberpässe zu riskieren, schieben die Teams den Ball hin und her, sie wollen in erster Linie kein Gegentor kassieren, getreu dem Motto: Hinten dicht, und vorn hilft der liebe Gott - oder zur Not der gegnerische Torhüter. So wie Englands Robert Green, der den USA zum Ausgleich verhalf, oder Paraguays Justo Villar, der Italien das 1:1 ermöglichte.

Erfolgsrezept Betondefensive

Das gilt gerade für die kleineren Nationen, die sich mit der Kunst der Verteidigung die größten Chancen ausrechnen. Sie bauen eine Wand vor dem eigenen Tor auf und hoffen vorn auf die eine spielentscheidende Situation - wie es der Schweiz gegen Spanien glänzend gelungen ist. Ganz nach dem Vorbild Inter Mailand, das dank seiner Betondefensive und der individuellen Klasse im Angriff die Champions League gewann.

Den schweren Weg gehen die talentierteren Mannschaften: Sie müssen die Partie gestalten - und das gelingt oft nur mit Geniestreichen. Doch die Klasse eines Mesut Özil oder eines Lionel Messi, die die starren Systeme aufbrechen können, war in Südafrika bislang kaum zu sehen.

Das liegt zum einen daran, dass die herausragenden Offensivspieler ihre beste Form noch nicht abrufen konnten: Portugals Cristiano Ronaldo war von seinem Pfostenschuss abgesehen ein Totalausfall, Franck Ribéry hatte für Frankreichs Offensive wenig Überraschendes parat, und Wayne Rooney war nur halb so torgefährlich wie in der englischen Premier League für Manchester United. Viele Spitzenspieler haben eine lange Saison in den Knochen. Wahrscheinlich steckt nicht jeder 50 Pflichtspiele so locker weg wie Messi.

Zum anderen bevorzugen die meisten Teams ein 4-2-3-1-System mit nur einem Stürmer. Der arme Angreifer kann ziemlich verloren wirken gegen die Übermacht an Verteidigern - so wie etwa Brasiliens Luís Fabiano im Spiel gegen Nordkorea.

Leidenschaft ist gefragt, nicht kühle Berechnung

Wenn die Mannschaften zudem nichts riskieren - dann kommen solch öde Kicks zustande wie das 1:0 von Slowenien gegen Algerien. Auch hier musste ein Torwartfehler die Entscheidung bringen.

Was ist der WM zu wünschen für die kommenden Partien? Vor allem mehr Dramatik. Ein Spiel wird dann erst richtig spannend, wenn es hin- und hergeht, wenn beide Mannschaften Chancen erspielen, wenn bis zum Schluss offen ist, auf wessen Seite sich das Schicksal schlägt - so wie bei der Partie Spanien gegen Schweiz. Leidenschaft ist gefragt, nicht kühle Berechnung.

Spätestens, wenn die Entscheidung um den Einzug ins Achtelfinale ansteht, sollte es soweit sein.

insgesamt 475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Crackerjack 17.06.2010
1.
Wetten, dass dieser thread ein Fortsatz des Troeten-threads wird. Ansonsten hoffe ich, dass D. so weitermacht wie gegen die Aussis.
chevy57 17.06.2010
2.
Zitat von sysopAußer der deutschen Mannschaft hat bisher kaum ein Team richtig überzeugt. Wie beurteilen Sie die ersten Spiele der WM in Südafrika?
Einigermaßen grottig. Zumindest, was die Qualität der Spiele angeht. Kann mich nicht erinnern, jemals eine WM mit soviel Anti- und Angsthasenfußball gesehen zu haben. Teilweise nicht zum anschauen. Aber vielleicht wird's ja noch....
wilde Socke 17.06.2010
3. Me nix want Vuvu
Keine Ahnung, wegen des Vuvuzela-Lärms habe ich mir die letzten Tage kein Spiel anschauen wollen. Ich finde es Schade, dass Südafrika das Image bekommt: "Nervt durch Vuvuzela!"
Schwabenpower 17.06.2010
4.
Zitat von sysopAußer der deutschen Mannschaft hat bisher kaum ein Team richtig überzeugt. Wie beurteilen Sie die ersten Spiele der WM in Südafrika?
Bisher A-U-S-G-E-Z-E-I-C-H-N-E-T-!-!-! Volle Stadien, kühle Getränke, ausgeglichene Spiele, kaum Fehlpässe. Einer WM mehr als würdig.
Umberto, 17.06.2010
5.
Zitat von wilde SockeKeine Ahnung, wegen des Vuvuzela-Lärms habe ich mir die letzten Tage kein Spiel anschauen wollen. Ich finde es Schade, dass Südafrika das Image bekommt: "Nervt durch Vuvuzela!"
Moi non plus ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.