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Deutschland vs. Australien: Starker Podolski, cooler Klose

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WM-Auftaktspiel DFB-Elf feiert Kantersieg gegen Australien

Tor-Festival in Durban: Im ersten WM-Gruppenspiel gegen Australien feierte die deutsche Nationalmannschaft einen deutlichen Sieg, schoss vier Tore - und hätte noch häufiger treffen können. Sogar Sorgenstürmer Miroslav Klose erzielte endlich wieder ein Tor für die DFB-Elf.

Hamburg - Mitte der zweiten Halbzeit bekam einer Beifall, der schon lange keinen Applaus mehr bekommen hatte. Es war die 68. Minute im ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien, und Bundestrainer Joachim Löw nahm Miroslav Klose vom Feld. Nach dem Abklatschen mit Einwechselspieler Cacau gab es eine herzliche Umarmung des deutschen Coaches für seinen einstigen Sorgenstürmer, der plötzlich keiner mehr war. Ein Tor, dazu einige weitere gute Szenen: Klose hatte sich Löws Streicheleinheiten redlich verdient.

Der 32-jährige Angreifer vom FC Bayern, der nach dem Spiel sagte, "Ich weiß, was ich kann und habe mich super gefühlt", stand sinnbildlich für die Leistung des deutschen Teams. Vor der Partie kritisch beäugt, hin und wieder auch heftig kritisiert, nach dem Schlusspfiff jedoch gefeiert. 4:0 (2:0) besiegte die DFB-Elf eine australische Mannschaft, die der Spielfreude und der Laufbereitschaft des deutschen Teams kaum etwas entgegenzusetzen hatte.

Löw vertraute von Beginn an neben Klose auch auf Holger Badstuber, der links in der Viererkette spielte. Einzige kleine Überraschung: Statt Piotr Trochowski begann Bayerns Thomas Müller auf der rechten Angriffsseite. Doch von der deutschen Spielfreude, die sich im Laufe der Partie einstellte, war zunächst nichts zu sehen.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Özil wie Messi, Müller wie Müller

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Hinten sicher stehen und vorne auf ein Tor hoffen lautet das Motto von Australiens Trainer Pim Verbeek - von wegen. Seine Mannschaft legte gleich furios los. Nach nicht einmal einer Minute zog Tim Cahill aus halblinker Position im Strafraum ab, sein Schuss wurde jedoch geblockt und war daher kein Problem für Deutschlands Schlussmann Manuel Neuer. Drei Minuten später rettete Kapitän Philipp Lahm nach einem Drehschuss von Richard Garcia auf der Linie (4.).

Anschließend ging der Sturmlauf weiter - plötzlich aber auf der anderen Seite. Klose versuchte es aus rund 16 Metern, scheiterte aber an Australiens Keeper Mark Schwarzer, den Nachschuss setzte Mesut Özil übers Tor (7.). Eine Minute später war es dann so weit: Thomas Müller, der auf der rechten Seite für viel Wirbel sorgte und ein überragendes Spiel machte, lief in Richtung Grundlinie und passte zurück in den Strafraum, wo Lukas Podolski aus etwa zwölf Metern abzog und zur deutschen Führung traf. Ein hart geschossener Ball, aber wohl nicht unhaltbar für Schwarzer, der noch mit der rechten Hand dran war. "Nach zehn Minuten ein Gegentor zu bekommen, war nicht geplant", sagte Australiens Trainer Pim Verbeek.

Dank der frühen Führung agierte die DFB-Elf fortan sicherer und hatte die Australier im Griff. Der umstrittene und zuletzt formschwache Klose war es, der in der 24. Minute die Riesenmöglichkeit zum 2:0 hatte, den Ball nach Podolski-Vorlage aber aus wenigen Metern über das Tor drosch. Die Diskussion um die Aufstellung des 32-Jährigen wäre wohl wieder voll entfacht worden, wenn er es nicht drei Minuten später besser gemacht hätte. Lahm hatte von rechts auf den Elfmeterpunkt geflankt, wo Klose hochstieg, sich gegen Australiens Kapitän Lucas Neill behauptete und per Kopf traf (27.). Das alles unter gütiger Mithilfe von Schwarzer, der aus seinem Tor stürmte, gegen Klose jedoch einen Tick zu spät kam.

Und das deutsche Offensivspektakel ging weiter. Klose passte herrlich auf Özil, der mit einem Lupfer Schwarzer überwand, doch Neill klärte kurz vor der Linie (31.). Sami Khedira nach Lahm-Vorlage (39.) und Özil nach Podolski-Pass (40.) verpassten einen höhere deutsche Führung zur Halbzeitpause.

Platzverweis nach dem Wechsel

Aufregung dann nach Wiederanpfiff: Nachdem Deutschlands Verteidiger Per Mertesacker der Ball im Strafraum an die Hand gesprungen war, forderten die Australier vehement Elfmeter (48.). Der mexikanische Schiedsrichter Marco Antonio Rodriguez Moreno sah es anders. Für noch mehr Verärgerung bei den "Socceroos" sorgte jedoch seine Entscheidung kurze Zeit später. Nach einem Tackling von Cahill gegen Bastian Schweinsteiger musste der Australier mit Rot vom Platz (56.).

Gegen zehn Mann tat sich die DFB-Elf noch leichter - und baute die Führung aus. Müller verlud zunächst Verteidiger Scott Chipperfield und traf zum 3:0 (68.), nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung stellte Cacau den Endstand her (70.). Anschließend war Australien um Schadensbegrenzung bemüht, die DFB-Elf hingegen nahm das Tempo deutlich raus und sparte Kraft für die nächste Partie am Freitag gegen Serbien (13.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

"Es freut mich sehr, dass es heute so gut geklappt hat. Wir waren gut organisiert, haben uns nicht abschrecken lassen - und das wir kombinieren können, ich denke das weiß man jetzt", sagte Torschütze Müller, der neben Schweinsteiger, Podolski und Klose zu den besten deutschen Akteuren zählte.

"Ich weiß, was Podolski und Klose bei der Nationalmannschaft leisten. Ich kenne ihre Stärken. Bei Müller wundere ich mich immer wieder, mit welcher Frechheit und Lockerheit er spielt", kommentierte Löw die Leistung seiner Matchwinner. Mit Blick auf die Serbien-Partie sagte er: "Der Sieg gibt Selbstbewusstsein. Mit einem weiteren Erfolg können wir ins Achtelfinale einziehen."

Deutschland - Australien 4:0 (2:0)
1:0 Podolski (8.)
2:0 Klose (26.)
3:0 Müller (68.)
4:0 Cacau (70.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Badstuber - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil ( 74. Gomez), Podolski (81. Marin) - Klose (68. Cacau)
Australien: Schwarzer - Wilkshire , Neill, Moore, Chipperfield - Valeri, Grella (46. Holman) - Emerton (74. Jedinak), Cahill, Culina - Garcia (64. Rukavytsya)
Schiedsrichter: Rodriguez (Mexiko)
Zuschauer: 62.660
Gelbe Karten: Özil, Cacau - Moore, Neill, Valeri
Rote Karte: Cahill wegen groben Foulspiels (56.)