WM-Aus Ballacks Berater droht Boateng mit Prozess

"Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum": Michael Ballacks Berater prüft juristische Schritte gegen Foul-Spieler Kevin-Prince Boateng - sowohl straf- als auch zivilrechtlich. Der deutsche Kapitän selbst gibt sich milder. Und sagt, er wolle bloß schnellstmöglich wieder Fußball spielen.
Gefoulter Ballack (l.), Übeltäter Boateng: "Körperverletzung mit Ansage"

Gefoulter Ballack (l.), Übeltäter Boateng: "Körperverletzung mit Ansage"

Foto: STR/ REUTERS

Hamburg - Heftige Kritik hat er schon einstecken müssen, nun könnten Kevin-Prince Boatang auch juristische Konsequenzen drohen. Nach seinem groben Foul an Michael Ballack prüft dessen Berater Michael Becker eine Klage gegen den Übeltäter.

"Meiner Meinung nach handelt es sich bei Boatengs Attacke nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage", sagte Ballacks Berater Michael Becker. Er prüft nun rechtliche Schritte gegen Kevin-Prince Boateng, dessen Foul den DFB-Kapitän die WM-Teilnahme kostet. "Das umfasst sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Konsequenzen." Der Fußballplatz sei "kein rechtsfreier Raum, auch wenn Boateng das offensichtlich annimmt".

Boateng hat sich öffentlich bei Ballack entschuldigt und gesagt, er habe dies auch schon auf dem Platz getan, unmittelbar nach dem Foul. Becker glaubt dies nicht: "Diese nachgeschobene Entschuldigung ist frei erfunden. Das ist eine reine Schutzbehauptung eines uneinsichtigen Gewalttäters, der schon des öfteren in dieser Richtung auffällig geworden ist", so der Berater. Ballack selbst sagte zu den angeblichen Entschuldigungen auf dem Spielfeld: "Das stimmt nicht."

Er wird durch die erlittene Verletzung nicht nur um seine dritte WM-Teilnahme gebracht, ihm drohen auch finanzielle Verluste in siebenstelliger Höhe durch entgangene Sponsorengelder und Prämien, die er bei einer erfolgreichen WM hätte einstreichen können.

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Bänderriss beim Kapitän: WM-Aus für Ballack

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Grundsätzlich zeigte sich Ballack gegenüber Boateng aber milder als sein Berater: "Ich bin natürlich noch sehr verärgert und enttäuscht, aber im Fußball sollte man nicht nachkarten", sagte er im DFB-Quartier in Sciacca. Ballack war trotz seiner Verletzung gemeinsam mit seiner Familie am Montag ins Regenerationstrainingslager der Nationalmannschaft nach Sizilien gereist. "Ich bin froh, dass ich hier bin und möchte als Kapitän positive Signale setzen", sagte Ballack, der auch ohne seine Teilnahme mit einem guten Abschneiden der DFB-Elf in Südafrika rechnet: "Die Nationalmannschaft hat auch schon ohne mich gute Spiele gemacht. Das Team muss das Thema jetzt so schnell wie möglich abhaken und nach vorne blicken."

Der 33-Jährige war von Boateng im FA-Cup-Finale zwischen seinem Club FC Chelsea und dem FC Portsmouth (1:0) derart rüde gefoult worden, dass er einen Innenbandriss und einen Anriss des Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk erlitten hatte. Als Folge muss Ballack eine achtwöchige Trainingspause einlegen und wird nicht an der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) teilnehmen.

Nach der Verletzungspause will Ballack aber "wieder angreifen. Da werde ich wieder hohe Ziele haben". Er wolle "so schnell wie möglich wieder Fußball spielen. Ich gehe davon aus, dass ich zum Saisonbeginn wieder fit bin." Über seine sportliche Zukunft will Ballack erst im Sommer entscheiden. "Ich muss einige Dinge überdenken und sortieren. So war es aber ohnehin geplant", sagte der 33-jährige, dessen Vertrag bei Chelsea ausläuft. Als erste Option sieht er weiter den Londoner Club: "Ich gehe davon aus, dass ich verlängere."

Ob er mit dem DFB-Team die Europameisterschaft 2012 in Angriff nehmen wird, gehöre zu den Fragen, "mit denen ich mich beschäftigen werde". Bis zum Sonntag will Ballack auf Sizilien bleiben. "Das ist das Beste für mich. Es ist ein wichtiger Schritt, jetzt bei der Mannschaft zu sein und ihr Unterstützung zu geben", sagte der 98- malige Nationalspieler in Sciacca.

ham/sid/dpa
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