WM-Auslosung Deutschland bittet um Gnade

Ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Gruppenauslosung zur WM 2002 gesetzt wird, steht noch nicht fest. Alles hängt vom Verhandlungsgeschick des DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder ab.


Gerhard Mayer-Vorfelder: Deutschland setzt auf ihn
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Gerhard Mayer-Vorfelder: Deutschland setzt auf ihn

Pusan - Mayer-Vorfelder muss am Mittwoch im koreanischen Pusan große Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich sollen die 29 Delegierten des in der Hafenstadt tagenden WM-Organisationskomitees Deutschland einen Platz auf der Setzliste zubilligen, obwohl dieses Privileg dem DFB-Team rein sportlich gesehen nicht zusteht. Die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler liegt in der Fifa-Weltrangliste derzeit nur auf dem elften Platz. Die direkte WM-Qualifikation hatten Kahn & Co. verpasst. Nur durch die gewonnene Relegation gegen die Ukraine konnte die Teilnahme beim Endturnier in Japan und Südkorea gesichert werden.

In Ermangelung aktueller Großleistungen auf dem Spielfeld bleibt Mayer-Vorfelder nichts anderes übrig, als auf die Erfolge der Vergangenheit zu verweisen. Das DFB-Team war seit 1954, als erstmals der WM-Titel heraussprang, bei jeder Endrunde dabei und belegte immer mindestens einen Platz unter den besten Acht. 1974 und 1990 gewannen die Deutschen, die seit der WM 1962 immer gesetzt waren, ihre Weltmeisterschaften zwei und drei.

Sechs der acht Gruppenköpfe stehen fest

Ein Platz auf der Setzliste ist für den DFB deshalb besonders wichtig, um Vorrundenduelle gegen die momentan den Weltfußball dominierenden Mannschaften zu verhindern. Sechs der acht Gruppenköpfe sind vergeben. Titelverteidiger Frankreich ist ebenso gesetzt wie die Gastgeber Japan und Südkorea. Dazu kommen der viermalige Weltmeister Brasilien, der Weltranglistenzweite Argentinien und der dreimalige Titelträger Italien. Für die restlichen zwei Setzplätze machen sich neben Deutschland auch noch Portugal, Spanien, England und Mexiko Hoffnungen. Alle Konkurrenten liegen in der Weltrangliste vor Deutschland, können aber nicht annähernd eine solche WM-Erfolgsbilanz wie die DFB-Auswahl vorweisen. So hatten etwa die im Fifa-Ranking viertplatzierten Portugiesen zuletzt dreimal in Folge eine WM-Endrunde verpasst.

Unklar ist jedoch, nach welchem Modus am Samstag in Pusan (ab 11 Uhr bei SPIEGEL ONLINE), die acht Vorrundengruppen ausgelost werden. Insgesamt sieben Modelle sind dem Organisationskomitee, das der schwedische Uefa-Präsident Lennart Johansson leitet, zur Diskussion vorgelegt worden. "Es stand immer außer Frage, dass wir gesetzt werden. Dies ist diesmal nicht mehr der Fall. Es kommt darauf an, welcher Schlüssel angewandt wird", erklärte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, der als nicht stimmberechtigtes Mitglied ebenfalls im Gremium sitzt und gemeinsam mit "MV" am Montag nach Pusan aufbrach.

Heftige Debatten um Einteilung

Bei der Auslosung für das Turnier 1998 in Frankreich hatte das schon damals von Johansson geführte WM-OK zur Einstufung die aktuelle Weltranglisten-Platzierung sowie das Abschneiden bei den drei vorangegangenen Weltmeisterschaften herangezogen. Dieses Modell, das Deutschland und Spanien einen Platz in der Setzliste bescheren würde, wird von den arrivierten Verbänden favorisiert. Es dürfte also auf der für drei Stunden angesetzten Sitzung heftig diskutiert werden.

Sicher ist nur, dass neben den sportlichen Kriterien bei der Auslosung auch geografische Gesichtspunkte eine Rolle spielen werden. Die 15 europäischen WM-Vertreter werden so verteilt, dass nicht mehr als zwei Uefa-Teams in einer der acht Vorrundengruppen spielen. Hinter Europa stellen Afrika und Südamerika mit je fünf Teilnehmern die größten Kontingente. Aus Asien sind vier Teams dabei. Nord- und Mittelamerika (Concacaf) ist mit drei Mannschaften vertreten. Diese Teams werden so gelost, dass nicht zwei Teilnehmer aus demselben Kontinentalverband bereits in der Vorrunde aufeinander treffen können.



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