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06. Dezember 2013, 15:40 Uhr

WM-Auslosungen damals und heute

Pannen, Zauberer und Sängerknaben

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Die WM-Auslosung ist ein riesiges Ereignis geworden, 193 Länder schauen zu, wenn die Gruppengegner der Deutschen für das Turnier in Brasilien gezogen werden. Große Shows waren die Ziehungen früher nicht, dafür ging einiges so richtig schief.

Was für ein Event. Mehr als 4000 Gäste werden zur Auslosung der WM-Gruppen im brasilianischen Costa do Sauípe erwartet, die Ziehungs-Show (SPIEGEL ONLINE berichtet ab 17 Uhr mit Liveticker, Analysen und Reaktionen) können Zuschauer in 193 Ländern live verfolgen.

Was heute ein Medienspektakel ist, war in der Anfangzeit der Weltmeisterschaften ein Ereignis, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Noch in den Siebzigern und Achtzigern fand die Veranstaltung ein eher begrenztes Interesse, selbst für die damaligen Bundestrainer war sie kein Pflichttermin. Und die Ziehungen selbst? Trockene Funktionärsveranstaltungen - Pannen inklusive.

Alle wichtigen Fragen und Antworten rund um die WM-Auslosung früher und heute gibt es hier.

Wie läuft die Zeremonie in Costa do Sauípe ab?

90 Minuten soll die Veranstaltung dauern. Moderiert wird sie von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke, gemeinsam mit den beiden Schauspielern Fernanda Lima und Rodrigo Hilbert. Diese Besetzung hat schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt. Da Hilbert und Lima beide hellhäutig sind, wurde der Fifa der Vorwurf des Rassismus gemacht. Die Fifa wies das zurück.

Gesungen wird natürlich auch. Der brasilianische Karnevals-Star Margareth Menezes wird unter anderem auftreten, ein Rapper aus São Paulo und eine Percussion-Band sind ebenfalls angesagt.

Warum Costa do Sauípe, und wo liegt das überhaupt?

Der Ort ist ein beliebtes Ferienziel an der Ostküste in der Nähe von Salvador da Bahia und wurde aufgrund seiner Fülle an Nobelhotels und Premium-Unterkünften für die erwarteten internationalen Gäste ausgewählt. Brasilien hat für die Auslosung ein 4,5 Millionen Euro teures Veranstaltungszentrum errichten lassen. In Costa do Sauípe herrschen das gesamte Jahr über Sommertemperaturen zwischen 25 und 30 Grad. Palmen und Strände bestimmen das Bild.

Wer zieht die Lose?

Diesmal sind es nicht internationale Film- und Glamour-Stars wie Charlize Theron 2010 oder Sophia Loren 1990, sondern Stars des Fußballs, die die Glücksfee spielen sollen. Unter anderem werden Lothar Matthäus, Zinedine Zidane, Geoff Hurst oder Mario Kempes die Ziehung vornehmen. Irgendein besonderer Auftritt ist auch Brasiliens Fußball-Legende Pelé zugedacht. Aber der gilt noch als gut gehütetes Geheimnis. Pelé hätte auch Lottofee sein können, lehnte aber ab.

Vom wem wird der DFB vertreten?

Bundestrainer Joachim Löw, Co-Trainer Hans-Dieter Flick und Manager Oliver Bierhoff sind vor Ort, ebenso DFB-Chef Wolfgang Niersbach und sein Generalsekretär Helmut Sandrock. Was heute selbstverständlich ist, war früher oft anders. Der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger hat nie eine Auslosung besucht. Sein Nachfolger Helmut Schön schenkte es sich gar, die Ziehung für die WM 1978 in Argentinien am Fernseher zu verfolgen. Er wollte lieber frühzeitig zu Bett gehen.

Wie verliefen frühere Auslosungen?

Die Auslosung zur WM 1974 bleibt unvergessen, weil der damals zur Ziehung auserkorene kleine Junge, ein Mitglied der Schöneberger Sängerknaben, ausgerechnet für die WM in Deutschland die beiden Teams der Bundesrepublik und der DDR in eine Vorrundengruppe loste. Überhaupt: Kinder waren immer wieder beliebt bei den Ziehungen. 1978 - im Übrigen die allererste Farbübertragung des argentinischen Fernsehens - zog der Enkel des damaligen Fifa-Bosses João Havelange die Lose, vier Jahre später war der kleine Kronprinz Felipe von Spanien der Schirmherr der Ziehung.

Ansonsten war damals eine Auslosung noch keine große Show, das änderte sich erst in den neunziger Jahren. Als Deutschland 2006 erneut Gastgeber spielen durfte, war die Auslosung schon ein Riesen-Event, präsentiert von Topmodel Heidi Klum. Der niederländische Zauberer Hans Klok ließ den WM-Pokal kurzzeitig verschwinden. Kommentar einer holländischen Zeitung damals: "Hans Klok - der einzige Niederländer, der je die Hand am WM-Pokal hatte."

Was ist bei früheren Ziehungen schief gegangen?

Legendär sind die Pannen bei der Ziehung zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Die eingesetzte Maschine der spanischen Lotteriegesellschaft, die die Loskugeln drehen sollte, war zu schnell eingestellt - mit dem Ergebnis, dass die Kugeln aufplatzten und anschließend nicht aus der Maschine herauskamen. Zudem waren an der Anzeigetafel die Teams von Belgien und Schottland falschen Gruppen zugeordnet worden. "Was für ein Pfusch", titelte die Zeitung "Diario 16".

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