Vorbereitung aufs Endspiel Druck ja, Stress nein

Die Vorfreude auf das WM-Finale ist enorm bei den deutschen Nationalspielern - der Druck aber auch. Der Psychologe der DFB-Elf sieht in der Anspannung des Teams auch einen Vorteil.

AP/dpa

Aus Rio de Janeiro berichtet


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Fußballweltmeisterschaft, Finale gegen Argentinien im Maracanã, Ziel aller Arbeit und Hoffnung - das Spiel, das an diesem Abend in Rio de Janeiro angepfiffen wird (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD), ist ohnehin schon maximal mit Bedeutung aufgeladen.

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Heft 29/2014
Nahaufnahme einer Nation

Natürlich wissen die deutschen Nationalspieler darum, sie selbst erhöhen den Druck auf sich mit Aussagen wie der von Kapitän Philipp Lahm, der sagt: "Wir wollen den Weltmeistertitel endlich wieder nach Deutschland bringen."

Es sind ähnliche Aussagen, wie sie die brasilianischen Nationalspieler im Laufe des Turniers immer wieder tätigten, und am Ende schien sie dieser selbstaufgebaute Druck mehr gelähmt als angetrieben zu haben. Nun trägt die deutsche Mannschaft im Gegensatz zu Brasilien nicht die Last eines Heimturniers, doch Hans-Dieter Herrmann, der Psychologe der DFB-Elf, sieht einen weiteren entscheidenden Vorteil: "Viele unserer Spieler haben eine Menge Erfahrung, zum Beispiel aus der Champions League. Auch wenn man im Vorfeld nicht weiß, wie ein solches Spiel ausgeht und ob jeder seinen besten Tag erwischt: Jeder ist bereit, alles für die Mannschaft und für den Titel zu geben."

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Jahrelanger Entwicklungsprozess

Einige deutsche Spieler, die am Abend auf dem Platz stehen werden, haben bereits wichtige Spiele und auch schmerzhafte Niederlagen bei Weltmeisterschaften erlebt: 2006 schieden sie zu Hause im Halbfinale gegen Italien aus, vier Jahre später zum gleichen Zeitpunkt des Turniers gegen Spanien. Es sind vor allem solche negativen Erlebnisse, die die mentale Stärke des Teams bei diesem Turnier bedingt haben. Bundestrainer Joachim Löw hatte im Vorfeld immer wieder betont, dass die Psyche seiner Mannschaft in den vergangenen Jahren eine Entwicklung durchgemacht habe.

"Wir haben sehr viele Spieler in unseren Reihen, die schon auf sehr hohem Niveau Finals gespielt haben. Wir sind in den vergangenen Jahren zwar auch gescheitert, aber ich sehe, dass die Mannschaft gefestigter ist, der Teamgeist ist zu spüren", sagt Bastian Schweinsteiger.

Tatsächlich hat man das Gefühl, dass die Spieler und ihr Umfeld mental weiter sind als 2006 und 2010. Sie sind nicht nur auf dem Platz pragmatischer geworden, sondern auch in ihrer Herangehensweise an diese Mission. Es ist diese über mehrere Jahre gereifte Eigenschaft, die etwa Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari meinte, als er die Gründe für die heftige Halbfinal-Niederlage seiner Mannschaft analysierte: Im Gegensatz zu seinem Team arbeite das deutsche seit vielen Jahren zusammen, sagte er.

Im Finale gegen Argentinien scheint ein weiterer Vorsprung hinzuzukommen: Bei beiden vorangegangenen Turnieren gewann Deutschland gegen die Südamerikaner, einmal im Elfmeterschießen (2006), einmal 4:0 (2010). Man möchte annehmen, dass die deutschen Spieler daraus viel Selbstvertrauen mit in das neuerliche Duell nehmen, doch DFB-Psychologe Hermann betont, bereits Erreichtes spiele kaum eine Rolle. Zwar müssten die Nationalspieler, die damals schon dabei waren, die bisherigen Siege gegen Argentinien nicht "zwanghaft ausblenden", aber "jedem unserer Spieler ist bewusst, dass vergangene Spiele nicht zählen und nichts über aktuelle aussagen. Das ist das Finale der Weltmeisterschaft 2014, es treffen die stärksten Mannschaften des Turniers aufeinander. Das ist wieder eine neue Situation, die unsere Mannschaft für sich entscheiden will. Da hilft kein Blick zurück".

"Der Druck ist immer hoch"

Doch was hilft dann? Laut Hermann ist es vor allem die eigene Motivation - und, es klingt fast paradox, der Druck selbst. "Egal ob Vorrunde oder Finale, der Druck ist für die deutsche Nationalmannschaft immer hoch, weil die Erwartungen an sie sehr hoch sind. Aber mit Druck ist nicht Stress gemeint, sondern Anspannung, die durchaus positiv sein kann. Diese Spannung liefert die nötige Energie. Außerdem: Gerade wegen solch zugespitzter Situationen wie einem Endspiel lieben die Spieler den Fußball, und darauf arbeiten die Trainer lange im Vorfeld hin", sagt Hermann.

Genau deshalb sei die DFB-Elf nach dem spektakulären 7:1-Sieg gegen Brasilien darum bemüht gewesen, möglichst schnell neue Spannung aufzubauen.

Viele brasilianische Journalisten und Fans wunderten sich über diese Nüchternheit und das Tempo, mit der das Team das Spektakel abhakte. Hermann sagt: "Nach einem kurzen Gefühl der großen Freude über den Halbfinalsieg gegen Brasilien war jedem schnell klar, wenn man jetzt nicht konzentriert weiter dranbleibt oder glaubt, man hätte schon etwas gewonnen, ist das große Ziel gefährdet."

Zur Autorin
Saima Altunkaya
Sara Peschke ist Redakteurin im Sportressort bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Sara_Peschke@spiegel.de

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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
samoudi 13.07.2014
1. Deutschland gewinnt !!
Heute Abend wird unser deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien mit 8:0 gewinnen. Das Publikum steht auf der deutschen Seite da die Brasilianer Deutschland mehr als Agentien mögen. Deutschland wird der Welt zeigen, wie schön es Fußball spielen kann.
Fazenda44 13.07.2014
2.
Ohne Druck könnte diese Mannschaft nicht so weit kommen!
hesekiel2517 13.07.2014
3. "Deutschland"
Zitat von samoudiHeute Abend wird unser deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien mit 8:0 gewinnen. Das Publikum steht auf der deutschen Seite da die Brasilianer Deutschland mehr als Agentien mögen. Deutschland wird der Welt zeigen, wie schön es Fußball spielen kann.
..seit wann spielt ein Land Fussball.Ein Land beherrscht vielleicht die EU...aber Fussball kann es wohl nicht spielen
chb_74 13.07.2014
4. 8:0?
Zitat von samoudiHeute Abend wird unser deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien mit 8:0 gewinnen. Das Publikum steht auf der deutschen Seite da die Brasilianer Deutschland mehr als Agentien mögen. Deutschland wird der Welt zeigen, wie schön es Fußball spielen kann.
Naja, nu mal nicht übertreiben. :-) Anders als die hinten völlig "offenen" Brasilianer beherrschen die Argentinier die Kunst des "Mauerns" vor dem Tor. Mein Tipp ist 2:1 oder 3:2 für Deutschland. Neuer ist in Top-Form, aber wenn Messi frei zum Abschuss kommt, ist da ordentlich Wumms hinter...
spon-facebook-10000317957 13.07.2014
5. Reif!
Es sind wirklich nicht nur die vergangenen Erlebnisse als Nationalteam, die die Mannschaft geerdet haben, sondern auch Ereignisse wie z. B. das tragische "Finale daheim" 2012 der Bayernspieler. Aus Fehlern lernt man.
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