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07. Juli 2014, 12:57 Uhr

WM 2014

Zehn Dinge, die Sie über Fußball-Rüpel wissen sollten

Handspiele, Spuckattacken, Fouls nahe der Körperverletzung - die WM-Geschichte hat ziemlich viele unsportliche Momente zu bieten. Zehn Fakten über Treter, rekordverdächtige Platzverweise und Gipsarme im Gesicht.

1. Ein Klassiker des gemeinen Fouls ist der Ellenbogencheck - teilweise mit gravierenden Folgen für den Gegner: Im Achtelfinale der WM 1994 kam es an der Seitenlinie zum Zweikampf zwischen dem Brasilianer Leonardo und seinem amerikanischen Gegenspieler Tab Ramos. Leonardo hielt Ramos fest, Ramos zerrte an Leonardos Trikot, bis der sonst nicht für seine Aggressivität bekannte Brasilianer mit dem Ellenbogen ausholte und gegen Ramos' Kopf schlug. Der Amerikaner erlitt einen Knochenbruch oberhalb des linken Ohrs. Nicht nur für ihn war die WM gelaufen, Leonardo sah die Rote Karte und wurde für vier Spiele gesperrt.

2. Weniger gefährlich, dafür aber mit höherem Ekelfaktor: die Spuckattacke. Die wohl berühmteste steht für einen Höhepunkt der deutsch-niederländischen Fußball-Feindschaft. Im Achtelfinale 1990 spuckte der gerade wegen eines Fouls an Rudi Völler verwarnte Frank Rijkaard dem Deutschen in die Locken. Im Strafraum gerieten die beiden kurz darauf erneut aneinander, wieder spuckte Rijkaard Völler ins Haar, am Ende flogen beide Spieler vom Platz. Deutschland gewann 2:1 und wurde Weltmeister. Rijkaard entschuldigte sich später bei Völler, zusammen drehten die beiden sogar einen Werbespot für Butter.

3. Dass Fouls auch der Anfang vom Ende sein können, musste Michael Ballack kurz vor der WM 2010 erfahren. Im englischen Pokalfinale zwischen FC Chelsea und FC Portsmouth trat ihm Kevin-Prince Boateng in die Beine. Ballacks Knöchelverletzung bedeutete das WM-Aus. Bei dem Turnier kam die deutsche Elf sehr gut ohne ihren langjährigen Kapitän aus. Der "Capitano" kehrte nicht mehr in die Nationalmannschaft zurück und blieb endgültig ohne großen internationalen Titel.

4. Das legendärste Handspiel der Fußball-Geschichte ging auf das Konto Diego Maradonas. Im WM-Viertelfinale 1986 gegen England setzte der Argentinier zum Kopfball an, beförderte den Ball aber mit Hilfe der "Hand Gottes" über den Keeper hinweg ins Tor. "Es war ein bisschen die Hand Gottes und ein bisschen Maradonas Kopf", sagte der 1,65 Meter große Spieler nach der Partie. Erst 2005 gab er das Handspiel zu.

5. In der Kategorie Treten hat der Niederländer Nigel de Jong seinen Platz in der Fußballhistorie sicher. Im Finale 2010 rammte er dem Spanier Xabi Alonso den Fuß gegen die Brust. Es war eines der brutalsten Fouls in der WM-Geschichte. De Jongs Landsmann Khalid Boulahrouz versetzte 2006 dem Portugiesen Ronaldo in Kampfsport-Manier mit gehobenem Bein einen seitlichen Tritt. Auch Diego Maradona trat 1982, gefrustet von einer drohenden Niederlage, dem Brasilianer Batista in den Unterleib. Übrigens sah einzig der Argentinier die Rote Karte, beide Niederländer wurden bloß verwarnt.

6. In der Kategorie "schnellster Platzverweis der WM Geschichte" liegt der Uruguayer José Batista ganz weit vorn. Gleich zu Beginn des Gruppenspiels gegen Schottland 1986 setzte er zu einer Blutgrätsche an. Da er von hinten kam und zudem mit gestrecktem Bein zutrat, blieb dem Schiedsrichter keine andere Wahl, als in der ersten Spielminute die Rote Karte zu zeigen.

7. Immer wieder kommt es während oder nach entscheidenden Spielen zur Rudelbildung: Den Argentiniern etwa gingen nach dem verlorenen Elfmeterschießen im Viertelfinale 2006 gegen die deutsche Auswahl die Nerven durch. Sie ließen sich in wildem Getümmel zu einer losen Abfolge von Unsportlichkeiten hinreißen. Kein argentinischer Spieler wurde dafür zur Rechenschaft gezogen, sehr wohl aber Torsten Frings, der wegen eines Faustschlages für das Halbfinale gesperrt wurde.

8. Eine sehr perfide Attacke ist die Beleidigung: Zinédine Zidane flog im Finale 2006 vom Platz, weil er abseits vom Spielgeschehen dem Italiener Marco Materazzi einen Kopfstoß versetzte. Zuvor hatte Materazzi den französischen Weltstar verbal provoziert. Materazzi erhielt wegen der Beleidigung von der Fifa eine Sperre unter anderem von zwei Spielen. Zidane durfte drei Spiele lang nicht auflaufen.

9. Zu den besonders üblen Verfehlungen zählt auch das Zeigen des "Stinkefingers": Nicht nur Stefan Effenberg provozierte bei der WM 1994 nach einem schlechten Spiel mit dieser Geste die Zuschauer und musste danach nach Hause fliegen. Auch Schiedsrichter können sich dieser Botschaft bedienen: Der Schweizer Massimo Busacca wurde 2009 für drei Spiele gesperrt, weil er bei einem Pokalspiel pöbelnden Fans den Mittelfinger zeigte. Heute ist er Chef der Fifa-Schiedsrichter-Abteilung.

10. Besonders böse wirkt die Vorstellung, während des Spiels einen Gipsarm ins Gesicht zu bekommen. So geschehen beim Viertelfinale Mexiko-Deutschland 1986. DFB-Verteidiger Thomas Berthold spielte aufgrund einer Verletzung mit einer Gipsmanschette am rechten Arm. Dieser landete nach einem Foul eines Mexikaners am Kopf des Gegners. Konsequenz: die erste Rote Karte für einen deutschen Nationalspieler. Berthold selbst sah aber kein Vergehen: "Am liebsten wäre ich dem Schiedsrichter an die Gurgel gegangen." Deutschland gewann auch mit einem Mann weniger im Elfmeterschießen.

Ausgewählt von Almut Cieschinger, Mara Küpper und Peter Wahle

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