WM-Gruppe A Frankreich kapituliert, Südafrika trauert

Gewonnen - und doch alles verloren: Der Sieg gegen das desolate französische Rebellen-Team bewahrte Südafrika nicht davor, als erstes WM-Gastgeberland das Achtelfinale zu verpassen. Stattdessen ziehen nun Uruguay und Mexiko in die K.o.-Runde ein.

AFP

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Hamburg - Selten hat sich ein Sieg so sehr wie eine Niederlage angefühlt. Als Schiedsrichter Oscar Ruiz aus Kolumbien die Vorrundenpartie der Gruppe A zwischen Frankreich und Südafrika abpfiff, hatten die Gastgeber 2:1 (2:0) gewonnen.

Allein, es nützte nichts. Südafrika hätte noch drei Tore mehr schießen müssen - dann wäre es nicht nur punktgleich mit Mexiko gewesen, sondern hätte auch die gleiche Tordifferenz (+1) gehabt und dank der mehr erzielten Treffer Platz zwei belegt, der zum Einzug ins Achtelfinale berechtigt. Doch die Tore wollten nicht fallen.

Uruguay zog damit nach dem 1:0 (1:0)-Sieg gegen Mexiko als Gruppenerster ins Achtelfinale ein, wo der Gegner Südkorea heißt. Mexiko ist Zweiter und bekommt es in der ersten K.o.-Runde mit Argentinien zu tun.

Südafrika mit Traumstart

Vor dem Spiel hatten sich Frankreich und Südafrika an dieses Szenario geklammert: Eigener hoher Sieg und kein Unentschieden in der Partie der amerikanischen Teams. Nur in dieser Konstellation hätten der Ex-Weltmeister und die Gastgeber noch die K.o.-Runde erreichen können.

Südafrika erfüllte seinen Teil. Und stand doch am Ende mit leeren Händen da. Mit der respektablen Bilanz von einem Sieg, einem Remis und einer Niederlage schied der Gastgeber bereits nach der Vorrunde aus dem Turnier aus - erstmals in der WM-Geschichte.

Immerhin verabschiedeten sich die Gastgeber mit Anstand - ganz im Gegensatz zum Gegner. Passend zum desolaten Erscheinungsbild des französischen Teams während des gesamten Turniers resultierte Südafrikas Führungstreffer aus einem - wie könnte es bei dieser WM anders sein - Torwartfehler von Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris. Lloris unterlief einen von Siphiwe Tshabalala getretenen Eckball, Bongani Khumalo brauchte nur noch einzuköpfen (20.). Der Abwehrspieler traf den Ball dabei mehr mit der Schulter, Frankreichs Abou Diaby machte als Gegenspieler eine schlechte Figur.

Südafrika verabschiedet sich mit Würde aus dem Turnier

Und es passte ins Bild, dass nur fünf Minuten später der Franzose Yoann Gourcuff nach einer Ellenbogenattacke die Rote Karte sah. Allerdings war die Entscheidung von Schiedsrichter Ruiz - wie könnte es bei dieser WM anders sein - sehr hart.

Für Frankreich standen zwar Spieler auf dem Feld. Aber so richtig anwesend schien das Team von Trainer Raymond Domenech, das ohne den aussortierten früheren Kapitän Patrice Evraantrat, in dessen letztem Spiel nicht zu sein. Folgerichtig erhöhte Südafrikas Katlego Mphela auf 2:0 (37.), als er die Desorientierung in der französischen Abwehr ausnutzte und aus kurzer Distanz ins leere Tor einschob.

Kurz nach Wiederanpfiff hätte Mphela Südafrika fast allein ins Achtelfinale schießen können, doch er vergab zwei gute Chancen (58./62.). Südafrikas Trainer Carlos Alberto Parreira blieb nichts anderes übrig, als voll auf Offensive zu setzen: In der 65. Minute kam Stürmer Siyabonga Nomvethe für Bernard Parker.

Doch kurz darauf waren alle südafrikanischen Träume beendet: Der von Domenech aussortierte und erst nach der Halbzeit eingewechselte Florent Malouda schloss einen französischen Konter nach Vorlage von Franck Ribéry zum Anschlusstreffer ab (70.). Nach Frankreichs Tor schienen die Gastgeber nicht mehr an ihre Chance zu glauben. Die Möglichkeiten wurden seltener, die Aktionen weniger zwingend.

Auch wenn beide Teams das Achtelfinale verpassten: Südafrika verabschiedete sich mit Würde und Anstand aus dem Turnier. Dagegen konnte für Frankreich auch der passable Auftritt in der zweiten Halbzeit nichts daran ändern, dass die Niederlage das bezeichnende Ende einer WM war, bei der sich das Team blamiert und jegliches Wohlwollen bei den Fans verspielt hat.

Frankreich - Südafrika 1:2 (0:2)
0:1 Khumalo (20.)
0:2 Mphela (37.)
1:2 Malouda (70.)
Frankreich: Lloris - Sagna, Squillaci, Gallas, Clichy - Diarra (82. Govou), Diaby - Gourcuff, Ribery - Gignac (46. Malouda), Cisse (55. Henry)
Südafrika: Josephs - Ngcongca (55. Gaxa), Mokoena, Khumalo, Masilela - Sibaya, Khuboni (78. Modise) - Pienaar, Tshabalala - Mphela, Parker (68. Nomvethe)
Schiedsrichter: Ruiz (Kolumbien)
Zuschauer: 39.415
Rote Karte: Gourcuff (Frankreich) wegen groben Foulspiels (26.)
Gelbe Karte: Diaby -

insgesamt 449 Beiträge
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Seite 1
CaptainSubtext 01.06.2010
1. Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich!
Zitat von sysopGastgeber Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich - welche Mannschaften machen in Gruppe A das Rennen?
Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich!
Brieli 01.06.2010
2.
Zitat von sysopGastgeber Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich - welche Mannschaften machen in Gruppe A das Rennen?
Uruguay und Mexiko. Oder doch Frankreich und SA? Ich finde, dass diese Gruppe extrem unberechenbar ist.
Umberto, 01.06.2010
3.
Zitat von sysopGastgeber Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich - welche Mannschaften machen in Gruppe A das Rennen?
Ich hoffe darauf, dass die Franzosen es nicht schaffen weiter zu kommen. Mexiko (1), Südafrika (2), Uruguay (3), Frankreich (4), wäre nicht schlecht.
klumpenhund 01.06.2010
4.
Zitat von sysopGastgeber Südafrika Außenseiter Uruguay, Mexiko oder Frankreich - welche Mannschaften machen in Gruppe A das Rennen?
1.) Frankreich, mit solchen Einzelspielern gewinnt man so eine Gruppe, egal wer an der Linie steht. 2.) Uruguay, denn die meisten Spieler kicken in Europa 3.) Mexiko schätze ein klein wenig schwächer ein als Uruguay 4.) Südafrika, das wird leider nichts. Das Team ist einfach nicht konkurrenzfähig und vom Heimvorteil alleine kann man nicht zehren
Umberto, 01.06.2010
5.
Zitat von klumpenhund1.) Frankreich, mit solchen Einzelspielern gewinnt man so eine Gruppe, egal wer an der Linie steht. 2.) Uruguay, denn die meisten Spieler kicken in Europa 3.) Mexiko schätze ein klein wenig schwächer ein als Uruguay 4.) Südafrika, das wird leider nichts. Das Team ist einfach nicht konkurrenzfähig und vom Heimvorteil alleine kann man nicht zehren
Mit solchen Einzelspielern qualifiziert man sich noch nicht einmal ohne Handspiel und blinden Schiedsrichter für die Weltmeisterschaft.
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