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Fotostrecke: Abgezockte Spanier, unermüdliche Chilenen

Foto: DAVID GRAY/ REUTERS

WM-Gruppe H Villa und Iniesta schießen Spanien ins Achtelfinale

Aufatmen in Spanien: Der Europameister zieht dank eines Sieges gegen Chile ins Achtelfinale der WM ein und trifft dort auf Portugal. Die Chilenen können die Pleite verschmerzen - sie spielen in der K.o.-Runde gegen Brasilien, weil die Schweiz gegen Honduras nicht über ein torloses Remis hinauskam.

Manchmal brauchen selbst große Mannschaften Hilfe, wenn es nicht läuft. Einen genialen Moment eines Spielers. Eine brillante Einwechslung des Trainers. Oder - wie schon so viele Teams bei der WM in Südafrika - einen Fehler des gegnerischen Torwarts.

Letzteres Glück hatte das Spanien. Ein Aussetzer von Chiles Schlussmann Claudio Bravo ebnete dem Europameister im dritten Spiel der Gruppe H den Weg zum 2:1 (2:0)-Sieg. David Villa (24.) und Andres Iniesta (37.) trafen für Spanien, Rodirog Millar (47.) für Chile. "Wir haben gezeigt, wer wir sind, und stehen jetzt da, wo wir hinwollten. Die Mannschaft hat heute kompakt und sehr gut gespielt. Der Erfolg beruhigt natürlich die Nerven", sagte Iniesta.

Spanien spielt nun am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Achtelfinale gegen Portugal, den Zweiten der Gruppe G, die inoffizielle Meisterschaft der iberischen Halbinsel aus. "Das sind zwei große Mannschaften, die beide ins Viertelfinale wollen", sagte Villa.

Auf Platz zwei hinter Spanien landeten die Chilenen, weil im anderen Gruppenspiel die Schweiz nur ein torloses Remis gegen Honduras schaffte. Chile trifft damit im Achtelfinale am Montag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Brasilien, Sieger der Gruppe G. Die Schweiz mit Trainer Ottmar Hitzfeld und Honduras sind ausgeschieden.

Fußball verkehrt in der Anfangsphase

Nach wenigen Minuten der Partie Spanien gegen Chile bot sich den Zuschauern das erwartete Bild. Ein Team spielte, ging aggressiv in Zweikämpfe, ließ den Ball gekonnt zirkulieren. Das zweite versuchte, gelegentlich recht unbeholfen, sich den Ball zu erkämpfen und ins Spiel zu finden.

Allein, diese zweite Mannschaft war nicht Chile, sondern Spanien. Fußball verkehrt.

Von der Leichtigkeit, mit der die Spanier zum EM-Gewinn 2008 und durch die WM-Qualifikation spaziert waren, war nichts zu sehen. Der fußballerische Glanz, den Spanien in den vergangenen zwei Jahren so oft verbreitet hatte, schimmerte nur selten durch die Biederkeit, die dem Spiel des Europameisters anhaftete.

Immerhin war von Anfang an zu erkennen, dass Spanien nach der 0:1-Auftaktniederlage gegen die Schweiz und dem 2:0-Erfolg gegen Honduras unbedingt einen Sieg wollte, um sicher in die K.o.-Runde einzuziehen. Bereits in der vierten Minute kam Stürmerstar Fernando Torres zum Kopfball, nur eine Minute später ließ der chilenische Abwehrspieler Gonalo Jara einen langen spanischen Pass passieren und klärte erst danach knapp vor Torres.

Mehr brachte Spanien in der Anfangsphase nicht zustande.

Bezeichnenderweise war es Chile, das mit einer Kombination, wie man sie vom Europameister erwartet hätte, in der zehnten Minute die erste gute Möglichkeit hatte. Mark Gonzalez bediente Jean Beausejour mit einem Querpass, doch der Stürmer kam nicht richtig hinter den Ball und vergab. Zwei Minuten später prüfte Marco Estrada mit einem Distanzschuss Spaniens Schlussmann Iker Casillas.

Torwartfehler und Platzverweis helfen dem Europameister

Spaniens Angriffsbemühungen erinnerten dagegen zunächst stark an eine englische Mannschaft aus den achtziger Jahren: Viele lange Pässe, fast nur Kick and Rush, wenig gelungene Kombinationen.

So war es ein Fehler des chilenischen Torwarts Bravo, der dem verunsicherten Europameister die Führung brachte. Bravo verließ bei einem spanischen Steilpass völlig unnötig seinen Strafraum und grätschte den Ball nahe der Seitenlinie Spaniens David Villa vor die Füße. Villa schlenzte den Ball unbedrängt aus etwa 35 Metern ins leere Tor. Es war sein dritter Treffer bei dieser WM.

In der Folge zeigte sich Chile jedoch keineswegs geschockt. In der 34. Minute zielte Beausejour nach einem Alleingang nur um wenige Zentimeter am spanischen Tor vorbei. Doch drei Minuten später kam ein doppelter Rückschlag für die Südamerikaner. Erst schloss Andres Iniesta für Spanien einen Konter zum 2:0 ab. Es war der 100. Turniertreffer. Während der Mittelfeldspieler vom FC Barcelona zum Jubeln abdrehte, zeigte Schiedsrichter Marco Rodriguez dem bereits verwarnten Estrada die Gelb-Rote Karte, weil er Torres bei dem Angriff an der Hacke touchiert und zu Fall gebracht hatte - eine sehr harte Entscheidung.

Schwache Partie in der zweiten Halbzeit

Wer nach der Halbzeit einen lockeres Trainingsspiel für Spanien erwartete, sah sich getäuscht. Gedanklich noch in der Kabine, fälschte Pique einen Schuss von Rodrigo Millar unhaltbar für Spaniens Torwart Iker Casillas ab. "Zur Halbzeit dachte ich, wir hätten das Spiel unter Kontrolle. Aber es kam anders", sagte Spaniens Trainer Vicente Del Bosque. Der Anschlusstreffer (47.) gab Chile Hoffnung, aber Spanien zeigte sich nun gefestigt genug, die Angriffsversuche der dezimierten Gegner zu stoppen.

Die spanischen Ballkünstler schafften es allerdings nur selten, sich spielerisch von chilenischen Angriffen zu befreien. Viel zu oft schlugen die Abwehrspieler den Ball einfach nur weit in die chilenische Hälfte - in der Hoffnung, er werde Torres oder Villa finden. Selbst gegen zehn Chilenen gelang es den Spaniern nicht, ihr oft gelobtes Passspiel zu etablieren. Wenn sie ihr Können zeigten, dann meist in Einzelaktionen. Chancen, den alten Vorsprung wiederherzustellen, hatten sie kaum. Bezeichnend für die armseligen Offensivbemühungen war ein Schussversuch Iniestas in der 76. Minute, der weit über das Tor ging.

Zu diesem Zeitpunkt schienen sich beide Teams mit dem knappen spanischen Sieg abgefunden zu haben. Denn in der zeitgleichen Gruppenpartie zwischen der Schweiz und Honduras waren zu diesem Zeitpunkt keine Tore gefallen - damit waren Spanien und Chile für das Achtelfinale qualifiziert. Das Spiel verflachte, Spanien beschränkte sich bis zum Schlusspfiff gegen die erschöpften Chilenen darauf, den Ball zu kontrollieren. "Es war schwierig für uns. Wir sind glücklich, dass wir es geschafft haben und im Achtelfinale sind", sagte Villa.

Nun steht der Europameister im Achtelfinale. Für einen Sieg gegen Portugal wird eine Leistung wie gegen Chile wohl nicht ausreichen.

Chile - Spanien 1:2 (0:2)
0:1 Villa (24.)
0:2 Iniesta (37.)
1:2 Millar (47.)
Chile: Bravo - Isla, Medel, Ponce, Jara - Vidal, Estrada, Gonzalez (46. Millar) - Valdivia (46. Paredes) - Sanchez (65. Orellana), Beausejour
Spanien: Casillas - Ramos, Pique, Puyol, Capdevila - Busquets - Xavi, Xabi Alonso (73. Martinez) - Iniesta, Villa - Torres (55. Fabregas)
Schiedsricher: Rodriguez (Mexiko)
Zuschauer: 41.958
Gelb-Rote Karte: Estrada wegen wiederholten Foulspiels (37.)
Gelbe Karten: Medel, Ponce -

Und so lief das andere Spiel in Gruppe H: Schweiz gegen Honduras

Vorrunden-Aus für Hitzfelds Schweizer

Zum Auftakt hatten sie gegen Europameister Spanien noch sensationell gewonnen: Doch beim 0:0 gegen Honduras blamierten sich die sturmschwachen Schweizer. Das Remis war zu wenig für das Team von Trainer Ottmar Hitzfeld - die WM ist für die Schweiz bereits nach der Vorrunde beendet. "Wir schlagen Spanien, und doch reicht es nicht. Das darf nicht passieren", sagte Abwehrspieler Stéphane Grichting. Gegner Honduras reist sogar ohne Tor aus Südafrika ab.

Im Free-State-Stadium von Bloemfontein hätte der Außenseiter allerdings als Sieger vom Platz gehen können, doch der Wolfsburger Diego Benaglio im Tor der Eidgenossen rettete gegen Edgar Alvarez mit einer Weltklasse-Parade (71. Minute). Auch der kurz zuvor eingewechselte Torjäger Alex Frei konnte die Schweiz nicht mehr retten. "Wir wären gern hiergeblieben und hätten gegen Brasilien gespielt. Das wäre für mich ein Traum gewesen", sagte Hitzfeld. "Wir haben es nicht verdient, weil wir kein Tor geschossen haben."

Es hatte Recht, denn die Ausgangslage für sein Team war eindeutig: Ein Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied hätte einen Platz im Achtelfinale garantiert. Doch Torgefahr strahlte die Schweiz nicht aus. Zwar überbrückte sie zügig das Mittelfeld, doch im Angriff fehlte das kreative Moment und im Strafraum die letzte Konsequenz.

Schlechte Chancenauswertung lässt Traum vom Achtelfinale platzen

Erst verzog Kapitän Gökhan Inler nur knapp (11.), dann wäre nach einer Leverkusener Co-Produktion fast das 1:0 gefallen: Angreifer Eren Derdiyok segelte in eine präzise Flanke seines Clubkollegen Tranquillo Barnetta, doch der Kopfball ging übers Tor (17.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte Derdiyoks Sturmpartner Blaise Nkufo den Ball, der ihm plötzlich an die Brust sprang, zwei Meter vor dem Tor nicht unter Kontrolle bringen.

Von der angekündigten und dringend benötigten Offensive war bei den Schweizern nichts zu sehen. Honduras spielte frech und war mit überfallartigen Kontern mehrmals gefährlich. Aufgeregt gestikulierend stand Hitzfeld an der Seitenlinie.

Die Schweizer erhöhten nach der Pause zwar den Druck, doch David Suazo vergab das 1:0 für Honduras mit einem Kopfball nur um Zentimeter (53.). Barnetta, Derdiyok und Co. konnten ihre Chancen auch in der hektischen Schlussphase nicht nutzen. Dank der schnellen Konter war Honduras selbst in der Nachspielzeit dem 1:0 näher als die am Ende frustrierten Schweizer. Hitzfeld tröstete auf dem Platz seine Spieler und sprach anschließend von einer "sehr großen Enttäuschung. Wir wollten den Schritt ins Achtelfinale gehen."

Schweiz - Honduras 0:0
Schweiz:
Benaglio - Lichtsteiner, von Bergen, Grichting, Ziegler - Barnetta, Huggel (78. Shaqiri), Inler, Fernandes (46. Yakin) - Derdiyok, Nkufo (69. Frei)
Honduras: Valladares - Sabillon, Chavez, Bernardez, Figueroa - Thomas, Wilson Palacios - Alvarez, Nunez (67. Martinez) - Jerry Palacios (78. Welcome), Suazo (87. Turcios)
Schiedsrichter: Baldassi (Argentinien)
Zuschauer: 28.042
Gelbe Karten: Fernandes - Thomas, Suazo, Chavez, Wilson Palacios (2)

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