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07. Mai 2007, 13:57 Uhr

WM-Helden in der Krise

Sie tanzten nur einen Sommer

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Wie paradox: Sie waren Helden, bescherten Deutschland ein WM-Sommermärchen und zaubern sich mühelos zur EM. Doch in ihren Clubs sind die Nationalspieler in desaströser Form - sie stagnieren, sind verletzt oder beides.

Man hätte Peggy gern gefragt, ob sie es nicht ein bisschen übertreibt, aber nun ist es eh zu spät. Peggy tauchte plötzlich auf und mit ihr die Sonne, die gnadenlos vom Himmel brannte und Strandkorbvermietern ein super Geschäft bescherte. Im April. Bitte, was soll das, das wollte man fragen, aber dann war Peggy, das Wetterhoch, auch schon wieder weg. Zurück blieben nächtliches Frösteln und der Gedanke, dass Peggy ruhig hätte bleiben können. So ungefähr war das auch im vergangenen Jahr. Mit der Fußball-WM.

Jubelnde DFB-Kicker (nach dem Viertelfinalsieg gegen Argentinien): Von den Wolken auf den Boden
Getty Images

Jubelnde DFB-Kicker (nach dem Viertelfinalsieg gegen Argentinien): Von den Wolken auf den Boden

Klinsi und Jogi, Poldi und Schweini, einsnull in Dortmund gegen Polen, Fahnen und immer wieder Sommer. Ein Märchen war diese WM, ein Chiffre für Fortschritt und fußballerische Ekstase. Es gab einen Film von Sönke Wortmann, der dieses deutsche Sommermärchen erst auf die Kinoleinwand warf und dann millionenfach gebrannt unter das Volk. Draußen konnte Siemens vor die Hunde gehen oder der Nichtraucherschutz, drinnen war immer noch Gänsehaut garantiert, wenn David Odonkor in der 93. Minute flankte, Oliver Neuville am polnischen Torwart Artur Boruc vorbei einschoss und Klinsmann und Löw in die Wolken sprangen.

Apropos Odonkor.

Gerade gab es die Nachricht, dass der Mann von Betis Sevilla wieder auf dem Platz gestanden hat, ein Comeback in der 80. Minute. Odonkor hatte sich vor fünfeinhalb Monaten eine Knorpelabsplitterung im Knie zugezogen beim Spiel der DFB-Elf auf Zypern. Fünfeinhalb Monate ist ein sehr langsamer Heilungsprozess für einen so schnellen Mann wie Odonkor, man fragte sich zwischenzeitlich schon, ob er Leichtathlet geworden sei, so selten hörte man etwas von dem 22-Jährigen. Im Dezember hatte er nochmal einen Vertrag unterschrieben, den fürs Leben, als er seine Freundin ("Bild": "Sie ist erst 19") ehelichte. Und als es zu schweren Ausschreitungen im Pokal zwischen Betis und dem FC Sevilla kam, schrieben einige deutsche Zeitungen kurz vom "Odonkor-Club". Es gab ihn also noch.

Odonkor ist nur einer der 23 Nationalspieler, die seit Juli 2006 den Weg von den Wolken auf den Boden mitgemacht haben. Sein Fall ist der tragischste, aber nicht der prominenteste. Ob Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Lukas Podolski, Philipp Lahm oder Christoph Metzelder – die meisten der DFB-Stammspieler stagnieren 2007 in ihren Vereinen oder sind verletzt. Im schlimmsten Fall sogar beides.

Dabei geht es nicht mal um die Stagnation als solche – der ehemalige Bayern-Trainer Felix Magath hatte sich nach der WM bereits damit abgefunden, dass seine geschlauchten Profis erst im Spätherbst oder schlimmstenfalls nach der Winterpause wieder ihre volle Leistungsfähigkeit abrufen könnten. Doch die ist seit Ende Januar vorbei. Jetzt ist Mai, und der neutrale Beobachter machte sich lächerlich, würde er zum Beispiel die Version "Schweinsteiger 2.07" als Weiterentwicklung des Vorgängers aus 2006 bezeichnen. Sie ist ein Rückschritt.

Die Krise als Chance - Kuranyi macht es vor

Aber wie konnte es so weit kommen? Gibt es so was wie einen WM-Fluch? Immerhin wäre das eine passende Analogie - das Scheitern würde ebenso überhöht wie die Auftritte bei der WM. Aber es würde der Sache auch nicht ganz gerecht. Die Gründe sind nämlich meist sehr irdische.

Man könnte diese Liste noch erweitern, etwa um den beim FC Chelsea umstrittenen (und ebenfalls frisch operierten) Ballack, den Langzeitverletzten Sebastian Kehl (Dortmund), den durch seine Wechselambitionen gehemmten Torsten Frings (Bremen), den im Abstiegskampf erfolglosen Neuville (Mönchengladbach) oder Pechvogel Tim Borowski, der sich bei seinem Comeback erneut verletzte.

Für die WM-Teilnehmer muss sich die Bundesliga angefühlt haben wie ein Auftritt in der Lindenstraße für einen Hollywoodstar. Man will seinen Job immer gleich gut machen, aber das Setting schlägt unweigerlich auf die Stimmung. Oder das Drehbuch.

Dass jede Krise auch eine Chance birgt, kann man bei Kevin Kuranyi erfragen. Der Stürmer und Nutella-Werbestar war überraschend nicht für die WM nominiert worden und musste sich das ganze Sommermärchen vor dem Fernseher anschauen. In der neuen Saison, als die WM-Helden nach ihrer Form suchten, fand Kuranyi seine mühelos. Er war ausgeruht, ohne Druck und auch gegen Mainz oder Bochum motiviert, sich zu rehabilitieren. Ein Jahr später ist der Schalker besser denn je: mehr Haare, mehr Tore, seit dem Comeback im Februar auch in der Nationalmannschaft.

Und wenn alles gut läuft, feiert Kuranyi in diesem Sommer sogar einen Titel mit dem FC Schalke. Seine müden und verletzten DFB-Kollegen freuen sich auf die Sommerpause.

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