WM in Katar "Das Land hat wenig mit Fußball zu tun"

Die deutsche Fußball-Prominenz hat mit Skepsis auf die WM-Vergabe an Katar reagiert. Am Organisationstalent der Scheichs zweifeln Trainer und Experten zwar nicht. Sie befürchten aber die große Hitze und beklagen die  fehlende Fußballtradition im Gastgeberland 2022.

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Hamburg - Der Bundestrainer war erstaunt: Joachim Löw nannte den WM-Zuschlag für Katar "eine im Moment unglaublich mutige Entscheidung". Er hätte mit einem anderen Sieger gerechnet. "Von Katar bin ich schon überrascht. Ich hätte gedacht, dass Bewerber mit Fußball-Tradition den Zuschlag bekommen", so Löw. Dass Katar eine gute WM ausrichten kann, steht für ihn nicht in Zweifel: "Die Frage sind andere Dinge. Eine große Rolle wird die Hitze spielen." Als sein Team im Juni 2009 in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gespielt hatte, seien Temperaturen von gut 40 Grad eine große Belastung gewesen.

Auch der frühere Nationalspieler Günter Netzer zeigte sich verwundert über die Entscheidung der Fifa. "Es wird eine sehr große Herausforderung für das Emirat, ein WM-Turnier in der Wüste auszurichten, bei vielleicht 50 Grad", sagte Netzer der Tageszeitung "Die Welt". Er sei sich zwar sicher, dass Organisation und Stadien perfekt sein würden. "Aber das ganze Drumherum - allein schon das Leben für die vielen Fans, die kommen werden - wird schwierig. Es ist eine komische Vorstellung, dass dort nun eine Weltmeisterschaft stattfindet", sagte der Weltmeister von 1974.

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Als "unglaublich" bezeichnete Louis van Gaal die WM-Entscheidung für Katar. "Dass mitten am Tag gespielt wird, um die Spiele zu vermarkten, kann nicht wahr sein", sagte der niederländische Trainer des FC Bayern München. Markus Babbel, Europameister 1996 und derzeit Trainer des Zweitligisten Hertha BSC, kritisierte den WM-Zuschlag für das Emirat: "Damit tue ich mir schwer, weil ich in erster Linie natürlich auch Fußballfan bin. Und eine WM gehört meiner Meinung nach dorthin, wo Fußball geliebt und gelebt wird."

Mario Basler, der in der Saison 2003/2004 selbst in Katar spielte, befürchtet fehlendes Flair bei der WM. "Das Land hat wenig mit Fußball zu tun. Stimmung kommt dort bei den Spielen nicht auf", sagte der Trainer des Drittligisten Wacker Burghausen.

Direkt nach der Wahl hatte bereits Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff seinen Unmut über Katars Bewerbungstriumph geäußert. Die Stimmung in einem Gastgeberland sei sehr wichtig, sagte Bierhoff: "Insofern betrachte ich Katar nicht als optimale Lösung."

fah/sid/dpa

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