Korruptionsvorwürfe gegen Fifa Sponsor Sony will WM-Vergabe an Katar untersuchen lassen

Der Fußball-Weltverband Fifa gerät wegen der WM-Vergabe an Katar zunehmend unter Druck: Sponsor Sony verlangt Antworten auf Bestechungsvorwürfe. Gleichzeitig werden neue Anschuldigungen laut.
Skyline von Doha: Ex-Fifa-Exekutivmitglied Mohammed Bin Hammam

Skyline von Doha: Ex-Fifa-Exekutivmitglied Mohammed Bin Hammam

Foto: Yoan Valat/ dpa

Hamburg - Der Druck auf die Fifa nimmt zu. Sony, einer der Hauptsponsoren des Welt-Fußballverbandes, fordert eine "angemessene Untersuchung" der Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar, bei der es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll. Das berichtet die BBC . Sony reagiert damit auf Berichte der "Sunday Times".

Die Zeitung ist nach eigenen Angaben im Besitz von "Tausenden Gigabytes" und "Millionen von E-Mails und Dokumenten" aus dem Machtbereich des langjährigen Fifa-Exekutivmitglieds Mohammed Bin Hammam. Diese sollen belegen, dass Bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle für die Unterstützung von Katars WM-Bewerbung gezahlt habe.

Die "Sunday Times"  legte inzwischen mit neuen Details nach. Bin Hammam soll demnach weitere 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben. Außerdem habe er Gespräche auf Regierungsebene mit Thailand für einen Gas-Deal eingefädelt, um sich die Stimme von Exekutivmitglied Worawi Makudi zu sichern. Makudi bestreitet die Vorwürfe in der Zeitung.

"Bilaterale Beziehungen im Sport"

Bin Hammam soll laut dem Blatt neben den millionenschweren Überweisungen auch seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte missbraucht haben. So sei es Ende Oktober 2010, kurz vor der Wahl Katars, zu einem Treffen mit Wladimir Putin gekommen, um "bilaterale Beziehungen im Sport" zu diskutieren. Russland erhielt den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2018. Auch ein Gas-Deal zwischen Thailand und Katar sei von Bin Hammam, der von der Fifa inzwischen lebenslang gesperrt ist, eingefädelt worden.

Die BBC berichtet von Treffen der katarischen Königsfamilie mit neun Mitgliedern des Fifa-Exekutivkomitees, darunter auch Fifa-Präsident Joseph Blatter. Außerdem soll Bin Hammam dem ehemaligen Exekutivmitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben. Das katarische WM-Organisationskomitee hat die Vorwürfe vehement bestritten. Bin Hammam habe weder eine offizielle noch eine inoffizielle Rolle gespielt.

In den neuesten Enthüllungen der "Sunday Times" fällt auch der Name Franz Beckenbauer. Er soll dem Bericht zufolge zusammen mit Vorständen eines Öl- und Gas-Transportunternehmens von Bin Hammam fünf Monate nach der Wahl des Wüstenstaats 2010 nach Doha eingeladen worden sein.

Beckenbauer, bei der WM-Vergabe Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee, gab auf Anfrage der "Sunday Times" dazu keinen Kommentar ab. Die beteiligte Firma, die Beckenbauer angeblich als Berater angestellt hatte, teilte mit, bei dem Treffen seien mögliche Investitionen Katars in die Seeschifffahrt diskutiert worden. Zu einem Vertragsabschluss sei es nicht gekommen.

wit/dpa/sid
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