WM-Kurzpässe Capello benennt Elfmeter-Schützen, Stark pfeift Achtelfinale

Englands Trainer Fabio Capello hat festgelegt, wer im Achtelfinale gegen Deutschland in einem möglichen Elfmeterschießen antritt. Schiedsrichter Wolfgang Stark pfeift das K.o.-Spiel Uruguay gegen Südkorea, Paraguay bangt um den Einsatz von Nelson Valdez.
Trainer Capello, englische Nationalspieler: Achtelfinale gegen Deutschland

Trainer Capello, englische Nationalspieler: Achtelfinale gegen Deutschland

Foto: ADNAN ABIDI/ REUTERS

Hamburg - Englands Trainer Fabio Capello hat fünf Spieler für das WM-Achtelfinale gegen Deutschland am Sonntag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) als Elfmeterschützen benannt. Frank Lampard, Steven Gerrard, Gareth Barry, James Milner und Wayne Rooney sollen antreten, falls nach 120 Minuten kein Sieger feststeht.

In England ist die Sorge groß, dass die WM-Träume wie schon 1990 bei der WM in Italien und 1996 bei der Heim-EM im Elfmeterschießen gegen die DFB-Elf zerplatzen. Zuversicht schöpfen die Engländer vor allem aus der bestandenen Nervenprobe im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien. "Jetzt beginnt für uns die WM. Man bekommt nichts dafür, wenn man in der ersten Runde schön spielt und rausfliegt", sagte Lampard. Beim Sieg gegen die Slowenen zeigte der Champion von 1966 einen deutlichen Aufwärtstrend, von der Höchstform der überzeugenden WM-Qualifikation aber ist das Team weit entfernt.

Capello wischt derweil alle Zweifel beiseite. "Jetzt sind wir in einem Playoff-Duell und das können wir", sagte er. Allerdings will es sein Team nicht auf ein Elfmeterschießen ankommen lassen. "Wir wollen das Spiel in 90 Minuten gewinnen", sagte Torwart David James. Für Deutschland könnte sich als Vorteil erweisen, dass Rooney völlig außer Form ist und eine Knöchelblessur hat. Der Stürmer hatte - lange, bevor die Achtelfinalpaarung feststand - gesagt, dass es ihm Spaß machen würde, Deutschland zu schlagen. "Wir wären auch zufrieden, wenn wir weiterkommen, ohne dass Wayne trifft", sagte James.

Auch das vorletzte Training der deutschen Elf fand ohne die angeschlagenen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Jérome Boateng statt. Schweinsteiger klagt über eine Verhärtung in der hinteren Oberschenkelmuskulatur des rechten Beins, wegen der er im Spiel gegen Ghana vorzeitig vom Platz musste. Boateng war in der Partie wegen einer Wadenverhärtung vorzeitig ausgewechselt worden. Beide hatten bereits am Donnerstag nicht am Regenerationstraining teilnehmen können.

Schiedsrichter Wolfgang Stark darf bei der WM ein drittes Spiel leiten. Der 40 Jahre alte deutsche Schiedsrichter pfeift das Achtelfinale am Samstag zwischen Uruguay und Südkorea (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Das Spiel der deutschen Mannschaft am Sonntag leitet der Unparteiische Jorge Larrionda aus Uruguay.

Paraguay bangt vor dem Achtelfinale gegen Japan am Dienstagnachmittag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Pretoria um den Einsatz von Nelson Valdez. Beim Stürmer von Bundesligist Borussia Dortmund besteht laut Mannschaftsarzt Manuel Aguilar der Verdacht auf eine Adduktorenzerrung.

Serbische Spieler rauchten und tranken Alkohol vor Deutschland-Spiel

Mit Alkohol und Zigaretten haben sich einige Spieler Serbiens auf die Partie gegen Deutschland in der WM-Vorrunde eingestimmt. "Sie tranken und rauchten und zerstörten Serbien", titelte die Zeitung "Press" am Freitag über den "Skandal". Marko Pantelic, Danko Lazovic, Aleksandar Lukovic, Vladimir Stojkovic und Nenad Milijas sollen vor dem mit 1:0 gewonnen Spiel gegen die DFB- Auswahl daran beteiligt gewesen sein.

Die veröffentlichten Fotos, am Vorabend des Spiels gegen Deutschland gemacht, zeigen die rauchenden Fußballer mit Bierflaschen in der Hand. "Bier und Zigaretten sind nicht der Grund für unser Ausscheiden", schrieb die Zeitung "Blic". Serbien war durch ein 1:2 gegen Australien in der Vorrunde gescheitert. Die fünf Ertappten verteidigten teilweise ihr Fehlverhalten. "Mit meinen 27 Jahren muss ich mich vor niemandem dafür rechtfertigen, dass ich rauche", sagte Lazovic.

Dänemarks Nationalmannschaft steht nach dem WM-Aus vor einem Umbruch. Die Mittelfeldspieler Martin Jörgensen und Jesper Grönkjær erklärten nach dem 1:3 gegen Japan ihren Rücktritt. Weitere Routiniers wie Thomas Sörensen, Jon Dahl Tomasson und Dennis Rommedahl dürften in den Planungen von Trainer Morten Olsen künftig ebenfalls keine Rolle mehr spielen und stehen daher auch vor dem Abschied. Olsen dagegen bleibt. Erst kurz vor der WM-Endrunde in Südafrika hatte der Coach seinen Vertrag bis 2012 verlängert.

Zwischen den beiden Machern des WM-Organisationskomitees, Danny Jordaan und Irvin Khoza, ist ein heftiger Konflikt ausgebrochen. Jordaan beschuldigte seinen langjährigen Widersacher "eine Schmierenkampagne" gegen ihn initiiert zu haben. "Ich weiß, dass er einen Krieg nach der Weltmeisterschaft angekündigt hat. Dieser Kampagne ist gegen mich gerichtet und soll zeigen, dass ich mit dieser Veranstaltung überfordert bin", sagte Jordaan, dem von seinem Gegner Khoza offenbar Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Jordaan: "Niemals in meinen 17 Jahren im Fußball habe ich von irgendjemandem Geld genommen. Alles, was ich habe, ist mein guter Ruf und den werde ich nicht gefährden - vor allem, nachdem ich so stark für diese Land gekämpft habe."

Jordaan ist Chef des südafrikanischen Organisationskomitees, Khoza ist Vorsitzender des Gremiums. Im vergangenen Jahr bewarben sich beide um den Vorsitz im südafrikanischen Fußball-Verband SAFA. Aufgrund der zu erwartenden Schlammschlacht zwischen den beiden wurde schließlich ein Interimskandidat zum neuen Präsidenten gewählt. Millionär Khoza ist Präsident der südafrikanischen Premier League und besitzt den Club Orlando Pirates. Er gab zu den Anschuldigungen von Jordaan am Freitag zunächst keine Stellungname ab.

ulz/sid/dpa
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