WM-Kurzpässe Cruyff attackiert Brasilien, Nigerias Präsident löst Verband auf

Langweilig, defensiv, eine Schande für die WM: Die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff hat Viertelfinalgegner Brasilien scharf kritisiert. Nigerias Präsident will die Mannschaft seines Landes für zwei Jahre abmelden. Mexiko braucht einen neuen Nationaltrainer.
Ehemaliger niederländische Fußballer Cruyff: Attacke gegen die Seleção

Ehemaliger niederländische Fußballer Cruyff: Attacke gegen die Seleção

Foto: Ross Kinnaird/ Getty Images

Hamburg - Vor dem Viertelfinale Brasilien gegen Niederlande am Freitag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat der frühere Oranje-Star Johan Cruyff ungewöhnlich harsche Kritik an den bisherigen Auftritten Brasiliens geübt. "Sie verfügen über talentierte Spieler, aber spielen Fußball in einer defensiven und uninteressanten Manier", sagte Cruyff der englischen Zeitung "Daily Mirror". "Es ist eine Schande für die Fans und das Turnier. Normalerweise verfügt Brasilien über eine Mannschaft, die die Menschen gerne spielen sehen wollen", so Cruyff . "Ich habe kein Geld übrig für eine Eintrittskarte, um Brasilien spielen zu sehen", sagte der Vizeweltmeister von 1974.

Das WM-Debakel der nigerianischen Nationalmannschaft weitet sich zur Staatsaffäre aus: Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hat den Fußball-Verband des westafrikanischen Landes (NFF) überraschend aufgelöst und die Nationalmannschaft für die kommenden zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurückgezogen. Grund dafür sei die schlechte Leistung der "Super Eagles" in Südafrika, sagte sein Sprecher am Mittwoch vor Journalisten in Abuja. Der Fußball im Land des Olympiasiegers von 1996 soll nun von Grund auf neu organisiert werden. Die Fifa hatte am Nachmittag noch keine offizielle Information aus Nigeria. In einer Mitteilung stellte der Weltverband aber klar, dass er sich jede Einflussnahme der Politik in Fußball-Belange verbittet.

Drei Tage nach dem WM-Aus seiner Mannschaft hat Mexikos Nationaltrainer Javier Aguirre seinen Rücktritt erklärt. "Ich muss mein Amt niederlegen. Das ist die einzig anständige Reaktion", sagte der 51-Jährige auf einer Pressekonferenz im Mexiko City. Das Team der Nordamerikaner war im Achtelfinale durch eine 1:3-Niederlage gegen Argentinien ausgeschieden. Das Spiel hatte eine hitzige Diskussion um die Leistung der WM-Schiedsrichter angefacht, da das Führungstor für Argentinien aus einer klaren Abseitsstellung entstanden war.

Die französische Regierung hat bestritten, sich in die Angelegenheiten des Fußball-Verbandes FFF einzumischen - das hatte Fifa-Präsident Joseph Blatter Frankreich vorgeworfen. "Das stand nie zur Debatte", sagte Regierungssprecher und Erziehungsminister Luc Chatel. Der FFF sei ein souveräner Verband der seinen Präsidenten und den Nationaltrainer selbst wähle, so der Politiker weiter. "Wir waren bei der WM allerdings Zeuge einiger disziplinarischer Verfehlungen, die für alle Franzosen Konsequenzen hatten. Aus diesem Grund kann die Regierung über diesen Aspekt nicht einfach hinwegsehen", sagte Chatel.

Grund für die Aufregung war das negative Bild, dass die "Equipe Tricolore" bei der WM in Südafrika abgab. Nationaltrainer Raymond Domenech hatte nach der 1:2-Niederlage gegen Südafrikaseinem Gegenüber Carlos Alberto Parreira den Handschlag verweigert. Im vorausgegangenen Spiel gegen Mexiko (0:2) hatte Stürmer Nicolas Anelka seinen Trainer aufs Übelste beschimpft."Als Erziehungsminister muss ich sagen, dass das Verhalten unserer Mannschaft und das Verhalten des Trainers alle Erzieher in Frankreich geschockt haben dürfte", so Chatel.

Niederlande-Stürmer Robin van Persie hat sich eigenen Angaben zufolge für sein Verhalten im Achtelfinale bei der Mannschaft, den Trainern und Betreuern entschuldigt. Beim 2:1-Sieg gegen die Slowakei hatte er bei Trainer Bert van Marwijk gegen seine Auswechslung protestiert. Lippenleser sollen nach Informationen des niederländischen Fernsehsenders "NOS" die Worte "du musst Sneijder rausnehmen" erkannt haben. Van Persie bestreitet das. "Ich habe auf der Mannschaftssitzung die Probleme gelöst und deutlich gemacht, dass nichts die Vorbereitung auf das WM-Viertelfinale gegen Brasilien stören darf", sagte van Marwijk. Die Probleme seien aus der Welt geschaffen worden.

Uruguay muss in seinem Viertelfinale am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Ghana auf Diego Godin verzichten. Der Verteidiger fällt wegen einer Oberschenkelverletzung, die er im Achtelfinale gegen Südkorea (2:1) erlitten hatte, aus. "Er ist noch nicht vollständig fit. Deshalb wird er nicht im Team stehen", sagte Nationaltrainer Oscar Tabarez. Für Godin rückt Mauricio Victorino in die Startelf der Südamerikaner.

hut/jok/sid/dpa/Reuters