WM-Playoffs Frankreich mit der Wut der Verzweiflung

Frankreich bangt um die WM-Teilnahme in Brasilien. Damit die Equipe Tricolore im kommenden Sommer nicht zum Zuschauen verdammt ist, muss im Playoff-Rückspiel gegen die Ukraine ein deutlicher Sieg her. Die Vorzeichen für das Team um Superstar Franck Ribéry stehen denkbar schlecht.

REUTERS

Hamburg - "Alarmstufe Rot" titelte die französische Sportzeitung "L'Equipe" nach Frankreichs 0:2-Hinspielniederlage in den WM-Playoffs gegen die Ukraine. Zwei Worte, die die Situation der Grande Nation auf den Punkt bringen. Gelingt im Rückspiel (21 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) kein kleines Fußball-Wunder, dann bleibt Frankreich erstmals seit 1994 nur die Zuschauerrolle bei einer WM-Endrunde.

Das wäre eine "unvorstellbare Katastrophe für das ganze Land", beschreibt Bayern-Profi Franck Ribéry das Schreckensszenario der Franzosen. 20 Jahre nach dem 1:2 gegen Bulgarien, das die Teilnahme an der WM in den USA kostete, steht der Offensivkünstler dabei unter besonderem Druck.

Ganz Frankreich erwartet von ihm, dass er den entscheidenden Unterschied im Duell mit der Ukraine macht und die Equipe Tricolore nach Brasilien führt. Im Hinspiel ist das nicht gelungen. Ganz im Gegenteil. Ribéry musste sich fast durchgängig zweier Gegenspieler erwehren, wurde oft gefoult und bekam kaum Zugriff auf das Spiel.

Deschamps beschwört sein Team

Die öffentliche Kritik war anschließend groß: "Er hat gesagt, er fühlt sich so stark wie nie zuvor, aber wir haben ihn schwach wie selten gesehen. Er war machtlos und konnte seinen Status als Retter nicht bestätigen. Man muss aber von ihm erwarten, dass er der Chef dieser Mannschaft ist", schrieb die "L'Equipe".

Eine Aufgabe, die Europas Fußballer des Jahres auch im Rückspiel vor große Probleme stellen dürfte. Zwar muss mit Artjom Fedezki sein ärgster Bewacher wegen einer Gelb-Sperre pausieren, und mit Alexander Kutscher (Gelb-Rot-Sperre) fehlt ein weiterer Stammspieler in der ukrainischen Abwehr. An der taktischen Ausrichtung, Ribéry durch permanente Dopplung aus dem Spiel zu nehmen, wird sich dadurch aber wohl nichts ändern.

Aufgegeben hat sich Frankreich trotz der miserablen Ausgangslage aber noch lange nicht: "Keiner von uns zieht die Möglichkeit in Erwägung, dass wir nicht nach Brasilien fahren. Wir werden Siegeswut haben", verkündete Mathieu Valbuena. Im Hinspiel nur zweite Wahl und erst spät eingewechselt, könnte der kleine Mittelfeldspieler von Olympique Marseille nun für Samir Nasri in die Startelf rücken.

Nasri enttäuschte in Kiew ebenso wie Ribéry, im Gegensatz zum Bayern-Profi hat der Spieler von Manchester City aber keine Stammplatzgarantie unter Frankreichs Trainer Didier Deschamps. "Ich werde Entscheidungen treffen müssen, ich werde jene einsetzen, die meiner Meinung nach die Geeignetsten für das Spiel sind", kündigte Deschamps an.

Ukraine seit einem Jahr unbesiegt

Für den Coach geht es dabei um mehr als die WM-Teilnahme. Bei seinem Amtsantritt 2012 hatte er angekündigt, bei einem Scheitern in der Qualifikation zurückzutreten. Entsprechend eindringlich beschwor er seine Spieler vor dem Rückspiel. "Wir müssen daran glauben, wirklich daran glauben, wenn wir die Dinge noch drehen wollen."

Um die WM-Teilnahme noch zu schaffen, müsste Frankreich allerdings schon Historisches vollbringen. Noch nie hat ein Team in einem WM-Ausscheidungsspiel einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen können. Dazu kommt, die Ukraine ist seit einem Jahr ungeschlagen und seit acht Spielen ohne Gegentor.

Falls Frankreich das erhoffte Fußball-Wunder nicht schaffen sollte, bietet sich zumindest schon eine nützliche Alternativbeschäftigung für das Deschamps-Team an. In einem Internet-Schnäppchenportal haben Spaßvögel die Equipe Tricolore für Garten- und Hausarbeiten im WM-Monat Juni 2014 zur Versteigerung ausgeschrieben. Mindestgebot: ein Euro.

mib



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
think_different 19.11.2013
1. Braucht die WM Frankreich?
Ein Team gespikt mit tollen Spielern, Top-Spieler in vielen europaischen Ligen, erreicht nur durch ein Handtor die WM und zeigt dann zuerst katastrophale Leistungen auf dem Spielfeld und ein indiskutables Auftreten neben dem Spielfeld. Das war Frankreich in Südafrika. Warum sollte es in Brasilien anders sein? Sollte es Frankreich nicht schaffen (wie 1990,1994) so wird es wohl der Qualität der WM nicht schaden.
Aha!11!eins 19.11.2013
2. optional
Die französischen Nationalspieler spielen seit Jahren allesamt in den Topligen bei Topvereinen. Einzig die Nationaltrainer Frankreichs waren bisher nicht in der Lage daraus ein Team zu bilden, was Taktik, Kampf, Spielfreude und vor allem Teamgeist enthält. Ich denke nicht, dass es die Franzosen schaffen werden, trotz aller Sympathie.
kölschejung72 19.11.2013
3. Ribery
Dass der ein super Spieler ist wissen wir. Wir wissen aber auch, dass der allein, wenn er gedoppelt wird, oftmals nichts zustande bringt. So in den beiden Spielzeiten als Dortmund Meister wurde. Da galt Ribery und Robben doppeln und die gefürchtete Stärke fiel aus. Heute ist Ribery so stark, weil die Bayern so variabel Spielen, dass doppeln nicht mehr funktioniert. Dann schiessen die anderen eben umso leichter Tore. Aber wenn Frankreich da in der Breite nicht mehr anzubieten hat, wird das nichts mit der Qualifikation.
crunchy_frog 19.11.2013
4.
Nach dem Hand-Betrug und dem peinlichen Auftreten der Franzosen bei der letzten WM kann ich nur hoffen, dass die Ukraine nach dem heutigen Abend ungeschlagen bleibt. Die wären mir bei der WM deutlich lieber als dieser Haufen von arroganten Diven.
ironbutt 19.11.2013
5. drittklassig
Man darf Frankreich nicht überschätzen: die Zuschauerzahlen liegen im Schnitt bei einem Drittel dessen, was wir aus Deutschland kennen und das Spielniveau in der D1 ist nicht mit der 1. Bundesliga vergleichbar.
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