WM-Playoffs Türken wittern Komplott, Tschechen protestieren

An Samstag beginnt der Kampf um die letzten europäischen Plätze bei der Weltmeisterschaft 2006. Schon im Vorfeld der Playoffspiele schlagen die Emotionen hoch, vor allem vor der Partie Schweiz gegen die Türkei. Und die Tschechen wollten erst gar nicht in Norwegen antreten.


Hamburg - "Seit Wochen werden nur Lügengeschichten über uns erzählt", echauffiert sich der türkische Nationaltrainer Fatih Terim vor dem Hinspiel in der Schweiz in Bern (20.45 Uhr). Die türkischen Medien spekulieren bereits über ein "Komplott" des in der Schweiz ansässigen Fußball-Weltverbandes Fifa. Das vermeintliche Indiz: Die Fifa hat den für das Rückspiel am Mittwoch in Istanbul vorgesehenen spanischen Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo kurzfristig durch den Belgier Frank de Bleeckere ersetzt.

Tscheche Nedved: "Mit ihm noch stärker"
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Tscheche Nedved: "Mit ihm noch stärker"

Trotzdem gehen die Türken mit großem Selbstvertrauen in die Partie. "Wir werden die Sache im Hinspiel erledigen", tönt Stürmerstar Hakan Sükür. Trainer Termin schlägt noch markigere Töne an. "Wir werden zur WM nach Deutschland fahren. Und bekanntlich ist der Weg dorthin von der Schweiz über die Alpen am kürzesten." Doch den Coach plagen Personalsorgen. Emre und der Schalker Hamit Altintop sind gesperrt. Neben Yildiray Bastürk von Hertha BSC Berlin und dem Dortmunder Nuri Sahin fehlen Hakan Sas, Tolga Seyhan und Ibrahim Akin verletzt.

Im Schweizer Team sind die Einsätze von Kapitän Johann Vogel und Bpris Smiljanic fraglich. Raphael Wicky (Hamburger SV) ist gesperrt. "Der Druck ist schon erheblich", sagt Stürmer Alexander Frei, "das ganze Land setzt große Erwartungen in uns". Doch Frei ist optimisch, dass die Schweiz erstmals seit 1994 wieder den Sprung in die WM-Endrunde schaffen kann, "wenn wir im Hinspiel ein Polster schaffen können".

Auch die Spanier stehen gegen die Slowakei (22 Uhr, Madrid) unter großem Druck. "Wir können es uns nicht leisten, auszurutschen", sagte Kapitän Raul. "Unser Prestige steht auf dem Spiel." Seit dem Scheitern in den Playoffs gegen Jugoslawien 1974 waren die Spanier bei jeder WM am Start, diese Serie gilt es zu verteidigen. "Ich glaube, dass wir 3:0 oder 4:0 gewinnen können", glaubt Nachwuchsstar José Antonio Reyes.

Doch diese Vollmundigkeit scheint die rechte Motivationshilfe für die slowakischen Außenseiter zu sein. "Die haben Angst vor uns", sagt Kapitän Miroslav Karhan vom VfL Wolfsburg. "Auch die Russen haben so getönt, am Ende hatten sie gar nichts", erinnert Karhan an die Gruppenphase. Der slowakische Trainer muss zwar ohne seinen verletzten Top-Stürmer Marek Mintal (1. FC Nürnberg) antreten, will sich aber davon nicht beirren lassen. "Wir sind so weit gekommen, also sind wir auch in der Lage, die letzte Hürde zu nehmen".

Schlammwüste in Oslo

Trubel gab es vor dem dritten Spiel zwischen Außenseiter Norwegen und Tschechien (19.30 Uhr). Weil der Rasen im Osloer Ulleval-Stadion vom Regen in eine Schlammwüste verwandelt worden war, hatte die tschechische Delegation bei der Fifa vorsorglich Protest eingelegt. Denn bei der Platzbesichtigung "haben wir einen richtigen Schreck bekommen", sagte Kapitän Tomas Galasek. Mittlerweile hat aber die königlich norwegische Garde den Rasen mit Sand bearbeitet und bespielbar gemacht.

Bei Tschechien ruhen die Hoffnungen auf Pavel Nedved von Juventus Turin, der seit der EM 2004 nicht mehr für sein Land gespielt hat. "Wir haben eine starke Mannschaft, die mit Pavel noch stärker geworden ist", betonte Trainer Karel Brückner. Allerdings muss er auf die verletzten Stürmer Jan Koller (Borussia Dortmund) und Vratislav Lokvenc (Red Bull Salzburg) verzichten. Tschechien strebt seine erste WM-Teilnahme nach 1990 an.



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