Verpasste WM-Qualifikation der USA Arenas Werk und Klinsmanns Beitrag

Sieben Mal in Folge waren die USA bei Fußballweltmeisterschaften dabei. Dass das Team nun hinter Mexiko, Costa Rica, Panama und Honduras landete, liegt nicht nur an Trainer Bruce Arena - sondern auch an seinem deutschen Vorgänger.
Enttäuschter US-Star Christian Pulisic

Enttäuschter US-Star Christian Pulisic

Foto: AFP

Die Aufgabe klang machbar. Der US-Fußballnationalmannschaft hätte im letzten WM-Qualifikationsspiel in Trinidad und Tobago schon ein Unentschieden für die Reise 2018 nach Russland gereicht. Ein Punkt beim Tabellenletzten. Einem Team, das die vergangenen sechs Qualifikationsspiele verloren hat. Seit neun Partien sieglos ist. "Win and you're in", lautete das Motto für die USA. Was sollte schon passieren?

Es ist das passiert, was trotz der bislang wenig überzeugenden Leistungen in der Qualifikation kaum jemand in den USA für möglich gehalten hat. Die Amerikaner verloren nach einer lustlosen Vorstellung 1:2. Zeitgleich gewann Panama 2:1 gegen Costa Rica und qualifizierte sich erstmals für eine WM. Honduras sicherte sich dank eines 3:2 gegen Mexiko den Playoff-Platz und machten die USA somit erstmals seit 1986 zu WM-Touristen.

"Wir müssen bei niemand anderem die Schuld suchen, außer bei uns selbst", sagt Jozy Altidore. Der Stürmer lehnte sich gegen eine graue Wand in den Katakomben des Ato Boldon Stadiums in Couva. Er sprach leise und versuchte, das in Worte zu fassen, was einfach nicht in Worte zu fassen war.

US-Trainer Bruce Arena

US-Trainer Bruce Arena

Foto: LUIS ACOSTA/ AFP

Die USA sind global gesehen keine große Fußballnation. Aber sie sind zumindest im Concacaf-Verband seit 1990 eine feste Größe gewesen. Der einzige ernsthafte Gegner von Mexiko. Im Sommer 2018 werden sie nun daheim sitzen und im TV sehen, wie Panama bei der WM spielt.

Was nun? Wie geht's weiter? Und wer trägt die Schuld für diesen "riesigen Rückschlag", wie Altidore es nannte? Der erste Blick geht Richtung Bruce Arena. Der Trainer übernahm dann auch die "volle Verantwortung". Doch natürlich ist da auch sein Vorgänger, Jürgen Klinsmann. Er war mit zwei Niederlagen gegen Mexiko und Costa Rica in diese letzte WM-Qualifikationsrunde gestartet und daraufhin entlassen worden.

Klinsmann hatte den Trainerjob im Sommer 2011 übernommen, die USA in Brasilien ins Achtelfinale geführt und sogar vom Halbfinale als Ziel bei der WM in Russland gesprochen. Aber er hatte eben auch Kontinuität vermissen lassen, immer wieder Spieler außerhalb ihrer angestammten Positionen eingesetzt und so das Gehör innerhalb der Mannschaft verloren. Klinsmann kann sich von einer Teilschuld nicht freimachen. Und er war erfahren genug, in der Stunde der Schmach nicht nachzutreten. "Ich habe das Spiel gesehen, möchte aber nichts dazu sagen. Es wäre einfach nicht richtig", sagte Klinsmann der "New York Times".

Jürgen Klinsmann als US-Coach bei einem Spiel 2015

Jürgen Klinsmann als US-Coach bei einem Spiel 2015

Foto: Getty Images

Arena war für viele im Herbst 2016 die logische Übergangslösung. Der ehemalige Nationaltrainer kannte den US-Verband, die Concacaf-Region, war vertraut mit der Major League Soccer, der heimischen US-Liga. Und Arena, so war immer wieder zu hören, hatte ja die USA 2002 ins WM-Viertelfinale geführt. Dass es aber eben auch jener Arena war, der 2006 bei der WM in Deutschland in der Vorrunde scheiterte und gegen Tschechien, Italien und Ghana nur einen Punkt holte, wurde gern übersehen. Und einige seiner Ansichten ("das Gros der US-Nationalmannschaft sollte aus Spielern der Major League Soccer bestehen") hätten bereits ein Indiz dafür müssen, dass Arena nicht mehr zeitgemäß ist.

Beim 1:2 in Trinidad und Tobago waren dann tatsächlich neun der eingesetzten 14 Profis MLS-Spieler - darunter Clint Dempsey (34 Jahre) und Torwart Timo Howard (38). Dass beide trotz ihres Alters immer noch unverzichtbar sind, sagt einiges über den Talente-Level aus. Bis auf Christian Pulisic von Borussia Dortmund gibt es keinen im Kader, der international überdurchschnittliches Niveau erreicht.

Dass die USA 2018 daheim bleiben, hat nicht nur sportliche Konsequenzen, sondern auch wirtschaftliche. Fox hatte sich für 400 Millionen Dollar die englischsprachigen Übertragungsrechte der Turniere 2018 und 2022 gesichert. Anstatt mindestens drei US-Spiele mit Millionen Zuschauern vor den TV-Geräten zu haben, muss der TV-Sender nun einen Weg finden, die Amerikaner so für ihr Produkt zu interessieren, dass sie trotzdem einschalten werden. Eines ist jedoch bereits klar: 25 Millionen wie vor drei Jahren werden definitiv nicht gucken. Auch die Fifa wird sich ärgern. Bei der WM in Brasilien kamen die zweitmeisten Ticketbestellungen aus den USA. Nur die Gastgeber hatten mehr.

"Wir haben eine ganze Nation enttäuscht", sagt Verteidiger Omar Gonzalez. Nun, die Enttäuschung ist überschaubar. Denn das Gros der rund 323 Millionen US-Amerikaner wusste gar nichts von diesem Match. Die wichtigste Partie der Fußballnationalmannschaft seit 1989 wurde auf dem Spartenkanal beIN Sports gezeigt, die Kommentatoren waren gar nicht erst in den Austragungsort Couva mitgereist, sie kommentierten aus den USA.

Für das Gros der Amerikaner wird das Verpassen der WM eine Randnotiz bleiben - vorerst. Derzeit gibt es die MLB-Playoffs, kommende Woche beginnt die NBA-Saison - und am Sonntag werden wieder um die 30 Millionen vor den TV-Geräten sitzen und NFL gucken. Soccer ist auch 2017 in den USA kein Tagesthema, sondern weckt - vergleichbar mit den Olympischen Spielen - nur alle vier Jahre das Interesse. Und so werden sich erst im Juni viele Leute zwischen Connecticut und Kalifornien wundern, dass da in Russland die Fußball-WM ausgespielt wird - und Team USA gar nicht dabei ist.

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