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12. Oktober 2012, 22:52 Uhr

WM-Qualifikation

Deutschland feiert Kantersieg gegen Irland

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Was für ein Erfolg! Die deutsche Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation gegen Irland einen 6:1-Kantersieg gefeiert. Die Diskussionen um mangelnden Teamgeist und die schwächelnde Abwehr dürften damit fürs Erste beendet sein.

Hamburg - Viel war in den Tagen vor der WM-Qualifikationspartie gegen Irland über die anfällige deutsche Abwehr und den mangelnden Teamgeist in der DFB-Elf diskutiert worden. Hält die Viererkette stand? Ist Marcel Schmelzer der richtige Mann für die linke Seite? Jubeln die Ersatzspieler genug? Diese Diskussionen dürften nun beendet sein - zumindest fürs Erste.

Beim 6:1 (2:0)-Auswärtssieg in Dublin präsentierte sich die deutsche Nationalmannschaft als Einheit, die Defensive stand stabil, und auch der zuletzt arg in die Kritik geratene Schmelzer zeigte eine solide Leistung. Mann des Abends aus deutscher Sicht war aber Marco Reus. Der BVB-Profi sorgte mit seinen beiden Toren (32./40. Minute) schon vor der Pause für die Vorentscheidung. "Wir haben uns viel vorgenommen. Wir haben von Anfang an die Kontrolle gehabt über das Spiel. Vor allem das erste und zweite Tor hat uns dann viel Sicherheit gegeben", sagte Reus. Mesut Özil per Foulelfmeter (53.) und Miroslav Klose (58.) erhöhten nach der Pause, bevor Toni Kroos ebenfalls mit einem Doppelpack traf (61./83.). Den Ehrentreffer der Iren erzielte Andrew Keogh in der Nachspielzeit (90+2).

Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich nach der Partie sichtlich zufrieden: "Die Mannschaft ist von Beginn an konzentriert zu Werke gegangen, das war auch schon die ganze Woche im Training zu bemerken. Wenn wir den Ball gewonnen hatten, haben wir schnell nach vorn gespielt und die richtige Balance gefunden. Wir haben auch in dieser Höhe verdient gewonnen."

Deutschland hat mit dem dritten Sieg im dritten Spiel die Führung in der Qualifikationsgruppe C souverän verteidigt (neun Punkte). Auf Rang zwei folgt Schweden (sechs). Der nächste Gegner der deutschen Nationalmannschaft hatte am Abend mit viel Mühe gegen die Färöer gewonnen.

Irland startet engagiert, Reus trifft

Die Voraussetzungen vor der Partie waren für Löw nicht optimal. Er musste seine Abwehr im Vergleich zum Sieg gegen Österreich erneut umbauen. Für den gelbgesperrten Kapitän Philipp Lahm rückte Jérôme Boateng auf die Position des rechten Verteidigers, in der Innenverteidigung ersetzte Per Mertesacker den verletzten Mats Hummels. Aber auch Irlands Nationaltrainer Giovanni Trapattoni hatte mit Ausfällen zu kämpfen. Gleich sechs Stammspieler konnten verletzungsbedingt nicht auflaufen. Im Nachhinein dürfte Trapattoni der Ausfall von Robbie Keane besonders geschmerzt haben.

Ohne den Kapitän und Rekordtorschützen fehlte dem Gastgeber in der Offensive über weite Strecken die Durchschlagskraft. Die meisten Angriffe blieben mangels Anspielstationen bereits im Mittelfeld hängen, endeten mit Fehlpässen oder teils planlos wirkenden Flanken aus dem Halbfeld. Der als Ersatz für Keane ins Team gerutschte Jon Walters war mit seiner Aufgabe im Sturmzentrum sichtlich überfordert.

Dabei starteten die Iren engagiert ins Spiel. Von Ehrfurcht oder gar Angst vor dem Favoriten aus Deutschland war zunächst nichts zu sehen. Ihre Bemühungen wären fast von Erfolg gekrönt gewesen. Nach einem Pass aus dem Halbfeld konnte Boateng den Ball gerade noch vor dem heranstürmenden Walters klären (15.). In der 30. Minute sorgte dann eine Entscheidung des italienischen Schiedsrichters für Unmut im deutschen Lager. Nicola Rizzoli zeigte Reus nach einer vermeintlichen Schwalbe die Gelbe Karte, nachdem Reus im irischen Strafraum von seinem Gegenspieler am Trikot gezogen worden war.

Özil, Klose und Kroos legen nach

Nur wenige Sekunden später stand Reus dann wieder im Mittelpunkt: Nach Vorarbeit von Schmelzer traf der 23-Jährige aus kurzer Distanz zum 1:0. Irland wirkte nach dem Rückstand sichtlich angeschlagen. Deutschland nutzte die vorübergehende Unsortiertheit des Gegners, um direkt den zweiten Treffer nachzulegen. Nach einem schnell vorgetragenen Konter war es erneut Reus, der mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze vollendete (40.).

Zur Pause musste Sami Khedira wegen einer Muskelverhärtung im linken Oberschenkel ausgewechselt werden. "Es ist nichts gerissen. Man muss jetzt die nächsten Tage abwarten, wie der Heilungsprozess verläuft. Wir haben es rechtzeitig geschafft, ihn rauszunehmen, ehe da etwas kaputtgeht", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie.

Nach dem Seitenwechsel rannten die Iren zunächst an, ohne allerdings für Gefahr sorgen zu können. Deutschland beschränkte sich aufs Kontern. Mit Erfolg: Nach einem Foul an Klose im irischen Strafraum verwandelte Özil den fälligen Strafstoß zum 3:0. Die Gastgeber stellten anschließend die Gegenwehr fast komplett ein. Von den anfangs so kämpferischen Iren war nicht mehr viel übrig geblieben. Deutschland dagegen drängte auf weitere Treffer. Der nächste gelang Klose. Der Stürmer von Lazio Rom umkurvte Irlands Torhüter Keiren Westwood und schob aus spitzem Winkel zum 4:0 ein (58.).

Nur drei Minuten später musste Westwood erneut hinter sich greifen. Kroos verwertete einen Abpraller von der Strafraumgrenze per sehenswertem Volley zum nächsten deutschen Treffer. In der 83. Minute durfte Kroos dann genau wie Reus über sein zweites Tor des Abends jubeln. Mit einem Distanzschuss aus gut 19 Metern ließ er Westwood erneut keine Chance. Kurz vor dem Abpfiff gelang den Iren nach einer Ecke der Ehrentreffer durch Keogh.

Irland - Deutschland 1:6 (0:2)
0:1 Reus (32.)
0:2 Reus (40.)
0:3 Özil (55. Foulelfmeter)
0:4 Klose (58.)
0:5 Kroos (61.)
0:6 Kroos (83.)
1:6 Keogh (90.+2)
Irland: Westwood - Coleman, O'Shea, O'Dea, Ward - McCarthy, Andrews, Fahey (ab 52. Long) - McGeady (ab 69. Keogh), Walters, Cox (ab 84. Brady)
Deutschland: Neuer- Boateng, Mertesacker, Badstuber, Schmelzer - Khedira (ab 46. Kroos), Schweinsteiger - Müller, Özil, Reus (ab 66. Podolski) - Klose (ab 72. Schürrle)
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: O'Dea, Long - Reus, Badstuber

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