WM-Qualifikation in Österreich Deutschland gegen Bundesliga

Bundestrainer Joachim Löw ist sich vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich sicher: Es wird "eine Partie auf Augenhöhe". Beim deutschen Nachbarn stehen wohl neun Bundesliga-Spieler in der Startaufstellung. Und dann ist da noch das Irrationale des österreichischen Fußballs.

Aus Wien berichtet


Immer wieder lobte Bundestrainer Joachim Löw die "Ordnung, Strategie, das Umschaltspiel" der österreichischen Nationalmannschaft. Im kleinen, stickigen Presseraum des Ernst-Happel-Stadions steigerte sich Löw in einen Lobgesang, man musste sich schon fast ein wenig Sorgen machen, dass er sich nicht gleich ein ÖFB-Trikot überziehen würde. Löws Sympathie mit dem deutschen Nachbarn mündete darin, dass er für den Dienstagabend (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine "Partie auf Augenhöhe" prognostizierte.

Der Bundestrainer hat sicherlich nicht unrecht, wenn er eine positive Entwicklung im österreichischen Team beschreibt. Seitdem Marcel Koller, der ehemalige Trainer des 1.FC Köln und VfL Bochum, den Posten übernommen hat, wirkt die Mannschaft wesentlich geschlossener, kompakter, zielstrebiger.

Ein solches Desaster wie bei der 2:6-Pleite gegen Deutschland vor fast genau einem Jahr in Gelsenkirchen wird der Koller-Mannschaft sicher nicht mehr passieren. Dafür werden auch die Österreicher mit Arbeitsplatz in Deutschland sorgen: Neun Spieler, die in der deutschen Bundesliga aktiv sind, werden voraussichtlich in der Startaufstellung der Österreicher stehen.

Mehr Bundesliga-Spieler im ÖFB-Team als bei Deutschland

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DFB vs. Österreich: Zittern vor den Irrationalen
Die DFB-Auswahl wird wohl wie beim 3:0-Sieg gegen die Färöer ohne Lukas Podolski, dafür mit Marco Reus auf der linken Seite auflaufen, dazu mit Toni Kroos für Mario Götze sowie Marcel Schmelzer auf der linken Abwehrseite. Holger Badstuber kehrt dann zurück in die Innenverteidigerposition, Per Mertesacker wird wohl auf der Bank Platz nehmen müssen. Konsequenz: Österreich spielt womöglich mit einem Bundesliga-Spieler mehr in der Startformation als Deutschland. Denn beim DFB sind Miroslav Klose (Lazio Rom), Mesut Özil und Sami Khedira (beide Real Madrid) gesetzt.

Doch ist dies Indiz genug, um den Vergleich mit dem österreichischen Team zu einem "echten Härtetest" auszurufen? Löw tut dies jedenfalls. Er verweist auch noch mal darauf, dass Österreich seit vier Spielen ungeschlagen ist, zuletzt auch gegen die Türkei und die Ukraine gewonnen hat.

Allerdings war diese Mannschaft nicht für die EM qualifiziert, kein einziger der hoch gelobten österreichischen Spieler ist in seinem Verein der Star, keiner hat bislang irgendeinen großen Titel geholt. Der Linksverteidiger Christian Fuchs, der auf Schalke als solider Flankenläufer und -schläger gilt, ist schon eines der prägnantesten Gesichter und zudem Kapitän des ÖFB-Teams.

Österreich seit 34 Jahren ohne Pflichtspielsieg gegen Deutschland

Zudem gibt es immer wieder Unruhe in Kollers Team: Mal streitet sich der Schweizer Trainer mit Abwehrspieler Paul Scharner, der daraufhin das Team verlassen muss. Dann gibt es Ärger um den Salzburger Franz Schiemer, der zuletzt ein Länderspiel gegen die Ukraine schwänzte, um stattdessen auf dem Landgut von Red-Bull-Mäzen Dietrich Mateschitz Hochzeit zu feiern. Der Verteidiger Aleksander Dragovic sowie Angreifer Guido Burgstaller hingegen stritten sich in den vergangenen Monaten mit Wachmännern und Polizisten. Ein konstruktives Arbeiten sieht wohl tatsächlich ein wenig anders aus.

Deshalb sind Löws Warnhinweise vor der vermeintlichen neuen Übermacht aus Österreich, die schon seit Córdoba 1978 in keinem Pflichtspiel gegen Deutschland gewinnen konnte, wohl auch anders zu deuten. Es wirkt eher, als wolle der Bundestrainer mit aller Macht verhindern, dass schon vor dem ersten ernstzunehmenden Qualifikationsspiel eine zu hohe Erwartungshaltung an seine Mannschaft herangetragen wird.

"Bei der EM hatten wir eine extreme Fallhöhe. Nach dem Aus gegen Italien war es dann umso härter", sagt Löw. Eine Niederlage gegen Österreich würde alle Nach-EM-Diskussionen um fehlende Führungsspieler und unzureichende Spielsysteme wieder aufkochen lassen. "Wir sind uns bewusst, dass der Druck da ist", sagt Löw.

Löw musste österreichische Unberechenbarkeit am eigenen Leib spüren

Der DFB-Coach will diesem begegnen, indem sein Team die Österreicher erst gar nicht ins Spiel finden lassen soll. Das fehlende frühe Pressing, das Löw als einen Hauptaspekt für das EM-Aus festgemacht hat, soll im Ernst-Happel-Stadion von der ersten Minute an funktionieren. Zudem wird Löw seine Mittelfeldausrichtung wohl verändern und wieder auf einen zweiten, defensiveren Mittelfeldspieler bauen, der die Deckung mit stabilisieren soll.

Eigentlich sollte dies reichen, damit sich die deutlich bessere individuelle und taktische Qualität des DFB-Teams durchsetzt und das deutsche Team den zweiten Sieg im zweiten Qualifikationsspiel einfahren kann.

Doch Löw ist sich auch bewusst, dass der österreichische Fußball die Überraschungen, das Irrationale liebt, es förmlich anzieht. Diese österreichische Unberechenbarkeit hat er sogar schon einmal am eigenen Leib gespürt. 2004 wurde er als Trainer von Austria Wien entlassen.

Löw war damals Tabellenführer und Favorit auf die Meisterschaft.

Österreich - Deutschland in Wien (20.30 Uhr)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Österreich: Almer - Garics, Pogatetz, Prödl, Fuchs - Baumgartlinger, Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz - Harnik
Deutschland: Neuer - Lahm, Badstuber, Hummels, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus - Klose
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
ecl 11.09.2012
1. Hoffentlich nicht mit Kroos!
Warum soll Deutschland auf einen Spieler Götze verzichten? Dadurch macht man Österreich erst stark. Kroos kann kommen, wenn Götze kaputt ist. Kroos als Arbeiter? Da ist Großkreutz besser. Kroos als Zweikämpfer? Dazu ist er zu nickelig und schnell rotgefärdet. Kross ist darüber hinaus zu phlegmatisch und kann keine Mannschaft mitreißen. Leider sieht Löw vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr!
caligula4ever 11.09.2012
2. Wie kann man sich vor einer Mannschaft in die
Hosen machen, die einen Pogatetz und Prödl in ihren Reihen hat. Mit der Maultasche als Trainer werden wir nie einen Titel holen.
dig 11.09.2012
3.
Zitat von eclWarum soll Deutschland auf einen Spieler Götze verzichten? Dadurch macht man Österreich erst stark. Kroos kann kommen, wenn Götze kaputt ist. Kroos als Arbeiter? Da ist Großkreutz besser. Kroos als Zweikämpfer? Dazu ist er zu nickelig und schnell rotgefärdet. Kross ist darüber hinaus zu phlegmatisch und kann keine Mannschaft mitreißen. Leider sieht Löw vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr!
Die armen Spieler, gehen einfach kaputt! Und das soll gesund sein?
blurps11 11.09.2012
4.
Zitat von eclWarum soll Deutschland auf einen Spieler Götze verzichten? Dadurch macht man Österreich erst stark. Kroos kann kommen, wenn Götze kaputt ist. Kroos als Arbeiter? Da ist Großkreutz besser. Kroos als Zweikämpfer? Dazu ist er zu nickelig und schnell rotgefärdet. Kross ist darüber hinaus zu phlegmatisch und kann keine Mannschaft mitreißen. Leider sieht Löw vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr!
Na immerhin sieht er überhaupt was, u.a. dass das Vollstopfen der Elf auf dem Platz mit möglichst vielen Offensivspielern bestenfalls gegen die Faröer gutgeht und selbst bei Mittelklassegegnern wie den Ösis völliger Blödsinn wäre. Einige Spezialisten hier im Forum würden ja am liebsten mit fünf Stürmern und noch drei OMs dazu spielen lassen...um sich sich dann umso lauter über die anfällige Defensive mokieren.
Stelzi 11.09.2012
5. Nanu?
Zitat von sysopDPABundestrainer Joachim Löw ist sich vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich sicher: Es wird "eine Partie auf Augenhöhe". Beim deutschen Nachbarn stehen wohl neun Bundesliga-Spieler in der Startaufstellung. Und dann ist da noch das Irrationale des österreichischen Fußballs. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,855061,00.html
oje, ist die gesamte DFB Auswahl etwa krank?
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