WM-Qualifikation Die Angst vor dem Aus

Siegen oder fliegen: Für die französische Nationalelf geht es in Litauen um Punkte in der WM-Qualifikation, für Trainer Raymond Domenech wohl um seinen Job. Er ist nicht der einzige Coach, dem die Entlassung droht. Auch in Rumänien und Portugal stehen die Trainer unter Erfolgsdruck.


Hamburg - In den 20 WM-Qualifikationsspielen, die am Wochenende in Europa ausgetragen werden, geht es für drei Trainer möglicherweise schon um ihren Arbeitsplatz. Raymond Domenech steht in Frankreich unter Druck, während Victor Piturca in Rumänien und Carlos Queiroz in Portugal auf der Kippe stehen.

Frankreich-Stürmer Henry (l.), Trainer Domenech: Hoffen auf Tore des Angreifers
AFP

Frankreich-Stürmer Henry (l.), Trainer Domenech: Hoffen auf Tore des Angreifers

So muss Domenech mit Vize-Weltmeister Frankreich in Litauen gewinnen, um die Diskussionen um seine Person vorerst verstummen zu lassen. Denn nach dem Ausflug des Teams in einen Vergnügungspark hagelte es Spott für die "Disneyland-Fußballer" und ihren Trainer. "Was für eine drollige Vorbereitung", schrieb die Zeitung "Le Parisien". Domenech wird seit dem Vorunden-Aus bei der EM im vergangenen Jahr in den Medien heftig kritisiert. Auch der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet angesichts von fünf Punkten Rückstand auf Litauen und Serbien. Einer Umfrage zufolge glauben mittlerweile 53 Prozent der Franzosen an ein Scheitern ihrer Equipe Tricolore.

"Wenn es so kommen würde, wäre es skandalös", sagte Mittelfeldspieler Franck Ribéry. Außer auf den Bayern-Profi hofft Domenech vor allem auf Tore von Thierry Henry, der zuletzt beim FC Barcelona überzeugt hat und wohl als einzige Spitze auflaufen wird, da Sturmpartner Nicolas Anelka (FC Chelsea) verletzt ausfällt.

In der Gruppe 7 liegt auch Rumänien mit nur vier Punkten aus drei Spielen hinter den Erwartungen zurück, weshalb es für Trainer Piturca bei einer Niederlage gegen Serbien eng werden könnte. Vor seinem Debüt steht Maximilian Nicu (Hertha BSC), der diese Woche die rumänische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. "Ich weiß nicht, ob es das Schicksalsspiel für den Trainer ist, aber es ist schon ein sehr wichtiges Duell. Für mich ist es eine große Ehre für Rumänien zu spielen. Aber bitte erwartet nicht, dass ich der Messias bin", sagte Nicu.

In Portugal ist das Murren über die Vorstellungen der Mannschaft unter Trainer Queiroz und Platz vier in Gruppe 1 deutlich zu vernehmen. Nur ein Sieg gegen Schweden könnte dem Nachfolger des erfolgreichen und beliebten Felipe Scolari etwas Ruhe verschaffen. "Wir müssen wieder den Portugal-Stil spielen - attraktiven, schnellen und modernen Fußball", forderte der Coach. Das 2:6 im Testspiel gegen Brasilien zeigte jedoch, dass der Vize-Europameister von 2004 Probleme mit der Umsetzung hat. "Das Team ist nicht gefestigt, weil die Ergebnisse zuletzt nicht so waren, wie wir es wollten", sagte Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Der Bremer Hugo Almeida wird wohl von Beginn an stürmen.

In der Deutschland-Gruppe 4 reist Trainer Berti Vogts mit Aserbaidschan nach Russland. Doch statt sich auf das Sportliche zu konzentrieren, musste sich Vogts sich mit einer "Fast-Food-Affäre" herumschlagen. Weil Ilgar Gurbanow in einem Schnellrestaurant gegessen hatte, schmiss der ehemalige Bundestrainer den Türkei-Legionär kurzerhand aus dem Kader. Gurbanow soll zu sehr dem Fast-Food-Essen einer großen amerikanischen Schnellrestaurant-Kette zugesprochen haben. Vogts bemängelte laut "kicker" fehlende Physis bei Gurbanow, weil dieser "die 1000 Meter nicht in fünf Minuten laufen kann. Das schaffe ich sogar." Vogts schloss sogar eine Rückkehr des Leistungsträgers während seiner Amtszeit aus.

Solche Probleme hat Russlands Coach Guus Hiddink nicht. Dafür muss der Niederländer, der in seinem Zweitjob den FC Chelsea zurück in die Erfolgsspur gebracht hat, Fragen zu seiner Zukunft beantworten. "Wir sollten uns auf die WM-Qualifikation konzentrieren", sagte Hiddink. "Wenn wir von Beginn an konzentriert auftreten, gehen wir als Sieger vom Platz. Wenn nicht, warten auf uns 90 schwere Minuten." Hiddink lässt für das Duell gegen Aserbaidschan und die Partie vier Tage später in Liechtenstein seine Aufgaben beim FC Chelsea ruhen. Mit einem Sieg in Moskau soll der Kontakt zu Spitzenreiter Deutschland gehalten werden. Russland weist derzeit vier Punkte Rückstand auf Deutschland auf, hat allerdings ein Spiel weniger absolviert.

Im zweiten Spiel der Gruppe 4 kämpfen Wales und Finnland in Cardiff um den Anschluss an die beiden Top-Teams in der WM-Qualifikation. Außerdem stehen sich Wales und Finnland gegenüber.

mti/sid



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