WM-Qualifikation Finnlands deutscher Angreifer

Mikael Forssell, Stürmer der finnischen Fußball-Nationalmannschaft, liebt es, Tore gegen sein Geburtsland zu schießen.

Von Timo Järviö, Helsinki


Mikael Forssell im Zweikampf mit Deutschlands Rehmer
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Mikael Forssell im Zweikampf mit Deutschlands Rehmer

Helsinki - Den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erlebte Mikael Forssell am 2. Juni dieses Jahres. Da erzielte der 20-jährige Stürmer im Olympiastadion von Helsinki beide Tore für die finnische Fußball-Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland. 2:0 führte Finnland, als Forssell von seinem Teamkollegen Joonas Kolkka angeschossen wurde und so das 3:0 verhinderte. Am Ende retteten die Gäste ein 2:2 und nahmen damit einen wichtigen Punkt in der Qualifikation mit nach Hause.

Deutschen Fußballkennern ist der Name Forssell spätestens seit dem September 1999 ein Begriff. Beim 3:1-Sieg im U21-EM-Qualifikationsspiel in Lahti schlug der damals 18-Jährige den DFB-Nachwuchs fast im Alleingang. Zwei Tore schoss der hoch aufgeschossene Stürmer selbst, für das dritte leistete er die Vorarbeit.

"Der Druck lastet auf den Deutschen"

Am kommenden Wochenende nun wird Mikael Forssell in der Arena AufSchalke zum dritten Mal versuchen, deutschen Fußballern das Leben schwer zu machen. Im letzten Spiel der Europagruppe 9 muss Deutschland gegen Finnland unbedingt gewinnen, um unabhängig vom Ausgang des parallel stattfindenden Spiels der Engländer gegen die Griechen überhaupt noch eine Chance auf die direkte Qualifikation zur Fußball-WM im kommenden Jahr zu haben.

Für die Finnen geht es hingegen "nur" um ein gutes Ergebnis. "Der Druck lastet auf den Deutschen - nicht auf uns", sagt Forssell, der sein Geld beim englischen Premier-League-Club Chelsea London verdient. "Der Spielstil der Deutschen, ihre Manndeckung, liegt mir ausgezeichnet. Es wird viele Situationen Mann gegen Mann geben, und solche Situationen mag ich gern."

Es sind nicht nur die fußballerischen Auseinandersetzungen, der Ursprung der engen Beziehung Forssells zu Deutschland liegt mehr als zwanzig Jahre zurück. Am 15. März 1981 wurde er in Steinfurt nahe Münster geboren und lebte dort zusammen mit seiner Familie anderthalb Jahre lang. Die berufliche Veränderung von Vater Bengt, einem ehemaligen finnischen Ligaspieler, führte die Forssells zunächst nach Schweden. Erst im Alter von vier Jahren zog Mikael mit seiner Familie dann nach Finnland.

Forssell im Qualifikationsspiel gegen Griechenland
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Forssell im Qualifikationsspiel gegen Griechenland

Idole: Matthäus, Klinsmann und Völler

Jahrelang pendelte Bengt Forssell zwischen Finnland und Deutschland, der kleine Mikael freute sich bei der Rückkehr seines Vaters insbesondere auf dessen Mitbringsel. "Jahrelang hat er mir Fußball-Videos mitgebracht", berichtet Forssell junior heute. "Und so habe ich den deutschen Spielstil und die deutschen Stars kennen gelernt. Es war super, ein Video von der WM 1990 zu kriegen, als Deutschland Weltmeister wurde. Matthäus, Klinsmann und Völler waren meine großen Idole." Und dass mit Rudi Völler eines jener Idole jetzt - wenn auch nur als Trainer - sein Gegner ist, findet Forssell einfach "unglaublich. Es war super, als Völler meine Leistung nach dem Spiel in Helsinki gelobt hat".

Aber Forssell trifft in der Nationalmannschaft nicht nur gegen Deutsche gern. Nach dem Unentschieden gegen Rudi Völlers Team steuerte er ein Tor zum 4:1 der Finnen im Freundschaftsspiel gegen Belgien bei. Einen Monat darauf, im September, traf Forssell beim 5:1 gegen Griechenland und dessen neuen Trainer Otto Rehhagel in der WM-Qualifikation erneut zweimal. Vom besten Spiel einer finnischen Nationalmannschaft seit Jahren dürften in Deutschland nur wenige Notiz genommen haben. Am gleichen Abend fand in München das Alptraummatch gegen England statt.

Der Sturmstammplatz bei Chelsea

Das sensationelle Spiel gegen die Griechen blieb Mikael Forssell nicht nur wegen seiner beiden Tore in Erinnerung. Leider verletzte sich der 20-Jährige recht schwer am Knöchel und musste fast drei Wochen pausieren. Erst Ende September konnte er das Training bei Chelsea wieder aufnehmen. "Die Verletzung ist zu einen äußerst unglücklichen Zeitpunkt gekommen", sagt Forssell. "Auf Grund der guten Leistungen in der Nationalmannschaft hätte ich alle Möglichkeit gehabt, endlich einen Stammplatz im Angriff von Chelsea zu packen."

Seit Saisonbeginn hatte der Finne nämlich noch keine Partie für die erste Mannschaft des Clubs aus dem Londoner Südwesten absolvieren dürfen. Neben seiner Verletzung lag das vor allem an der starken Konkurrenz durch den niederländischen Nationalspieler Jimmy Floyd Hasselbaink sowie dessen isländischen Sturmpartner Eidur Gudjohnsen. Am 27. September aber deutete sich eine kleine Wende an.

In der 54. Minute des Uefa-Cup-Rückspiels beim bulgarischen Vertreter Levski Sofia wurde Forssell für den Torschützen Gudjohnsen eingewechselt. Dass der Finne beim 2:0-Sieg Chelseas keinen Treffer beisteuern konnte und seither auch von Team-Manager Claudio Ranieri nicht mehr berücksichtigt wurde, ist für ihn in diesen Tagen sekundär. "Ich bin sehr froh, dass der Heilungsprozess so gut vorangegangen ist, und ich freue mich, dass ich gegen Deutschland spielen kann."

Timo Järviö arbeitet als Sportredakteur für die finnische Tageszeitung "Helsingin Sanomat".

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