WM-Qualifikation Botschaft an Katar – Norwegens Fußballer setzen sich für Menschenrechte ein

In Norwegen wird diskutiert, ob die Fußball-Nationalmannschaft die WM in Katar 2022 boykottieren sollte. Das Team setzte vor dem ersten Qualifikationsspiel ein Zeichen.
Auch Erling Haaland (M.), Stürmer von Borussia Dortmund, beteiligte sich an der Aktion

Auch Erling Haaland (M.), Stürmer von Borussia Dortmund, beteiligte sich an der Aktion

Foto: JON NAZCA / REUTERS

Die norwegische Fußball-Nationalmannschaft hat ihr erstes Qualifikationsspiel zur WM 2022 für eine Botschaft an WM-Gastgeber Katar genutzt. Der neue Kapitän Martin Ødegaard, Borussia Dortmunds Stürmer Erling Haaland und ihre Teamkollegen trugen beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Gibraltar zunächst weiße T-Shirts mit der Aufschrift »Respect – On and off the pitch« (Respekt – auf und neben dem Platz). Später hatten sie bei der Nationalhymne ähnliche Shirts mit dem Schriftzug »Human rights – On and off the pitch« (Menschenrechte – auf und neben dem Platz) an.

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Auch der neue Nationaltrainer Stale Solbakken trug eines der Shirts. »Es geht ein wenig um das, worüber wir gesprochen haben, dass wir einen Fokus auf das legen wollen, was außerhalb des Feldes diskutiert worden ist«, sagte er dem norwegischen Sender TV2. »Ich gehe mit gutem Beispiel voran.« Solbakken hatte bereits vor der Partie verraten, dass er und seine Spieler die Katar-Problematik diskutiert und sich auf eine Aktion verständigt hätten. Laut Ødegaard stand die gesamte Mannschaft dahinter. Alle seien sich einig, dass das, was in Katar passiert sei und passiere, nicht gut sei, hatte der offensive Mittelfeldspieler des FC Arsenal gesagt.

Die Debatte über die umstrittene WM-Vergabe nach Katar läuft seit Wochen in Norwegen. Ende Februar hatte eine Reihe von norwegischen Erstligaklubs das Nationalteam aufgerufen, die WM im Fall einer Qualifikation zu boykottieren. Der norwegische Fußballverband hält am 20. Juni eine Sonderversammlung zur Frage eines WM-Boykotts ab.

Die Fußball-WM 2022 war 2010 an das Emirat vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Nach Recherchen des »Guardian« sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Gastarbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Katars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe.

In den vergangenen Jahren hatte es jedoch immer wieder Recherchen von Medien und Menschenrechtsorganisationen gegeben, die von eklatanten Missständen berichteten. Arbeitern wurde demnach der Lohn nicht gezahlt, es wurden Pässe eingezogen, um sie an der Ausreise zu hindern. Unterkünfte und Arbeitsbedingungen waren prekär, dazu kam es zu den genannten Todesfällen. Angekündigte Reformen setzte Katar den Berichten zufolge bislang nur unzureichend um.

Keine Fifa-Strafe

Am Donnerstag teilte der Weltverband Fifa mit, man werde ob des Protests kein Disziplinarverfahren gegen die norwegische Nationalmannschaft einleiten: »Die Fifa glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben«, hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Äußerung politischer Botschaften war im Weltfußball in den vergangenen Jahren immer wieder ein Streitthema.

ptz/dpa
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