Irlands Nationaltrainer Trapattoni tobt nach "Nacht der Schande"

Die Kritik an Giovanni Trapattoni war schon vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland heftig - nach der 1:6-Klatsche droht dem Italiener endgültig das Aus als irischer Nationaltrainer. Doch "Trap" will sein Amt behalten, trotz seines Alters zeigt er sich äußerst kampfeslustig.
Giovanni Trapattoni: "Wir haben nur die Spieler, die wir haben!"

Giovanni Trapattoni: "Wir haben nur die Spieler, die wir haben!"

Foto: Peter Morrison/ AP

Hamburg - 73 Jahre ist Giovanni Trapattoni alt, doch am späten Freitagabend führte sich der Trainer der irischen Nationalmannschaft auf wie ein Jungspund. Bei der Pressekonferenz nach dem desaströsen 1:6 (0:2) in Dublin gegen Deutschland brachte Trapattoni seine Dolmetscherin beinahe zur Verzweiflung. Mit rotem Kopf sprang der Italiener zwischen den Sprachen hin und her und gestikulierte dabei so heftig, dass seine junge Helferin sogar in Deckung gehen musste. Der Auftritt hatte mitunter Züge der legendären "Flasche leer!"-Wutrede aus seiner Zeit als Bayern-Trainer.

Auch wenn Trapattoni Probleme damit hatte, seine italienischen Emotionen in den Griff zu bekommen, die Botschaft des Trainers war eindeutig: Er bleibt. "Ich war Trainer in vier Ländern und bin dort Meister geworden", sagte er, nachdem ein Journalist ihn gefragt hatte, ob er nicht langsam seine Position überdenken wolle. "Deutschland ist das zweitbeste Team der Welt! Diese Spieler spielen in der Champions League, sie spielen in der Premier League und in den besten deutschen Mannschaften. Männer dieser Qualität haben wir nicht. Wir haben nur die Spieler, die wir haben!", sagte Trapattoni.

Dennoch: Der Druck auf ihn wächst. "Eine Horror-Show! Halloween kam zu früh", schrieb die "Irish Times": "Die Gespenster, Geister und langbeinigen Monster der Deutschen bescherten den Fans die fürchterlichsten 90 Minuten, an die man sich in Irland erinnern kann."

Irlands Zeitungen schreiben vom "Alptraum" und der "Nacht der Schande"

Der "Irish Independent" berichtete von einem "Alptraum an der Lansdowne Road". Es sei eine "Nacht der Schande" gewesen: "Schon wieder gedemütigt! Irland kassiert die höchste Heimniederlage seiner Geschichte." Die Frage nach der Zukunft Trapattonis wurde überall gestellt. "Es ist 'Traps' letztes verzweifeltes Aufbäumen", hieß es in einem Zeitungskommentar.

Aber dieses Aufbäumen war heftig. Trapattoni kämpfte, warf seine Arme in die Luft. "Ja, ich bin stolz auf diese Mannschaft. Die Spieler haben eine starke Mentalität. Sie spielen mit hundert Prozent Hingabe." Davon war gegen Deutschland allerdings wenig zu sehen, vor allem in der zweiten Halbzeit brach das Team zusammen.

Trapattoni hatte vor Spielbeginn schon Unangenehmes über sich lesen müssen. Spätestens seit dem EM-Fiasko, als sein Team mit drei Niederlagen aus drei Spielen sang- und klanglos ausgeschieden war, steht er in der Kritik. Als ein Angebot der Blackburn Rovers aus England kolportiert wurde, schrieb der "Herald", die Hoffnung, den Italiener loszuwerden, sei "für eine Nanosekunde" zurückgekehrt. Da der Italiener dafür aber - ein weiterer Seitenhieb - "den Glanz Mailands" verlassen müsste, sei diese Hoffnung auch schon wieder dahin.

Das 1:6 hat Trapattonis Position weiter arg geschwächt. Er und sein Stab seien zu teuer, der Stil, den er seiner Mannschaft verordnet hat, sei veraltet, er selbst sei nicht zum dringend erforderlichen Umbruch bereit. Und das sind nur einige der vielen Kritikpunkte. "Wir haben eben nicht die Möglichkeiten für eine andere Art des Spiels", sagte Trapattoni am Freitag.

Die Mannschaft müsse nun einfach ihren "Geist" wiederfinden. "Wir bekommen eine Chance, dieses Spiel vergessen zu lassen", sagte der Trainer. Diese Chance bietet sich am Dienstagabend - auf den Färöern. Selbst vor diesem Gegner muss Irland zittern, und sollte es schiefgehen, wird auch Trapattoni nicht zu halten sein. Trotz aller Leidenschaft.

Irland - Deutschland 1:6 (0:2)
0:1 Reus (32.)
0:2 Reus (40.)
0:3 Özil (55. Foulelfmeter)
0:4 Klose (58.)
0:5 Kroos (61.)
0:6 Kroos (83.)
1:6 Keogh (90.+2)
Irland: Westwood - Coleman, O'Shea, O'Dea, Ward - McCarthy, Andrews, Fahey (ab 52. Long) - McGeady (ab 69. Keogh), Walters, Cox (ab 84. Brady) Deutschland: Neuer- Boateng, Mertesacker, Badstuber, Schmelzer - Khedira (ab 46. Kroos), Schweinsteiger - Müller, Özil, Reus (ab 66. Podolski) - Klose (ab 72. Schürrle)
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: O'Dea, Long - Reus, Badstuber

luk/sid/dpa