WM-Schiedsrichter Advokaten und Bibelfreunde

Foul oder kein Foul, Tor oder nicht? Ein einziger Pfiff kann den WM-Titeltraum zerstören. 21 Schiedsrichter müssen bei der Endrunde in Deutschland richtig hinschauen. SPIEGEL ONLINE stellt die Akteure vor, die vor allem bei strittigen Szenen im Mittelpunkt stehen.

Von Pavo Prskalo


Nein, die charismatische Glatze ist bei dieser Weltmeisterschaft nicht dabei. Pierluigi Collina, der Mann mit den riesigen Augen, darf nicht mehr. Mit 46 Jahren ist der Italiener, der 2002 noch das WM-Endspiel zwischen Deutschland und Brasilien (0:2) geleitet hatte, laut Fifa-Statuten genau ein Jahr zu alt.

Stattdessen dürfen sich in Deutschland neue Kräfte bewähren. Zum Beispiel Marco Rodriguez aus Mexiko. Er ist mit 32 Jahren der jüngste aller WM-Schiedsrichter. Angst und bange dürfte ihm bei seiner Premiere nicht werden, der Sportlehrer liest vor den Spielen des Öfteren in der Bibel. Mexiko ist als einzige Nation mit zwei Referees vertreten: Benito Archundia, Rechtsanwalt und Volkswirtschaftler, feiert zudem sein WM-Debüt. Wie auch der Russe Walentin Iwanow.

Er ist mit 44 Jahren der älteste Unparteiische im Feld und einer von neun Schiedsrichtern, die von der europäischen Fußball-Union Uefa für das Turnier abgestellt werden. Bekanntester Europäer ist sicherlich Markus Merk. Der Deutsche wurde in seiner Karriere bereits zweimal zum Weltschiedsrichter des Jahres gewählt. Auch Merk kennt sich in der Bibel gut aus. In seiner Jugend war er zehn Jahre lang als Ministrant tätig.

Am 11. Juni greift er zum ersten Mal ins WM-Geschehen 2006 ein. Merk wird die Partie Serbien und Montenegro gegen die Niederlande leiten. Das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica pfeift der Argentinier Horacio Elizondo. 

20 Schiedsrichter sprechen fließend Englisch. Einzig Carlos Simon aus Brasilien nicht. Er verständigt sich ausschließlich auf Spanisch und Portugiesisch. Abzüge bei der WM-Gage gibt es für ihn deshalb allerdings nicht. Jeder Schiedsrichter sowie die teilnehmenden Assistenten erhalten von der Fifa rund 33.000 Euro. Im Vergleich: Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea zahlte der Weltverband gerade mal die Hälfte dieser Summe an die Unparteiischen aus.



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