WM-Schiedsrichter Eifriger Engländer, rigoroser Russe

Bei keiner WM standen die Schiedsrichter dermaßen im Rampenlicht wie 2006. Ein Brite verlor völlig den Überblick, ein Russe sorgte für einen traurigen Rekord. Der Traum eines deutschen Unparteiischen platzte durch einen fatalen Pfiff in der Vorrunde.


Markus Merk hatte lange gehofft. Ein EM-Finale durfte der Schiedsrichter bereits leiten, 2004 stand er auf dem Platz, als Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel den Titel gegen Portugal holte. 2006 wollte der 44-Jährige seine Karriere krönen. Die DFB-Elf war im Halbfinale ausgeschieden, der Weg für Merk somit frei, die Partie zwischen Frankreich und Italien zu leiten.

Doch die Fifa entschied anders. In der Vorrundenpartie der Gruppe E zwischen Ghana und den USA (2:1) hatte sich Merk einen Fauxpas geleistet. Er sprach den Afrikanern zu Unrecht einen Elfmeter zu. So nominierte der Weltverband den Argentinier Horacio Elizondo. Dieser pfiff bereits das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica (4:2) - ein Novum in der WM-Geschichte. Nie zuvor durfte ein Unparteiischer das erste und letzte Spiel einer Endrunde leiten.

Für viele Schiedsrichter war schon lange vor dem Endspiel Schluss. So musste der Engländer Graham Poll nach seiner Einlage im Spiel Kroatien gegen Australien (er zeigte dem Kroaten Josip Simunic drei Gelbe Karten, bevor er ihn des Platzes verwies) die Koffer packen.

Der Russe Walentin Iwanow sicherte sich mit seinem Aufritt beim Achtelfinale zwischen Portugal gegen die Niederlande einen Eintrag in den Geschichtsbüchern. Vier Platzverweise verteilte er, darüber hinaus acht Gelbe Karten - ein trauriger WM-Rekord. Portugal siegte in der farbenfrohen Partie 1:0, für die Holländer war das Turnier vorbei - ebenso für Iwanow, der sich von Fifa-Boss Sepp Blatter höchstpersönlich einen Tadel einfing.

pav



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