WM-Team Togo Fußball einigt das zerrüttete Land

Die Elfenbeinküste, Ghana und Togo haben auf der großen Fußballbühne noch nicht viel gezeigt. Nun aber sind die drei westafrikanischen Länder bei der WM dabei. Der Erfolg Togos ist die größte Überraschung, die Voraussetzungen waren alles andere als gut.

Von Maik Großmann


Togo war im Weltfußball bislang quasi nicht existent. Als prominenteste Bürger des Landes galten Nicole Conte, eine Flugbegleiterin, die dem Prinzen von Monaco einen Sohn gebar, sowie ein gewisser Yaka-Garonfin Kaptigan, mit 59 Jahren der älteste Tennis-Daviscupspieler aller Zeiten. Der einzige auch hierzulande bekannte Fußballer war der ehemalige Bundesliga-Wandervogel Bachirou Salou (etwa Gladbach, Dortmund und Rostock).

Togos WM-Team: "Adebayor, Adebayor"
DPA

Togos WM-Team: "Adebayor, Adebayor"

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet der winzige Staat eher durch andauernde Menschenrechtsverletzungen. Erst Anfang des Jahres ging die fast 40-jährige Militärdiktatur des Präsidenten Eyadéma zu Ende. Die Wahl seines Nachfolgers verlief unter derart dubiosen Umständen, dass der neue Staatschef bis heute nicht von der EU anerkannt wird. Auch die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Deutschland sind miserabel. Umso erstaunlicher, dass sich das zerrüttete Land mit seinen lediglich fünf Millionen Einwohnern für die WM-Endrunde qualifizieren konnte.

Dabei düpierte die Elf den Senegal, das Überraschungsteam der letzten Weltmeisterschaft, und sorgte für das größte Volksfest in der Geschichte des Landes. Das finale 3:2 im Kongo war noch nicht abgepfiffen, als bereits riesige Menschenmassen auf die Plätze der Hauptstadt Lomé strömten. "Adebayor, Adebayor", hallte es durch die Gassen. Der Stürmer vom AS Monaco ist der schillernde Star des Teams und wurde mit elf Treffern Torschützenkönig der Qualifikation.

Bei strömendem Regen tanzten die Togolesen durch die Straßen. Plötzlich war der Strom weg, alles lag im Dunkeln, doch die Menschen wollten noch nicht nach Hause gehen. Erst als der Gesundheitsminister über Rundfunk den Zapfenstreich ausrief, zogen die Massen ab, um in gleicher Mannschaftsstärke wiederzukommen, als tags darauf die Spieler einflogen. Trainer Stephen Keshi erhielt einen Orden, der folgende Tag wurde spontan zum Nationalfeiertag ausgerufen.

Dass Togo bei der Weltmeisterschaft in Deutschland für Furore sorgen wird, ist nicht anzunehmen. Der Nobody hatte bei der Auslosung der Vorrundengruppe nicht viel Glück. Das erste Spiel bestreitet Togo am 13. Juni gegen Südkorea, den WM-Halbfinalisten von 2002. Die Schweiz wartet am 19. Juni in Dortmund als Gegner. Zum Abschluss trifft Togo am 23. Juni in Köln auf den ehemaligen Welt- und Europameister Frankreich.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.