Fotostrecke

Kandidaten für die WM 2010: Torhüter und Verteidiger

Foto: AFP

WM-Test gegen Argentinien Lücke, Lücke, Tücke

Das Spiel gegen Argentinien ist der letzte Test vor der Nominierung des WM-Kaders - vor allem für Löws Abwehr. Drei Monate vor der Weltmeisterschaft sind noch zwei der vier Positionen in der Verteidigung vakant. Bei einer Pleite gegen die Maradona-Elf droht dem Trainer eine unangenehme Debatte.

Es steht viel auf dem Spiel. Am Mittwoch testet Joachim Löw sein Team gegen Argentinien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Eine Pleite gegen die Maradona-Elf und die mühsam gezähmte Diskussion um die Nachwirkungen des Vertragsstreits zwischen dem DFB und der sportlichen Leitung um Bundestrainer Joachim Löw fängt wieder an.

Niemand im deutschen Fußball hat allerdings vergessen, was vor vier Jahren los war, als das DFB-Team von Jürgen Klinsmann das Testspiel gegen Italien drei Monate vor der WM 1:4 verlor. Es brach eine mittlere Staatskrise aus - eine Wiederholung nach dem Argentinienspiel wollen sich alle Beteiligten gerne ersparen.

Das Kräftemessen mit dem zweifachen Weltmeister hat aber auch sportlich einen hohen Stellenwert. Es ist das letzte Testspiel vor der endgültigen Kadernominierung im Mai - und damit die abschließende Gelegenheit für die Wackelkandidaten, zu zeigen, ob sie im Nationaltrikot unter Druck erfolgreich agieren können.

Überangebot im Mittelfeld

Die Torwartfrage ist abgehakt. Über die Positionen im Angriff wird zwar seit Wochen lebhaft diskutiert, aber am Ende spielen sowieso die üblichen Jungs: Podolski, Klose und/oder Gomez. Im Mittelfeld gibt es ein Überangebot begabter Spieler. Darüber muss Löw sich die wenigsten Gedanken machen. Es bleibt die Abwehr. Die Fifty-Fifty-Abwehr.

Philipp Lahm und Per Mertesacker - niemand wird nur im Ansatz daran zweifeln, dass die beiden zum WM-Auftakt am 13. Juni gegen Australien in der deutschen Verteidigung aufgeboten werden. Beide haben sich in dieser Saison in ihren Vereinen zwar auch ihre sportlichen Auszeiten gegönnt. Dennoch: Es gibt weit und breit niemanden im deutschen Fußball, der ihnen den Stammplatz streitig machen könnte. 50 Prozent der deutschen Abwehr stehen.

Es bleiben die anderen 50 Prozent.

Gegen Argentinien wird Löw es voraussichtlich mit Serdar Tasci in der Innenverteidigung neben Mertesacker und mit Jérôme Boateng auf der Außenbahn versuchen - ein Fingerzeig für die Präferenzen des Bundestrainers. Mehr aber auch nicht. Es ist die Variante mit Unerfahrenen: Der Stuttgarter Tasci hat bislang neun Länderspiele absolviert, Boateng sogar nur zwei, wobei er sein erstes gegen Russland wegen einer Roten Karte nicht einmal zu Ende spielen durfte. Boateng ist zweifellos hoch talentiert, aber er macht noch nicht den Eindruck, ein großes Turnier mit den Weltbesten bestehen zu können. Sein Zweikampfverhalten wirkt ab und an ungestüm bis unbeholfen. Für Boateng ist die am Mittwoch versammelte argentinische Offensiv-Weltklasse von Lionel Messi bis Carlos Tevez der Lackmus-Test.

Tasci hat den Aufschwung seines Vereins genutzt, die eigene Form zu stabilisieren. Wenn der VfB gut spielt, ist auch Tasci da. Wäre es anders herum, wäre er noch wertvoller.

Land der Verteidiger - das war einmal

Als Gegenmodell böte sich die Reife-Variante an. Arne Friedrich von Hertha BSC mit schon geradezu unglaublichen 68 Länderspielen als Außenverteidiger, der Schalker Heiko Westermann als Mertesackers Nebenspieler. Zwei routinierte Bundesliga-Recken, die nicht mehr viel erschüttern kann. Westermann war allerdings zuletzt verletzungsgeplagt, Friedrich hat kaum Bemerkenswertes getan, um seinen Verein noch vom Klassenerhalt träumen zu lassen. Beides sind zudem Spieler, denen das Etikett solide anhaftet. Kein Attribut, das Weltmeister macht.

Wer noch? Wenige. Dass über die Nominierung eines hüftsteifen Innenverteidigers wie England-Profi Robert Huth überhaupt nachgedacht wird, zeigt: Deutschland, das Schlaraffenland der Verteidiger, der Kohlers, Brehmes und Schwarzenbecks, der Vogts, Försters und Briegels, hat nicht mehr viele von der alten Extraklasse.

Einer wie der Hoffenheimer Andreas Beck kann nur deswegen fast sicher sein, zur WM mitgenommen zu werden, weil es so wenige Alternativen gibt. Der Hamburger Dennis Aogo, zu Jahresbeginn noch hoch gehandelt, ist nicht einmal mehr im Kader für das Argentinienspiel. Holger Badstuber vom FC Bayern und Christian Träsch vom VfB Stuttgart, technisch beschlagen und trotz starker Konkurrenz in ihren Vereinen gesetzt, können sich gute Chancen auf ihre Nominierung ausrechnen. Beide sind aufgrund ihrer Jugend aber noch den Beweis schuldig, dass sie auf allerhöchstem Niveau konstant Leistung bringen. Eine WM ist möglicherweise der falsche Ort, dies auszuprobieren.

Am Hamburger Marcell Jansen scheint, wenn er gesund bleibt, kein Weg nach Südafrika vorbei zu führen. Jansen blüht beim Hamburger SV derzeit allerdings im Mittelfeld auf, als Außenverteidiger hat er bei der EM 2008 enttäuscht. Der Wolfsburger Marcel Schäfer ist bestenfalls der klassische Mann für WM-Kurzeinsätze, der dann eingewechselt wird, wenn es gilt, einen Vorsprung über die Zeit zu sichern. Die Leverkusener Gonzalo Castro und Manuel Friedrich könnten es allerhöchstens noch auf die WM-Shortlist schaffen, wenn sie maßgeblich dazu beitragen, dass Bayer Meister wird. Der Dortmunder Mats Hummels, der von seinem Trainer Jürgen Klopp ebenso hartnäckig wie wärmstens für die Nationalelf empfohlen wurde, wird von Löw ignoriert und ist durch einen Kieferbruch jetzt ohnehin wochenlang außer Gefecht.

2008 ist Deutschland letztlich wegen seiner Abwehr nicht Europameister geworden. Christoph Metzelder heißt das Stichwort. Zwei Jahre später ist das DFB-Team in der Entwicklung seiner Defensive nicht viel weitergekommen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.