WM-Testspiele Große Emotionen im Stade de France

Ein 7:0 wie Deutschland schaffte keiner, meist waren die Gegner aber auch besser als Luxemburg. Mit insgesamt eher mäßigen Auftritten bereiten sich die WM-Favoriten auf die Endrunde vor. Die Formschwäche eines Gruppengegners beäugt man in Deutschland besonders aufmerksam.


Hamburg - Die kraftraubende Vorbereitung auf die WM steckte den meisten Spielern in den Knochen, zudem testeten die Trainer etliche taktische und personelle Kombinationen. Die Folge waren eher zähe Testspiel-Auftritte jener Mannschaften, die bei der WM in zwölf Tagen neben den Gastgebern für großen Sport und viel Applaus sorgen sollen. In einem Fall kam es trotzdem zu einem spektakulären Auftritt. 

Frankreich-Star Zidane: Letzes Spiel an der Stätte des Triumphs
AFP

Frankreich-Star Zidane: Letzes Spiel an der Stätte des Triumphs

So geriet der 1:0-Erfolg Frankreiches gegen Mexiko angesichts des 100. Länderspiels und gleichzeitigen Abschieds von Zinedine Zidane aus dem Stade de France zur Nebensache. In diesem Stadion hatte sich der Mittelfeldspieler mit zwei Kopfballtoren vor acht Jahren im Finale gegen Brasilien unsterblich gemacht, Frankreich feierte damals seinen ersten WM-Sieg.

"Irgendwann geht jede Ära zu Ende. Doch jetzt gilt die Konzentration der WM, denn wir wollen uns noch steigern, um mit einem Sieg ins Turnier zu starten", sagte Zidane, dem die 80.000 Zuschauer bei seiner Auswechslung in der zweiten Halbzeit stehend applaudierten. Der 33-Jährige wird seine Karriere nach der WM beenden.

Den französischen Siegtreffer erzielte Mittelfeldspieler Florent Malouda mit einem wuchtigen Schuss unter die Latte des mexikanischen Tors. "Ich habe nichts Glanzvolles erwartet, wir haben uns zum Erfolg gequält", sagte Frankreichs Coach Raymond Domenech. Für Misstöne sorgten die Pfiffe der Fans gegen Keeper Fabien Barthez, der von Coach Domenech den Vorzug vor dem von vielen Beobachtern stärker eingeschätzten Gregory Coupet erhalten hatte. Dazu Zidane verärgert: "Es ist skandalös, wenn Fans die eigenen Spieler ausgepfeifen. Es ist, als hätten sie mich zum Abschied ausgepfiffen."

Deutschlands Auftaktgegner Costa Rica präsentiert sich hingegen noch nicht WM-reif. Die Mittelamerikaner kassierten eine 0:4-Niederlage beim WM-Neuling Ukraine. Dabei zeigten die Osteuropäer ohne ihren angeschlagenen Superstar Andrej Schewtschenko den "Ticos" vor allem in der ersten Halbzeit die Grenzen auf. Sergej Nasarenko (35. Minute), Andrej Worobjew (39.) und Maxim Kalinitschenko (40.) schossen bereits vor der Pause einen 3: 0-Vorsprung heraus, Alexej Belik (55.) sorgte für den Endstand. Schon am vergangenen Donnerstag hatte Costa Rica 0:2 gegen eine katalanische Auswahl verloren.

Zu einem 1:0-Arbeitssieg kamen auch die Niederlande gegen Kamerun. Ruud van Nistelrooy erzielte dabei sein 26. Tor im 50. Länderspiel. Dennoch ließ die Vorstellung der "Oranjes" viele Wünsche offen. "Nur in der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, was möglich ist", resümierte Bondscoach Marco van Basten, in dessen vermeintlicher Wunschelf  Bundesliga-Profi Rafael van der Vaart vom Hamburger SV nicht zu finden war.

Seine fast schon chronischen Angriffsprobleme unterstrich Spanien beim 0:0 in Albacete gegen Russland. Zumindest hielt die Serie der Iberer, die seit nunmehr zwanzig Spielen ungeschlagen sind.

Beim 4:1 von Portugal gegen den Fußball-Zwerg Kap Verde fielen zwar mehr Tore, der Europameisterschafts-Zweite von 2004 ließ dennoch jeglichen Spielwitz vermissen. Die Schweiz und WM-Neuling Elfenbeinküste trennten sich 1:1. Mit dem gleichen Ergebnis endete der Auftritt Paraguays in Dänemark, sowie das Spiel Serbien/Montenegros gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay. Trinidad und Tobago verlor hingegen 1:2 gegen Wales.

kob/sid



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