WM-Trainer Dankeschön, auf Nimmerwiedersehen

Pfiff, aus und vorbei: Mindestens zehn Trainer sind nach der WM in Südafrika fällig. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer gehen muss, bleiben darf, hinschmeißen könnte - und was wird jetzt aus Diego Maradona und Joachim Löw?


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WM-Trainer: Entlassen, gegangen, fraglich
2. Juli, kurz vor 18 Uhr, Schlusspfiff in Port Elizabeth: Brasilien hat 1:2 gegen die Niederlande verloren. Das stolze Brasilien, per Selbstverständnis die beste Fußball-Nation auf dem Globus, im Viertelfinale gescheitert. Die Tage von Carlos Dunga als Trainer der Seleção waren gezählt.

"Ohne Zweifel bin ich der Trainer dieser Mannschaft und trage die größte Verantwortung. Jeder wusste von Anfang an, dass mein Vertrag für vier Jahre war", sagte der 46-Jährige. Als Rücktritt wollte er diese Worte zwar nicht verstanden wissen. Dunga war jedoch mit der Vorgabe nach Südafrika gereist, zum sechsten Mal den WM-Pokal in die Heimat zu holen. Er scheiterte.

Zwei Tage nach dem Aus in Südafrika trennte sich der brasilianische Fußballverband dann auch offiziell von Dunga. Er ist damit der erste und bislang einzige Trainer aller WM-Teilnehmer, der gefeuert wurde.

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Von Blatter bis Wulff: Tops und Flops der WM
Insgesamt 32 Teams traten in Südafrika an. Und für 32 Trainer sollte das Turnier ein Höhepunkt werden - für einige wurde es jedoch zur Farce. Nur 15 Übungsleiter werden auch nach der WM defintiv im Amt bleiben, zehn gehen definitiv, von sieben ist das Schicksal noch offen. Und bei zwei prominenten Namen fiebern die Fußball-Fans der Entscheidung entgegen: Gehen sie, oder bleiben sie?

"Ich brauche jetzt erst einmal Ruhe. Aber meine Entscheidung wird zeitnah fallen." Gesagt hat diesen Satz Bundestrainer Joachim Löw unmittelbar nach dem 3:2-Sieg gegen Uruguay im Spiel um Platz drei. Zu diesem Zeitpunkt war Löw faktisch ohne Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), denn eine Verlängerung seines bis 30. Juni dieses Jahres datierten Kontraktes war im Februar gescheitert. Seitdem ruhten die Verhandlungen, doch DFB-Präsident Theo Zwanziger ließ während der WM kaum eine Gelegenheit aus zu betonen, wie gern er mit dem Bundestrainer verlängern würde. Zwanzigers Pläne sind indes nicht ganz uneigennützig: Im Herbst will er sich erneut zum DFB-Chef wählen lassen. Ein Vorhaben, das sich leichter realisieren lassen würde, wenn Löw, 50, nach dieser überaus erfolgreichen WM weiter im Amt bliebe.

"Meine Zeit ist abgelaufen. Ich habe alles gegeben, jetzt will ich mich der Familie widmen." Gesagt hat diesen Satz Diego Maradona, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft, nach der 0:4-Niederlage im Viertelfinale gegen Deutschland. Daraufhin ging ein Aufschrei durchs Land, der von den Argentiniern als Fußball-Gott verehrte 49-Jährige müsse weitermachen. Ein offizieller Rücktritt waren die Worte Maradonas nicht - noch nicht. Und es ist bis heute nicht klar, ob der Weltmeister von 1986 die "Albiceleste" auch nach Südafrika weiter trainieren wird.

Zukunft ungewiss: Ein Schicksal, das Löw und Maradona mit Trainern wie Milovan Rajevac (Ghana), Paul Le Guen (Kamerun), Lars Lagerbäck (Nigeria), Kim Jong Hun (Nordkorea) und Bob Bradley (USA) teilen.

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WM-Top-Elf: Die Besten der Weltmeisterschaft 2010
Entschieden ist dagegen die Zukunft von zehn Trainern - in der Form, dass sie keine mehr als Nationaltrainer haben. Neben dem gefeuerten Dunga erklärten einige von sich aus ihren Abschied, wie etwa Griechenlands Coach Otto Rehhagel, bei anderen stand bereits vor dem Turnier ihre Ablösung fest. Wie bei Frankreichs Trainer Raymond Domenech, der durch Laurent Blanc ersetzt wird. Allerdings wäre der 58-Jährige wohl umgehend nach dem Turnier entlassen worden, hätte er einen gültigen Kontrakt über die WM hinaus gehabt.

Kein Team trat in Südafrika so desaströs auf wie Frankreich, keines gab in der Öffentlichkeit ein derart katastrophales Bild ab wie der Weltmeister von 1998. Schlechte Leistungen, lustlose Spieler und das Aus nach der Vorrunde, dazu die verbale Entgleisung und anschließende Verbannung von Nicolas Anelka sowie ein Trainingsboykott des Teams sorgten dafür, dass die Fußball-Welt über die "Grande Nation" nur noch den Kopf schütteln konnte.

Domenech befindet sich in Gruppe A, in der Frankreich spielte, übrigens in bester Gesellschaft. Drei der vier Teams müssen sich einen neuen Coach suchen, allein Uruguays Oscar Washington Tabárez bleibt im Amt. Mexikos Nationaltrainer Javier Aguirre trat nach der 1:3-Niederlage im Achtelfinale gegen Argentinien mit den Worten zurück: "Ich muss gehen, das ist das Ehrenwerteste, was ich machen kann." Und Südafrikas Coach Carlos Alberto Parreira erklärte nach dem 2:1-Sieg gegen Frankreich, der zum Weiterkommen nicht reichte, dass er seinen bis 15. Juli dieses Jahres gültigen Vertrag nicht verlängern werde.

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WM-Zeugnisse: Schweinsteiger hui, Schiris pfui
Es war das zweite Mal nacheinander, dass Parreira im Anschluss an eine WM zurücktrat. Vor vier Jahren, am 19. Juli 2006, stellte der Brasilianer schon einmal sein Amt zur Verfügung. Damals war er Trainer seines Heimatlandes, sollte das Team zum Titel führen, scheiterte jedoch im Viertelfinale an Frankreich (0:1).

Ein Schicksal, das auch seinem Nachfolger bei der Seleção ereilte. Wobei Carlos Dunga nicht aus freien Stücken ging, sondern gegangen wurde.

insgesamt 1748 Beiträge
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Seite 1
donfuan, 08.07.2010
1. ...
Wenn man nicht mit Schiss in der Buchse aufläuft, kann man so ein Spiel auch gewinnen. Riesenchance verpasst - Schade.
BeckerC1972, 08.07.2010
2.
Zitat von sysopNach der Niederlage gegen Spanien herrscht Frust bei der DFB-Elf - doch auch Zuversicht für die kommenden Jahre. Wie sehen Sie die Zukunft des Bundestrainers und des Teams?
Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
Statikus 08.07.2010
3.
Zitat von BeckerC1972Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
Volle Zustimmung, ich blicke auch mit großem Optimismus in die Zukunft, so man sich denn mit Löw einigen kann. Zum Linksverteidiger: Ich würde da gern mal Aogo sehen.
loncaros 08.07.2010
4. Angriff
Wer soll für Deutschland stürmen wenn Klose 36 ist? Wir haben ja nicht mal einen sicher der den einen beim 451 besetzt, was ist erst los wenn plötzlich wieder ein 2 stürmer-system Mode wird?
galaxyaner 08.07.2010
5.
Zitat von BeckerC1972Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
Na, wobei ich doch mal in den Raum stellen möchte: Ist der Trainer weiterhin der richtige? Welche Taktik sollte das gestern gewesen sein, die vorgegeben wurde? Lasst die Spanier sich kaputt laufen und dann schlagt zu? Zwei mal gehen wir, ohne jede Chance, gegen Spanien unter. Hat man aus 2008 nichts gelernt?
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