WM-Vergabe Bin Hammam weist Bestechungsvorwürfe zurück

Asiens Fußball-Boss Mohamed bin Hammam hat unlautere Geldzahlungen im Zuge der WM-Vergabe 2022 an Katar bestritten. Im Kampf um den Fifa-Vorsitz kann sein Rivale Joseph Blatter auf die Unterstützung des Kontinentalverbands Ozeanien bauen.

Blatter-Herausforderer Hammam: "Wo ist der Beweis?"
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Blatter-Herausforderer Hammam: "Wo ist der Beweis?"


Hamburg - Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam hat die Bestechungsvorwürfe in Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an sein Heimatland Katar entschieden zurückgewiesen. "Ich kann versichern, dass nichts dergleichen passiert ist", sagte der Präsident des asiatischen Fußball-Verbandes (AFC) und forderte Beweise: "Es ist nicht passiert. Man kann viel sagen, um den Ruf eines Menschen zu beschädigen, aber wo ist der Beweis?"

Der britische Parlamentsabgeordnete Damian Collins hatte bei einer Anhörung in London behauptet, vor der Vergabe der WM-Gastgeberrolle 2022 im vergangenen Dezember an Katar sollen zwei Fifa-Spitzenfunktionäre je 1,5 Millionen Dollar für ihre Stimmabgabe zugunsten des Wüstenstaates erhalten haben. Dafür habe er auch Beweise.

Einer der von Collins beschuldigten Personen ist Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Verbandes Caf, der die Vorwürfe bereits als "reine Erfindung" bezeichnet hat. Afrikas Verband bestätigte aber, dass Katars WM-Bewerbungskomitee 2022 als Sponsor der Caf-Generalversammlung eine Zahlung in Höhe von 1,8 Millionen Dollar geleistet hat. Als Gegenleistung habe Katars Bewerbungskomitee die "Exklusivrechte" erhalten, im Vorjahr vor der Generalversammlung zu sprechen und Präsentationen vor Mitgliedern zu machen.

"Wir müssen als Land ehrlich sein"

Lord David Triesman, der frühere Präsident des englischen Verbandes FA und Chef der gescheiterten englischen WM-Bewerbung für 2018, hatte zudem vier hochrangige Fifa-Mitglieder beschuldigt, für ihre Stimmen Gegenleistungen gefordert zu haben. Dazu sagte Englands Sportminister Hugh Robertson: "Wir müssen als Land ehrlich sein, dass Lord Triesman diese Anschuldigungen im Parlament zwar erhoben hat, aber sie werden schwer zu beweisen sein, weil es nur Gespräche mit einzelnen Personen waren."

Trotz der Bestechungsvorwürfe schließt Robertson die Neuvergabe der Turniere 2018 und 2022 aus. "Es gibt keine Chance, den Prozess zu wiederholen", sagte Robertson der britischen Nachrichtenagentur Press Association und fügte hinzu: "Das wäre von der Fifa ein riesiges Eingeständnis eigenen Versagens."

Fifa-Boss Joseph Blatter hatte am Mittwoch angekündigt, die Vorfälle bis zur Präsidentenwahl am 1. Juni aufklären. Dort tritt Blatter gegen Bin Hammam zur Wahl an, der als eine der Führungsfiguren der erfolgreichen WM-Bewerbung Katars gilt. Bin Hammam hat in seiner Wahlkampfstrategie die Einrichtung einer unabhängigen Transparenz-Kommission angekündigt.

Uefa steht hinter Blatter

Blatter kann bei der Wahl auf die Unterstützung des Kontinentalverbands Ozeanien (OFC) bauen. Dies erklärte OFC-Präsident David Chung nach einer Sitzung der OFC-Exekutive im neuseeländischen Auckland. Die Fifa habe unter Blatters Regie einen "bedeutsamen Einfluss" auf die Entwicklung und Popularität des Fußballs in der Region Ozeanien gehabt.

Ende April hatten bereits die zehn Mitgliedsländer des südamerikanischen Verbandes Conmebol angekündigt, beim Fifa-Kongress in Zürich "gemeinsam" und "geschlossen" hinter dem 75 Jahre alten Schweizer zu stehen. Auch die Europäische Fußball-Union Uefa hat sich für Blatter ausgesprochen. Uefa-Chef Michael Platini und das Exekutivkomitee hatten die 53 Mitgliedsverbände in einem Schreiben gebeten, den Fifa-Boss zu unterstützen. Blatter, seit 1998 Fifa-Präsident, strebt eine vierte und letzte Amtszeit an. Stimmberechtigt sind alle 208 Mitgliedsverbände der Fifa.

jar/sid/dpa

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team_frusciante 13.05.2011
1. ...
---Zitat von BinHammam--- Es ist nicht passiert. Man kann viel sagen, um den Ruf eines Menschen zu beschädigen, aber wo ist der Beweis? ---Zitatende--- Der Beweis ist, dass die WM in Qatar stattfindet, gegen den gesunden Menschenverstand und trotz unfassbar vieler Gründe, die dagegen sprechen. Allem voran der Irrsinn, in ein Land das 1,7 Millionen Einwohner hat, die fast alle in derselben Stadt leben, ein Dutzend riesiger Stadien zu bauen. Stadien, die hinterher keiner mehr braucht. Entweder in der Entscheidungskomission sitzen minderbemittelte oder korrupte Menschen.
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